19.12.2008: F-Three, We Once Loved, The Vaders, Torben Meissner - Berlin – Tommy Weissbecker Haus

 

Auch dieses Jahr stand kurz vor Weihnachten die Plea for Peace Soli-Show auf dem Programm. Angekündigt wurden fünf Bands für einen angemessenen Eintrittspreis von sechs Euro. Da wird an einem Freitagabend trotz Erkältung nicht lange überlegt. Moshschuhe anziehen und nach Kreuzberg rocken ist angesagt. Am Tommy Haus angekommen, konnten wir erfreut feststellen, dass bis auf den Rantanplan Sänger Torben Meissner um 22.30h noch keine Band gespielt hatte.

Kurz nachdem wir die Jacken ausgezogen hatten, begannen BRAINDEAD aus Hamburg dann auch mit dem Soundcheck und boten dem noch spärlich gefüllten Tommy Haus eine dreiviertel Stunde soliden Ska-Punk. Wobei die von der Band vorgelegte Stilbeschreibung Ska-Punk bzw. Ska-Core für mich den Nagel nicht auf den Kopf trafen. Die drei Hamburger musizieren ohne Bläser und machen eher Party-Punkrock der zum mitwippen einlädt. Trotz dem gelegentlichen Wechsel zur härten Gangart des Gaspedals und des Shouten, konnten sie mich vor allem wegen dem dünnen Sound nicht wirklich überzeugen. Den ersten drei Reihen war das aber herzlich egal. Es wurde abgefeiert was das Zeug hielt, die sympathischen Jungs halfen mit elegant ironischen Ansagen wie „Hey Berlin! Seid ihr alle gut drauf!?“ ordentlich nach, sodass nach der Show alle zufrieden seien konnten.

Jetzt war es Zeit für THE VADERS, die ich leider schon bei diversen Shows verpasst hatte. Der Saal füllte sich zu Beginn des Sets deutlich und so konnten die fünf Herren aus Ibbenbüren vor einem dreiviertel vollen Tommy Haus ihren ordentlich knallenden Punkrock präsentieren. Immer wieder musste ich an F-Three und Far From Finished denken, die das Betätigungsfeld der Vaders ganz gut abstecken. Das ganze Set durch wurde kompromisslos nach vorne gerockt, ausruhen kann man sich schließlich danach. Die obligatorischen Hinweise auf die gerade erschienene Platte und sympathische Ansagen begleiteten das durchweg gelungene Set. Insbesondere der nun deutlich bessere Sound sorgte dafür, dass ich mir The Vaders sicherlich nicht das letzte Mal angeschaut habe.

Die Vorbereitungen waren getroffen, das Tommy Haus war auf Betriebstemperatur und so konnten WE ONCED LOVED nach wirklich ausgiebigem Soundcheck die Menge dirigieren. Seitdem ich die Potsdamer vor 2 ½ Jahren mal im Vorprogramm von Good Clean Fun gesehen habe, begeistern sie mich jedes Mal aufs Neue. Das liegt wahrscheinlich eher daran, dass sie meinen Geschmack gut treffen als an den herausragenden musikalischen Fähigkeiten des Fünfers. Und das ist jetzt nicht persönlich gemeint…Irgendwie sollte es an dem Abend aber nicht so wirklich rund laufen. Der Sound war nicht optimal und auch die Beteiligten des ansehnlichen Pits kamen nicht so richtig auf einen Nenner. Die Stilrichtungen des Abends fanden sich in den Moshstilen wieder, was jedes Circle Pit zum Kraftakt werden ließ. Aber egal. Diejenigen, die sich mit diesen Widrigkeiten bis zum Ende abfanden, konnten fröhlich durch die dreijährige Musikgeschichte feiern. Von Klassikern des ersten Demos bis zu neuen Songs der Split EP mit Winston & George war für alle was dabei. Die Band gab sich motiviert und übertrug die positive Stimmung auf die Menge. Eine geile Show, auch wenn ich schon bessere von ihnen gesehen hab.

Die F-THREE Show im Anschluss guckte ich mir erstmal von hinten an, da mein Körper nach Doping mit leckerem Gersten-Tee schrie. Und körperliche Bedürfnisse sollen ja bekanntlich nicht unterdrückt werden. Bei dem Quartett aus Berlin/Kiel zeichnet sich wieder einmal ein Personalwechsel ab, der der Show einen besonderen Rahmen gab. Von Anfang an waren sowohl Band als auch Publikum auf Abriss gepolt. Verfechter von ehrlichem Punkrock kamen so voll auf ihre Kosten. Die angesprochene Unterscheidung zwischen Publikum und Band verwischte zusehenst und kulminierte im völligen Exzess der letzten Zugabe. Chaotische Menschenberge, Kumpels die sich anspucken, Beleidigungen, Freudentränen, Schweiß ohne Ende überall und überhaupt völliges Chaos teilte das Tommyhaus in staunende Zuschauer und elektrisierte Menschen die sich selbst vergaßen. Aber auch schon bevor Knowledge den krönenden Abschluss für diesen Abend setzte, spielten F-Three einen super Song nach dem nächsten. Obwohl ich keine Platte von ihnen besitze, hatte ich wegen starker Präsenz auf Berliner Bühnen das Gefühl, alle Songs zu kennen. Songs des alten Albums waren vielleicht etwas präsenter, was aber irgendwie auch egal war. Es wurde alles abgefeiert was aus den Boxen kam. Sauberer Abriss!

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