18.09.2012: The Maine - Köln - Underground

 


"THIS CENTURY" wird beim Betreten der Bühne direkt mit heiterem Klatschen begrüßt. Es wird mehrfach betont wie sehr es die Band freut, das erste Mal in Deutschland spielen zu können. Dass die Band eine Zusammenstellung aus mehreren symphatischen Musikern zu sein scheint, zeigt sich bereits beim Einlass - die Bandmitglieder grüßen lässig die vor Aufregung und aufgrund leicher Kälte zappelnden Mädchen im hinteren Teil der Schlange. Bei Nachfrage nach einem Foto wird nicht gezögert, und gut gelaunt positioniert sich der Leadgitarrist zwischen zwei Fans. Bei dem dritten Song macht sich bemerkbar, dass es sich keinesfalls um eine unerfahrene Liveband handelt - die Masse vor der Bühne ist schnell warm gespielt. Der Synthesizer wird eingesetzt um Singalongs zu untermalen und eingängige Melodien voranzutreiben. Die mit Intensität und Spaß vorgetragene Musik, die eher in die Post / Progressive-Rock Richtung geht als die von mir in Pop/Rock oder Pop-Punk eingeordnete des Headliners "THE MAINE", trifft meinen Geschmack nicht ganz, aber die Zuschauer zeigen deutlich, dass ihnen die Band gefällt. Dass nicht nur die mit reichlich Sing-Alongs geprägten Passagen tanzbar sind, ist bis in die letzten Reihen zu spüren. Die von dem Sänger veränderten bzw. verhärteten Posen und Gesichtsausdrücke, mehrmals mit auf die Lippen aufgelegtem Zeigefinger, lassen reichlich Smartphones in die Höhe schnellen und veranlassen einige Mädchen zu schrillem Kreischen. Das Posen nimmt zu, wenn der Sänger eine Linse erblickt hat. Ich hoffe mir das nur eingebildet zu haben. Mein Fremdschämen setzt sich einerseits daraus zusammen, dass ein so akkurates Anbringen des vermeindlich süß wirkend sollenden Lächelns hinfällig ist aufgrund der Bildqualität unter diesen Lichtverhältnissen, und dass das Publikum sich begeistern lässt von einem künstlichen Lächeln, anstatt einer groovigen Melodie, einer emotionalen Textzeile oder einer Performance an sich. Das beschriebene Auftreten wirkt aufgesetzt, und es ist unabdingbar, dass es bei dieser Band zur Performance mit dazu gehört. Die gute Stimmung hält sich dennoch das ganze Set über, welches für den Großteil der Zuschauer gerne etwas länger hätte sein können. Dankbar verlässt die Band nach einem solide gespielten Auftritt die Bühne.

Die freundlichen Personen hinter der Theke im Underground fallen mir an diesem Abend nicht zum ersten Mal auf. Ob die 15-20 Elternteile die sich teils sitzend vor der Theke niedergelassen haben ein gutes oder schlechtes Zeichen für solche Shows sind, wage ich nicht zu bewerten. Schade wäre es, wenn Eltern ihre Kinder entsprechenden Alters solche Shows nicht eigenständig besuchen ließen. Im Gegensatz dazu begrüße ich Elternteile, die gerne mit ihren Kindern ein alternatives Freizeitprogramm pflegen, in dem sich beispielsweise beide Seiten den jeweilig anderen Intressen anzunähern versuchen.

In einer kurzen Umbaupause hört man an jeder Ecke lockere Gespräche und die Vorfreude auf "THE MAINE" liegt förmlich in der Luft. Ohne großen Aufmacher startet die Band ihren Auftritt mit passenden Tracks - "Identify", "My Heroine", "Listen To Heart", "Thinking of You", "This is the End" und "While Listening to Rock & Roll". Der Bereich vor der Bühne wird nur minimal dichter, die Stufen seitlich und am Ende des Raums sind jetzt voll besetzt. Die gute Stimmung bei der Vorband wird mehr als gehalten, freudig wird fast jeder Chorus von den vorderen Reihen mitangestimmt. Das Animieren zum Mitklatschen von dem mich äußerlich an "Caleb Followill" erinnernden Sänger ist erfolgreich, wirkt aber etwas trocken und einfallslos. Zur Musik passt es, und an einigen Stellen muss einfach mitgeklatscht werden, ob man den Takt trifft oder nicht. "Some Days" stellt als siebter Song meinen ersten Höhepunkt dar. Bei "Every Road" wird Patricia aus Holland angeboten, einen Chorus auf der Bühne mit anzustimmen. Sie hat Spaß dabei, die Menge heizt es nochmals etwas
auf. Das anschließende "Into Your Arms" hat mich Live etwas enttäuscht, in der Darstellung und dem Zusammenspiel hätte an dieser Stelle etwas
mehr herausgeholt werden können, obwohl sich alle, die sich sehr am Herzen liegen, bereits in den Armen lagen. Mit "Misery" folgt ein weiterer Höhepunkt, textsicher wird mitgesungen und einige Arme ragen aus der Menge heraus. "When I'm at Home" erinnert mich Live durch das Gitarrenriff gegen Ende noch eine Stufe mehr an die Rockband "Wolfmother" als auf der Platte, obwohl "THE MAINE" normalerweise einen deutlich poppigeren Sound mit sich bringen. Nach "Inside of You" folgt "Take Me Dancing", ein Song der meine Emotionalität doch schon etwas geschürrt hat. Gebrochen wurde diese amüsanter Weise durch ein versehentlich zu laut gewordener Kommentar hinter mir. Zwei junge Damen starten auf ihre Mobiltelefone, als plötzlich eine der beiden von sich gibt: "HUMMELS HAT GLAUBE GRADE VERSCHOSSEN!". Es folgt der gerade in Europa neu veröffentlichte Song "Hello World", ein eher einfallsloser Song, der nicht viel Neues bietet. Nach drei Liedern gemischten Tempos wird mit "Don't Give Up on "Us"" ein angebrachter Final-Song gespielt. Das Set hat auf mich abwechslungsreich und durchdacht gewirkt, eine Zugabe wurde trotz offensichtlicher Begeisterung über den Auftritt nur marginal gefordert und war auch absolut nicht nötig. Die letzten vier Songs haben dem mich sehr ansprechenden Konzert den finalen Schliff gegeben. Das Cover von "With a Little Help from My Friends", einem auf einem Beatles Album veröffentlichten Song, bleibt bei diesem Set leider aus.

Die Auszeichnung der Band "THE MAINE" als "Best Live Band" bei "AP Magazine Readers’ Awards" ist nach dieser eindrucksvollen Performance nachzuvollziehen. Mehr Stimmung ist als Band des Pop/Rock-Genres ist schwer zu erzeugen. Wie bei den meisten Shows kam die Clubgröße der
Atmosphäre zu gute, zeitweises Aufsteigen von Seifenblasen aus den vorderen Reihen lockerte das Ganze zusätzlich auf. Mit dem baldigen Aufnehmen eines neuen Albums und der mehr als ausgiebigen internationalen Tour 2012 wird diese gute Liveband eventuell bald eine Headliner-Tour spielen können, im E-Werk landen oder sogar einen
Spätnachmittagsslot auf dem Hurricane 13' oder Rock am Ring 13' ergattern können.