18.03.2014: Bayside, Four Year Strong, Daylight, Mixtapes - The Glasshouse - Pomona, CA

 

Vier Bands sind immer eine zuviel? Sollte sich dieses Gesetz auch auf den heutigen Abend anwenden lassen, geht der Schwarze Peter (offiziell unverdient) an DAYLIGHT aus Pennsylvania. Keinesfalls ist es der fuellige, tragende Grungerock, den die vier selbsternannten "rowdy dudes" aus den Lautsprechern und zwischen die nimmersatten MIXTAPES und die hyperaktiven FOUR YEAR STRONG drücken. Ersteren fällt es noch leicht, das um 19:00h nur circa zu einem Viertel gefüllte Glasshouse zum Hüpfen und Schmunzeln zu bewegen - nicht zuletzt dank ihrer eigenen Schuhe, die Frontfrau zwischen "Bad Parts" und "Sunrise" in die Saalmitte pfeffert. Dagegen wirken die vier Charaktere von DAYLIGHT im Anschluss wie verjüngte PEARL JAM mit Spassbremsen-Injektion. "This song is about drugs. I fucking hate drugs!" zieht auf dem Interaktionstreppchen deutlich den Kürzeren gegen MIXTAPES' persönliche Fremdscham-Charts vom Handy. FOUR YEAR STRONG aus Massachusetts passen besser ins Beuteschema des jungen Publikums: Schnell füllt sich die Bühnennähe mit Unterhemdsympathisanten und aufwendig ausgehfertig gemachten Damen. Der bärtige Poppunk und mit ihm Songs wie das sportliche "Don't Look Down" oder der Opener "What The Hell Is A Gigawatt?" spülen sich wie von selbst herunter. Trotz des schwächsten Livesounds wickeln FOUR YEAR STRONG Männlein und Weiblein in Pomona um den Finger und bestehen auf ihre Doktortitel in "Publikumsmotivation" sowie "Vollbartpflege"."Wasting Time" beschließt letztlich das vierzigminütige Set mit amtlichen Dezibeln aus circa fünfhundert Kehlen - der Anheizeffekt für den Headliner könnte besser kaum bewerkstelligt werden.




"CULT" steht nach kurzer Umbaupause in vier schwarz-weissen Lettern ueber die Lautsprecherboxen geschrieben. Eben jenes Gefuehl einer oeffentlichen Sektenkundgebung erfaehrt man heute Abend mit Beginn des Sets von Anthony Raneri und Co. Die Doppelladung aus "Big Cheese" und "Already Gone" zu Beginn stellt die Weichen fuer knappe neunzig Minuten emotionalen Poppunks, die ungehemmter und mitreissender kaum sein koennten. Angefangen beim glasklaren und trotzdem voluminoesen Sound, der Raneris Gesangsstimme in Songs wie "Stuttering", "Duality" oder "The Ghost Of Saint Valentine" intensiver klingen laesst, als es die handwerklich einwandfreie Gitarre Jack O'Sheas zusammen mit dem Rhythmusfundament von Drummer Chris Guglielmo und Grinsebacke Nick Ghanbarian am Bass oft ausbalancieren koennen. Weiter ist es die Spielfreude sowie das tighte und verwachsene Bandgefuege der Band aus Long Island. Zum Glueck ist der "Cult" Pomonas ein guter: Minutenlang muss man im ausverkauften Saal suchen, um eine(n) nicht 100% textsicheren Zuschauer(in) auszumachen. Zu "Montauk" singt das Glasshouse lauter als es die PA aufzufangen weiss, selbst Ghanbarian kommt aus den verdutzten Blicken nicht mehr heraus.
Gaensehaut und hibbelige Besucherinnen ruft dann vor allem "Don't Call Me Peanut" hervor, dem sich Raneri und O'Shea zunaechst als Duo stellen, bevor sich der Frontmann mit seiner Akustikgitarre zur zweiten Strophe komplett vom Mikrofon entfernt. "I can't live my life / knowing you'll be in his arms each time I blink my eyes" kocht es auch aus der letzten Ecke des Clubs, bevor "Sick, Sick, Sick" und "Time Has Come" die finalen Minuten der regulaeren Spielzeit einleiten. "Thank you. We're BAYSIDE, from New York" - Worte, die sich das Quartett heute Abend sicherlich sparen koennte, guckt man sich im konzentrierten, ueberwiegend oberkoerperfreien Publikum um. Bevor der Zugabenblock mit "Dear Tragedy" und "Devotion & Desire" die letzten Reserven herauskitzelt, wird brav dem Tourbilling gedankt: Den alten Kumpels von FOUR YEAR STRONG und den "Jungspunde" der MIXTAPES natuerlich. Und DAYLIGHT, die sicher nur heute als "beste vierte" Band untergegangen sind.