14.08.2015: 2.Seebühnen Regatta: Enno Bunger + Me And My Drumer - Mannheim - Luisenpark

 

Der Wettergott scheint es nicht gut mit der Seebühnen Regatta in Mannheim zu meinen. Schon im letzten Jahr konnte das Eintagesfestival nicht (wie geplant) auf der Seebühne im Mannheimer Luisenpark stattfinden und musste in die Festhalle Baumhain verlegt werden. Dieses Jahr wurde das 1 Tages Festival um 2 Konzerte an den Tagen zuvor erweitert, was die schlechte Stimmung des Wettergottes allerdings nicht besänftigen konnte, denn schon wieder beginnt es pünktlich am Freitag, um 20:00 Uhr zu regnen. Dann muss eben wieder die Festhallte Baumhain herhalten,…

Ziemlich pünktlich, um kurz nach 20:00 Uhr, betreten ME AND MY DRUMMER die Bühne und kündigen an, dass sie im Folgenden ein Doppelkonzert mit ENNO BUNGER spielen werden. Klar, dass heute Abend ME AND MY DRUMMER und ENNO BUNGER auf der Bühne stehen werden ist allen anwesenden klar, aber die Art und Weiße, wie die beiden Bands das heutige Konzert spielen werden, wissen nur dir wenigsten. Für einen Tag verzichtet man auf die klassische Vorband/Hauptband Aufteilung und wechselt sich einfach Set-weise ab. Jede Band spielt einfach ihr komplettes Set, verlässt jedoch nach 3-6 Songs wieder die Bühne und überlässt der anderen Band die Bretter die, die Welt bedeuten. Erst ein paar Songs von ME AND MY DRUMMER, dann ein paar Songs von ENNOBUNGER, woraufhin ME AND MY DRUMMER wieder die Bühne betreten,… und so weiter und so fort. Heute sind alle Bands gleichgestellt. So zumindest der Grundgedanke. Am Ende kommt dann ja meist doch alles anders und der Plan geht nicht so auf, wie man ihn sich vorher stundenlang ausgemalt hat. So auch heute,… denn pünktlich zu Song 2 von ME AND MY DRUMMER streikt die Technik und „my drummer“ verschwindet, auf allen Vieren, hinter seinem Schlagzeug. Im Folgenden muss eine leicht überforderte Charlotte Brandi die Alleinunterhalterin mimen, um die Masse bei Laune zu halten. Die zündende Idee, wie sie das tun soll, will ihr allerdings nicht so richtig einfallen. Nur dass sie nicht „Wonderwall“ von Oasis spielen will, wie es aus dem Zuschauerraum gefordert wird, da ist sie sich sicher. Und so wird sich wild durch die Keyboard Datenbank geklickt, ein Song alleine dargeboten und ein Witz erzählt.

„Kommt ein Mann in einen Milchladen und sagt „Ich hätte gerne Milch.“
Daraufhin die Verkäuferin: „okay, ich habe fettarme“
„Ja, das seh ich – sieht nicht gut aus““

Badumtss! Kein schlechter Witz, findet auch die Menge und die Stille vom angespannten Lauschen des 1. Songs ist Geschichte. Nach mehreren bangen Minuten wird Charlotte Brandi dann endlich erlöst und der Vorteil des Doppelkonzerts ausgespielt.

ENNO BUNGER betritt zusammen mit seiner Band die Bühne und bringt den musikalischen Aspekt wieder zurück auf die Bühne. Mitgebracht hat er einen bunten Straus Blumen, aus alten und neuen Songs. Brandneue Songs. Denn beide Bands des Abends stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums und so wird Mannheim die Ehre zu Teil, schon vor der eigentlichen Veröffentlichung, einen ersten Blick auf die neuen Songs zu werfen. Und diese reihen sich wunderbar inmitten der alten und älteren Songs ein. Melancholische Texte treffen auf eine Mixtur aus Indie, Pop und Folk. Wie immer maßgeblich geprägt durch das Klavier. Und so herrscht auch betretenes Schweigen, während ENNO + Band Song für Song für Song spielen. Mannheim hört lieber aufmerksam zu, als mit zu klatschen oder mit zu singen, was sich auch am nächsten Tag (bei OLLI SCHULZ) wiederholt. Nur der vieeeel zu große Drang einiger sich während dem Konzert etwas zu trinken kaufen zu müssen und damit Verbunden aufs Klo zu gehen unterbricht, neben den lustig, ironischen Songansagen von ENNO BUNGER, immer mal wieder die Stille. Man hätte die Tür auch einfach offen stehen lassen können - die Zuschauer haben sich eh die Klinke in die Hand gegeben.

Auch während ME AND MY DRUMMER, die den Fehler nun endlich gefunden haben und mit neuem In-Ear auch wieder voll durchstarten können, findet der Strom in Richtung Tür keinen Abbruch. An der Musik kann es auch in diesem Fall nicht liegen. Charlotte Brandi trifft mit einer absoluten Trefferquote jeden Ton und liefert eiskalt ab. Minimalistischer Sound aus Piano/Keyboard und Schlagzeug trifft nun auch wieder auf Synthesizerklänge. Hach, die Technik von heute kann einem schon mal einen Streich spielen. Die Menge lauscht weiterhin aufmerksam und Charlotte Brandi steht die Rolle als Sängerin doch um einiges besser, als die der Alleinunterhalterin.

Und so reiht sich ein Set an das nächste und der Abend wird länger und länger. Es hat also doch Vorteile, dass die Seebühne wieder einmal unbespielbar war. Dort hätte das Konzert nämlich pünktlich um 22:00 abgebrochen werden müssen. In der Festhalle Baumhain dagegen kann auch nach 22:00 Uhr noch gemütlich weitermusiziert werden. Manchmal ist so ein bisschen nass doch für etwas gut. Kurz vor 23:00 Uhr ist dann allerdings auch hier Schluss und die Zuschauer werden in den leichten Nieselregen entlassen.

Schönes Doppelkonzert mit einigen Stolpersteinen, die allerdings allesamt bestens gemeistert wurden. Die Idee der abwechselnden Sets hat gut funktioniert und kann sich ruhig etablieren. Das stetige hin und her lässt keine Langeweile aufkommen und beide Bands werden im gleichen Maße gewürdigt. Nur was das ganze jetzt mit TV.Noir zu tun hatte bleibt mir ein Rätsel.

 

Danke liebes Maifeld Derby für all die schönen Konzerte die du immer wieder nach Mannheim bringst! Und Danke ENNO BUNGER und ME AND MY DRUMMER für das schöne Konzert! Nur Mannheim, fühl dich ermahnt – trink verdammt nochmal nicht so viel!