14.11.2014: Hot Water Music, Dave Hause, The Flatliners - The Observatory - Santa Ana, CA

 

Inspiration, Zugehoerigkeit und Verbruederung liegen in der Luft. Egal, ob Chuck Ragan oder Chris Cresswell zur Umarmungsrede ausholen - jedes Mitglied des Tour-Line Ups zum zwanzigjaehrigen Geburtstag von HOT WATER MUSIC besteht heute zu mindestens fuenfzig Prozent aus Gaensehaut. Cresswell ist das nicht anzusehen, aber trotz praktisch leerem Haus zu frueher Stunde umso mehr anzuhoeren. "Birds Of England" beschliesst ein etwas zoegerliches Set, nachdem "Eulogy", "Count Your Bruises" oder "Resuscitation Of The Year" die "early birds" in den ersten Reihen mit Bierlaune und Singalongs ausstatten.
Die FLATLINERS sind zu routiniert und leidenschaftlich, als das die Kanadier im Observatory bloss eine mittelmaessige Show abliefern. Dennoch muss das Handtuch von Gitarrist Scott Brigham heute kaum Schweiss aufsaugen. Eher kommt jenes bei DAVE HAUSE zum Einsatz, der voller Uebermut noch in den ersten Takten zwei randvolle Bierflaschen ueber die Buehne fegt. Schuldgefuehle galore. Immerhin ist Santa Ana ab Sekunde eins hoerig und klatscht, groehlt und lebt ab "Damascus" kraeftig mit. Unter anderem mit SOCIAL DISTORTION-Drummer David Hidalgo Jr. und Bruder Tim Hause an Keyboard und Zweitstimme ist DAVE HAUSE' Enthusiasmus kaum zu toppen. "The Shine" fordert die Organisation und Gesangskuenste des Publikums, "The Great Depression" unterstreicht den serioesen Americana-Rock-Herzschlag des sympathischen Ostkuestlers. "Chuck Ragan, George Rebelo, Chris Wollard, Jason Black" beginnt HAUSE seine Respektpredigt. "Ich kann diesen Typen einfach nicht genug danken". Die Songs seiner LOVED ONES schaffen den Sprung in die Setliste nicht mehr - lieber bieten "Melanin" und "Time Will Tell" neben "Stockholm Syndrome" und "Autism Vaccine Blues" einen Querschnit durch das Soloschaffen und die Alben "Resolutions" und "Devour". Erst als DAVE HAUSE im Finale seine Gitarre schleudernd ans Bruderherz weiterreicht aber - und ueber den Sicherheitsgraben hinweg ins Publikum kommandiert - scheint der sonst so schuechterne Frontmann in seinem Element. Nicht zuletzt die astreine Liveband traegt heute fuer die Qualitaet des knapp fuenfundvierzigminuetigen Sets bei - auch ist es die sprudelnde und aufrichtige Art, die bei HAUSE stets wie auf Knopfdruck einsetzt.
Das Observatory tut sich trotz fortgeschrittenem Freitagabend schwer und scheint erst mit den ersten Takten von "Mainline", welches nahtlos auf den Opener "Us & Chuck" folgt, komplett bei Sinnen zu sein. Natuerlich fliegen Bierdosen, natuerlich sieht Chuck Ragan aus, als gehoere er mit Buch und Teetasse lieber in den Schaukelstuhl und auf die Veranda. Zunaechst aber erzaehlen er und Chris Wollard alte und junge Stories, die "Rooftops" oder "Sweet Disasters", "Drag My Body" oder "Difference Engine" heissen. Zwanzig Jahre HOT WATER MUSIC lassen die Setlist platzen, Drummer George Rebelo dennoch stets die dynamische Oberhand behalten und AVAILs "Simple Song" im typischen Reibeisen-Duett erschallen. Santa Ana laesst Ragan bloss die erste Zeile von "Remedy" alleine schreien - und waehrend einige beschraenkte Konzertbesucher ihre Faeuste lieber zum Pruegeln missbrauchen (um anschliessend ohne Umwege vor die Tuer gesetzt zu werden...) anstatt sie in die Luft zu werfen, feiern andere friedlich und umschlungen zu "Trusty Chords". Hier laesst sich mit DAVE HAUSE ein alter Bekannter am Mikrofon blicken, bevor der Hoehepunkt des 16-Song umfassenden Abends familiaer und vereint mit "True Believers" eingetuetet wird. Ein BOUNCING SOULS-Cover mit besten Gruessen nach New Jersey - aber keine Sperenzchen, keine Allueren, keine Aussetzer. HOT WATER MUSIC verkoerpern auch zwei Dekaden nach ihrer Gruendung noch den Spirit des Punkrock, wie er im Buche stehen sollte. Wenn sie das ausserdem - wie aktuell - zusammen mit einem hochkaraetigen Supportdoppel und in spielerischer Hoechstform tun, koennen die Tage bis zum naechsten Jubilaeum gar nicht schnell genug vergehen.