16.02.2014: The Lawrence Arms, Nothington, Great Apes - El Rey Theatre - Los Angeles, CA

 

Nicht mal mit altbewährten Penis-Witzen schafft es Brendan Kelly an jenem Stock zu rütteln, der Los Angeles am heutigen Sonntagabend tief im Allerwertesten zu stecken scheint. Das El Rey Theatre mit seinem Art Deco-Charme ist ausverkauft, wirkt allerdings mit wenigen Ausnahmemomenten wie die Hauptversammlung der hiesigen Rechtsanwaltskanzlei. Die kühle Stimmung im ansehnlichen, von übergrossen Kronleuchtern bewachten Theater, macht nach den heute eher durchschnittlichen GREAT APES auch den tourwütigen Bay Area-Punkrockern von NOTHINGTON einen Strich durch die Rechnung. Die sonst eher Tuchfühlung und Bierduschen bevorzugende Band um die beiden Sänger Chris Matulich und Jay Northington beisst mit (endlich mal wieder) neuem Schlagzeuger und leider schwammigem Livesound nicht ins Gras, im bis jetzt noch spärlich gefüllten El Rey aber deutlich auf Granit. "Where I Stand" oder "Far To Go" verlaufen sich in der Weite des Venues, zu "Last Time" schnellt immerhin eine überschaubare Anzahl Finger in die Höhe und zaubert ein hoffnungsvolles Grinsen in die bärtigen Gesichter.
Für das heutige Line Up möchte sich die Entertainment-Hauptstadt sichtlich ungern verausgaben, so stecken alle wichtigen (Label-)Menschen ihre Köpfe lieber in sicher noch wichtigere Gesprächen mit anwesenden Musikern oder Kollegen, als sich die Bohne für NOTHINGTONs "The Escapist" oder die neue "Live In Germany"-EP zu interessieren, die man der Band bitte später neben exklusiven "Party Dudes"-Shirts am Merchtisch abschwatzen möchte.



Glücklicherweise sieht das Bühnenpersonal davon ab, die veranschlagten fünfunddreissig Minuten Umbaupause auszukosten, bis der rote Vorhang sich für heute ein letztes Mal zur Seite schiebt. Man kann bei THE LAWRENCE ARMS nicht wirklich von Stammgästen sprechen, ginge es um ihren Tourplan oder bloss einigermassen stetige Lebenszeichen. Schnell filtern sich ab 21.45h die Besucher heraus, die heute Abend - zwischen Valentinstag und Presidents Day - freiwillig die Anreise auf sich genommen haben. "Chilean District" eröffnet das Set der Chicagoer, welches mit starkem Showcase-Beigeschmack fortgeführt wird: Neben etwa "The Devil's Taking Names" oder "The Ramblin' Boys Of Pleasure" spulen Kelly, der unscheinbare Chris McCaughan und Lockenschopf-Schlagzeuger Neil Hennessy beinahe ausschliesslich das neue Album "Metropole" ab. Allein die melancholischen Frage/Antwort-Gesänge zwischen Hinschmeissen und Schönsaufen heben die neuen Stücke auch live eine Stufe höher, während sich Kelly im hartnäckigen THE CLASH-Gedächtnislongsleeve als Pausenclown empfiehlt. "Wo steckt unser Tourmanager? Zum ersten Mal überhaupt ist uns auf der Bühne der Alkohol ausgegangen!" druckst der Bassist, dem man die ins Land gezogenen Jahre optisch am stärksten ansieht.



"The Slowest Drink At The Saddest Bar On The Snowiest Day In The Greatest City" und "Seventeener (17th And 37th)" bilden Eckpfeiler im knapp fünfzigminütigen Set, das komplett ohne Allüren oder Distanz auskommt. Im Gegenteil: jedes Mal, wenn Kelly seinen Basshals fordert in Richtung Moshpit steckt, schallt es eindrucksvoll treu und textsicher zurück. Haben etwa auch in Los Angeles einige Seelen den massgeblichen Punkrock von THE LAWRENCE ARMS vermisst? Eine Antwort liefert die Stimmung heute Abend sicher so wenig wie der kratzige Klang aus den PA-Boxen, der sich aufgrund der Akustik im El Rey Theatre gerne alle fünf Meter verändert. Die eigentlichen Live- und natürlich vor allem Songwriterqualitäten der Chicagoer werden jedoch gleich nach "Record Player" und der Alibi-Zugabe "100 Resolutions" vor der Tür weiter ausdiskutiert. Hauptsache, niemand erwähnt mehr die Peniswitze oder Qualitäten der Supportbands.