21.06.2008: The Gaslight Anthem - Berlin – Magnet

 


Am Tag der Fête de la Musique gibt es in Berlin regelmäßig einen nicht zu unterschätzenden Live-Mucke-Overkill. Allein in Friedrichshain und Kreuzberg wurde auf 27 (offiziellen) Bühnen verschiedenst gerockt. Da die meisten Bühnen unter freiem Himmel standen, waren die Straßen voll mit gut gelaunten und mindestens genauso gut betrunkenen Menschen. Da an dem längsten Tag des Jahres traditionell alles umsonst ist, fand ich die Ankündigung des Magnet, stattliche acht Euro zu verlangen, doch etwas daneben. Die Show und anschließende Party war die Aftershowparty der RedBull Mauerparkbühne. Dort wurden mehrere Acts unter der bulligen rot-blauen Flagge präsentiert, die spektakulärsten waren wahrscheinlich die Donots und Thees Uhlmann (Tomte).

Nun ja, mit der typischen „Auf-Kater-spät-aufwachen-und-zügig-anfangen-viel-zu-trinken-Stimmung“ und dem Viertelfinalsieg Russlands im Gepäck schlug ich gegen 23.30h am Magnet auf, der Opener hatte noch nicht begonnen und ich gönnte mir auf die Info hin ein weiteres Bier. MIYAGI verpasste ich also fast komplett, das letzte Lied der Indy-PostPunker hinterließ auch keinen bleibenden Eindruck. Da in meinem Freundeskreis niemand The Gaslight Anthem so krass abfeiert, um zur Fête de la Musique acht Euro zu bezahlen, fieberte ich alleine den Jungs aus New Brunswick entgegen. Meine Befürchtung, die Rahmenbedingungen könnten die Zusammensetzung der Crowd massiv in Richtung verschränkte Arme, keine Bewegung, kein Abgehen, nicht aus sich rauskommen etc. verändern, bestätigte sich spektakulär. Als die ersten Akkorde von THE GASLIGHT ANTHEM bei 1A-Sound durch die Boxen ballerten, ereignete sich ein trauriges Schauspiel. Leute! Gaslight Anthem! Was ist los?! Bei meinen Versuchen Bewegung zu erzeugen, erntete ich böse Blicke, aus Protest wurde in zweiter Reihe geraucht. Ich verzweifelte fast, weil die vier mega sympathischen Jungs auf der Bühne alles gaben, einen Hit nach dem anderen raus hauten, ich einfach nur abgehen wollte und dann so was… Irgendwie konnte ich es nicht fassen, dass selbst zum Stimmungshöhepunkt „We’re Getting a Divorce…“ und „1930“ vielleicht die ersten vier Reihen abgingen, ansonsten eher nur die zweite. Davon aber auch nur die Hälfte. Man man man. Gibt’s ja gar nicht. However. Ich schaltete ziemlich schnell um, feierte ne riesen Party mit wechselnder Beteiligung des zu 2/3 gefüllten Magnets und ließ die Rahmenbedingungen Rahmenbedingungen sein. Gespielt wurden alle Songs die man erwarten konnte, langsamere Stücke der „Sink or Swim“ wurden ausgespart, die Hälfte der EP auch und mit Backseat schließlich noch ein neuer Song zum Besten gegeben. Nach dem Ende des regulären Sets, kamen sie noch mal auf die Bühne und spielten die obligatorische Zugabe. Die letzten Textzeilen die Brian Fallon an diesem Abend zum Besten gab, wirkten dann auch irgendwie zynisch: „We're having a party, everybody's swinging; Tonight won't you come down out of your tower; Don't make me dance all night alone (Alright!)”.

Abschließend kann also festgehalten werden, dass der 21.06. nicht das Datum ist, um sich kostspielige Konzerte im Magnet zu geben, dass darüber hinaus auf den Straßen Berlins und in anderen Locations wahrscheinlich mehr gefeiert wurde, dass The Gaslight Anthem trotzdem krass rocken und dass ich zur nächsten Tour mal eine andere Stadt auschecken sollte.