16.04.2015: GOOD RIDDANCE, A WILHELM SCREAM, BAD COP BAD COP - West Hollywood - Troubadour

 

Guns'n'Roses, Bruce Springsteen, Tom Waits, GOOD RIDDANCE. Schon 1997 waren die Hardcorepunker aus Santa Cruz im legendaeren "Troubadour" in West Hollywood zu Gast - damals als Support von LIFETIME - und reihten sich in die endlose Liste der kleinen bis riesigen Kuenstler ein, die hinter jenen Club ein Haekchen machen konnten. Luke Pabich allerdings beschaeftigt heute ein anderes Phaenomen: Mit dem rasanten Gitarren- und Bassspiel seiner Support-Kollegen Brian Robinson, Mike Supina und Trevor Reilly kommt er einfach nicht zurecht. Waehrend die drei und ihre Band A WILHELM SCREAM das heute eher lasche Set von BAD COP BAD COP mit eben jener Finesse vergessen lassen, steht der GOOD RIDDANCE-Gitarrist am Buehnenrand und staunt so sehr, dass er seine Erfahrung spaeter mit dem Publikum teilen muss. Auf die Melodycoreband aus New Bedford ist wie immer Verlass. Trotz Knieverletzung turnt Nuno Pereira ueber die Buehne und schuettet Los Angeles sein Herz aus. "Ich mache diesen Scheiss hier immer noch und er bedeutet mir die Welt - und das mit 35...!" Dankbar und motiviert bis ans Limit feuert er mit seiner Band "Born A Wise Man", "Me Vs. Morrissey" und "Anchor End" aus allen Rohren dass man danach schon fast keinen Headliner mehr vermuten moechte. Wie sehr eine Band live mitreissen und Energie aus jeder Pore pumpen kann, beweisen die fuenf Berufsgrinser und -grinder Los Angeles in einer viel zu kurzen knappen dreiviertel Stunde.
 
 
Eine wirkliche Rampensau war Russ Rankin noch nie - auch heute halten sich ausufernde Ansagen im Rahmen und uebergeben lieber an ein Set mit einer Menge neuem Material. Mutig eroeffnen GOOD RIDDANCE ihr Set mit "Disputatio", dem Opener ihres achten Albums "Peace In Our Time", deren Release heute gefeiert werden soll. Das Entertainment uebernimmt neben kreischenden Backingvocals Bassist und Glatzkopf Chuck Platt, dazu fuehrt das Quartett durch seine anschauliche Diskographie. "Years From Now" und "Last Believer" kennt jeder im Schlaf - spannender wird es bei "Mother Superior" oder "Libertine". Nach "Out Of Mind" und "Fertile Fields" wird ein dreibeiniger Chihuahua mit Miniatur-Sombrero ueber die Buehne gereicht. Immer eine Schippe mehr, bitte - Los Angeles. Peta-Aktivist Rankin nimmt die Aktion gelassen, ohne Zeit zu schinden steuern GOOD RIDDANCE weiter durch "Take It To Heart" und "Dry Season". Dabei wirken die neuen Songs fast dynamischer und routinierter als Klassiker wie "A Credit To His Gender". Nach dem losgeloesten und massiven Set von A WILHELM SCREAM haben es Platt, Rankin, Platt und Drummer Sean Sellers schwer, ihrem gut einstuendigen Set ebenso viel Power und Leben einzuhauchen. Als stecke die langjaehrige Pause der Band manchmal in den Knochen, reicht es am Ende nur knapp fuer ein Unentschieden. "Heresy, Hypocrisy, And Revenge" bestreitet das Finale eines langen Abends mit ueberraschendem Ausgang: a) die Parkplatzsuche in West Hollywood an einem Donnerstagabend kann einen das komplette Set des Supports SPANISH LOVE SONGS kosten b) Punkerknochen altern und gedeihen ebenso (GOOD RIDDANCE) c) mit etwas Glueck aber tun sie dies mit immenser Wuerde (A WILHELM SCREAM).