19.10.2010: Drag The River, Cory Branan, Austin Lucas - Hamburg - Logo

 

“Ich will nen Cowboy zum Mann!!!” ,so könnte das Motto diesen Abends wahlweise auch lauten. Ein paar weniger oder mehr Straßen weiter spielen SAMIAM. Vielleicht ist das Logo deshalb recht leer. Knapp 50 Leute, grob über den Daumen gepeilt. Schade eigentlich. Das Wetter schreit nach Lagerfeuer und das könnte man hier drinnen, sicher schnell entfachen. Zumindest in den Herzen (5€ ins Phrasenschwein) gelingt das AUSTIN LUCAS wenig später sehr gut, aber dazu später.

Zunächst besteigt CORY BRANAN die Bühne, stilecht in Cowboystiefeln und arschengen Jeans. Memphis, Tenessee beginnt den Lagerfeuerabend und das äußerst emotional von sarkastisch bis liebevoll. Ein Mann, eine Gitarre und vielleicht mal ein Cowboystiefel als rhythmusgebendes Beiwerk. Das Gesamterscheinungswerk beweist auf jeden Fall wider Erwarten jede Menge Schwung und kann Tempo. Das Publikum sitzt beim Bier, wippt mit den Füßen und nickt anerkennend, was vollkommen in Ordnung ist.

Familie LUCAS gibt sich im Anschluss die Ehre. Dank Minimalbesetzung dauert die Umbaupause auch so quasi gar nicht. AUSTIN LUCAS an der Gitarre, seine Schwester CHLOE MANOR am Banjo und mit der Zweitstimme. Hier Country im Punk. Einfach mal alles rauslassen. Auch hier vermisst man keineswegs Schwung, Elan und Nachdruck. Wundervoll! “Dead Factories”, “Singing Man”, “Common Cold”. Welcher Song von AUSTIN besitzt eigentlich keine Klassikerqualitäten? Austins unvergleichliche Stimme geht jeder Emotion nach. Chloe sorgt für die notwendige Unterstreichung des Ganzen. Nach etwa einer halben Stunde ziehen AUSTIN und CHLOE die Stecker zur elektronischen Verstärkung aus den Saiteninstrumenten, verlassen die Bühne und stellen sich vor eben jene. Das Publikum tut ihnen den Gefallen und scharrt sich um die Musiker. Nun fehlt wirklich nur noch das Lagerfeuer und es wird ein ganz eigenes Konzerterlebnis. Geschwister im Einklang, CORY BRANAN hält auch nichts mehr Backstage und macht auch noch mit. Doch alle Auftritte neigen sich dem Ende und als dieser beendet ist, bleibt ein Loch...

DRAG THE RIVER wirken im Anschluss daran nur noch langweilig. JON SNODGRASS war zwar sehr engagiert, was das Mitsingen bei CORY BRANAN und AUSTIN LUCAS anging, seine eigenen Songs, nöhlt er aber nur so runter. Es wirkt gelangweilt, pseudocool und im Gegensatz zu dem Vorrangegangenen erschreckend leblos. CHAD PRICE weiß das auch nicht mehr rauszureißen. Und bevor ich vor Müdigkeit vom Hocker kippe, beende ich das Konzert für mich nach einer halben Stunde mit DRAG THE RIVER. Powercountry ist eher so meines, womit wir auch das Thema Objektivität in Reviews angehakt hätten.