21.01.2006: Spittin Vicars - Bremen, Römer

 

Wie geil war das denn?. Völlig anspruchslos und unvorbereitet trieb es mich mit zwei Freunden an einem Samstagabend in den Bremer Römer um die englische Band anzuschauen, in der der (mittlerweile nicht mehr wirklich neue) Schlagzeuger der Toten Hosen das Drumkit bedient. Aufgrund einiger Biere und eines unbedingt vorher zu erledigenden do-it-yourself Haarschnitts verpassten wir die erste Vorband Montreal und wurden nur noch Zeuge der letzten Songs der zweiten Einheizer Scumpies, die sehr jung wirkten und daher auch völlig zu recht melodischen Abiabschlusspunkrock präsentierten durften.

Wie gesagt, wir waren wegen der Spittin’ Vicars in den rappelvollen Römer gestrebt und sollten, trotz unserer ohnehin nicht vorhandenen Erwartungshaltung, nicht enttäuscht werden. Weder ich noch meine Begleiter kannten die Vicars, so dass an dieser Stelle nicht abgehandelt werden kann welche Songs vom aktuellen Album vorgetragen wurden. Viel wichtiger ist jedoch auch, dass es ohne weiteres möglich war diese Band von Vorne bis Hinten abzufeiern ohne auch nur eine einzige Textzeile mitsingen zu können. Es hat gereicht sich im Mob vor der Bühne hin und herschupsen zu lassen und sich von den sehr melodischen UK Punkkrachern mitreißen zu lassen. Das die Jungs, oder eher gesagt Männer, dabei auch noch so aussahen als wären sie aus einem 77er Punkermärchen entsprungen verlieh der ganzen Show noch eine Extraportion Nostalgie und bot eine willkommene Abwechslung zu den aufgepumpten Hardcorekids und braungebrannnten Californiapunks auf deren Konzerten man sich ja auch des Öfteren herumtreibt. Diese Käseweißen Engländer mit Asotattoos und blondierter Johnny Rotten Matte hätten mir ohne weiteres in einer Liverpooler Hintergasse meinen verwöhnten Studentenhintern versohlen können, haben sich aber zum Glück dafür entschieden durch kleine Clubs zu tingeln und verdammt ordentlich loszurocken. Der englische Akzent den vor allem Sänger John Codger an den Tag legte hätte ebenfalls nicht dreckiger und angepisster sein können, so dass wirklich jedes Klischee einer britischen Punkrockcombo erfüllt wurde ohne dabei jedoch als solches zu erscheinen. Das war einfach mal ehrlicher Punkrock der ganz alten Schule.

Einziges Manko an dem Abend war der Typ mit dem Toten Hosen Schal in der ersten Reihe und die wenigen Menschen die mit „Hosen“ Sprechchören Schlagzeuger Vom Ritchie an seine eher zweifelhafte „Nebentätigkeit“ erinnern wollten, jedoch augenblicklich von den entrüsteten „Buh“ Rufen der anwesenden Vicars Fans auf ihre Plätze verwiesen wurden.
Bleibt nur noch festzuhalten, dass die astreine Musik der Spittin’ Vicars scheinbar - und zu allem Überfluss - auch noch wundersame Heilkräfte freilegen kann. Anders kann ich mir nicht erklären, dass der betrunkenere meiner beiden Begleiter seinen rückwärtigen Abgang von der Bühne lediglich mit seiner Wirbelsäule abfangen konnte ohne dafür mit einer Heimfahrt im Krankenwagen zu bezahlen. Das sah nicht nur hart aus, das war auch hart. Genau wie dieser perfekte Konzertabend!