19.02.2016: The Front Bottoms, Above Them - Köln - Luxor

 

Erstmal noch ein paar Minuten die Zeit vertreiben, bis ABOVE THEM den Abend eröffnen. Die Merchpreise des Hauptacts sind schon an dessen Label angepasst, an der Garderobe gibt es eine Schlange die fast wieder bis nach draußen führt und ich bin mit Mitte 20 gut 10 Jahre älter als viele der Konzertbesucher. Interessante Voraussetzungen also. ABOVE THEM jedenfalls, von denen habe ich im Vorfeld noch nie was gehört. Aber gut, letztendlich sollte man vor einem vollen Haus, das vor Vorfreude auf die Front Bottoms fast platzt, schon ganz gut ankommen, wenn man eine tourende, halbwegs professionelle Band ist. Was man über ABOVE THEM getrost sagen kann. Wird wohl kein Zufall sein, dass sie auf dieser Tour mit dabei sind. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die pinkfarbenen Zelte des Groezrock Festivals: Die Jungs aus dem Vereinigten Königreich klingen nämlich wie die typische Groezrock-Band, denn sie erinnern an Bands wie The Menzingers oder The Swellers, relativ schnörkelloser und geradliniger Oldschool-Punkrock mit einem ordentlichen Schuss Gainesville. Dass ich besonders viele ABOVE THEM-Fans in der Menge ausgemacht habe, könnte ich nicht sagen, aber ihren lauten Applaus bekommt die Band fürs Aufheizen.

 

 

Die FRONT BOTTOMS kommen dann sogleich in die Gänge und lassen in Form von „Skeleton“ direkt mal einen ihrer Knaller vom Stapel. Klar, dass das Luxor da schon mitsingt. Und nicht nur das. Vor der Bühne stehen die Leute so eng an eng, dass bei mir nicht wirklich Neid aufkommt. Was macht diese Band so speziell? Wieso verkauft sie das Luxor aus? Müsste man sich nicht eigentlich an der gewollt schiefen Stimme von Brian Sella total stören, wenn man Popmusik mag? Weit gefehlt, genau die Stimme macht wahrscheinlich den Reiz an der Band aus, gepaart mit den ironisch witzigen und leicht einprägsamen Texten. Doch das ist nicht alles. Die akustische Gitarre gibt den Songs Fülle, während Gitarrist Ciaran öfter Mal an das Keyboard wechselt und so die Strukturen aufpeppelt. Die Songs der FRONT BOTTOMS sprühen nur so vor Energie, obwohl sie nie aggressiv sind. Sie klingen sehr lebendig. Dafür ist natürlich auch das Schlagzeug mitverantwortlich, das öfter mal tanzbare Disco-Beats auf der Hi-Hat spielt, als man es für Bands dieser Art gewohnt ist. Vielleicht beschreibt das das Gesamtkonzept THE FRONT BOTTOMS ganz gut. Irgendwann wird das mit diesen Band-Geschichten ja eh zum Selbstläufer. Und so läuft auch der heutige Abend: Köln frisst den FRONT BOTTOMS aus der Hand, jeder Song wird abgefeiert und allerorts sieht man textsichere, erfreute Gesichter. Ob es neue Lieder wie „West Virgina“ oder alte Schinken wie „Lipstick Covered“ sind, ist dabei fast egal. Zwischendurch gibt es kurze Ansagen, auf die das Publikum ebenso stark reagiert. Laut Brian Sella ist Köln eine Stadt, auf die sich die FRONT BOTTOMS immer freuen. Sie wünschten, sie könnten jeden Tag hier spielen, erklärt er mit leicht ironischem Unterton. Anhand des Feedbacks, dass sie bekommen, kann man sich das irgendwie schon vorstellen. Wenn man denkt The Story so Far und Basement wären die Speerspitzen in ihrem Bereich, kommen die FRONT BOTTOMS daher und belehren einen eines Besseren: Nämlich dass sie da mithalten können. Beachtenswert, und anders als bei den genannten Bands ist jedoch die Länge der Setlist. Die 90-Minuten-Marke überschreiten die FRONT BOTTOMS nämlich locker, um ihre Fans zu beglücken. Gut, dass „Twin Size Mattress“ da als letzte Zugabe dann noch gespielt wird. So ein langes Konzert, davon bin ich überzeugt, schlaucht in den allermeisten Fällen. Und nur bei wenigen Bands bleibt es spannend. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die FRONT BOTTOMS nach dem heutigen Abend dazu zählen würde. Eine Stunde hätte es meines Erachtens locker getan. Aber ich bin ja schließlich (noch) neuer Anhänger und kein Diehard.