21.08.2012: Polar Bear Club, City Light Thief - Hamburg - Headcrash

 



Sommer! Na endlich! Auch in Hamburg. Bei T-Shirtwetter auf ein Konzert gehen, hat doch immer etwas leichtes. Also vertritt man heute die erkrankte Kollegin, freut sich, die andere Kollegin zu treffen und auf die Musik sowieso. Der Kiez dünstet bei diesem Temperaturen seine untrügliche Duftmischung aus den verschiedenen Aspekten der Erlebnisgeilheit stärker aus als sonst schon und das an einem Dienstagabend... Hinein!

CITY LIGHT THIEF starten erwartungsgemäß stark. Exzellenter Sound im kleinen Club, die Jungs aus Grevenbroich geben wahrhaft ihr Bestes. Und das Beste heißt in diesem Falle, dass es schier unmöglich erscheint, die gesamte Klangstruktur beim Ersthören zu erfassen. Soweit man denn Ersthörer ist. Das liegt nicht daran, dass die Livefähigkeiten von CITY LIGHT THIEF hinter denen auf Platte zurückbleiben, sondern dass diese eben auch so tiefgängig und vielseitig live funktionieren. Es wird unter Beweis gestellt, dass man keine reine Studioband ist, sondern auch in Echtzeit sein Handwerk beherrscht. Vier Mikrophone werden teils im Wechsel, teils parallel bedient. Zwei Gitarren, Synthies, plus, Schlagzeug, Bass und Gesang. Ein wahres Brett an Effektpedalen wird aufgefahren. Fingerspitzengefühl und Gewalt auf den Saiten sind die Extreme, welche hier angeschlagen werden. Es sitzt. Langweilig wird einem da mit Sicherheit nicht. Der Sänger tobt und schreit und singt und tanzt. Das Publikum spendet Achtung, hält sich aber ansonsten zurück. CITY LIGHT THIEF sind eben schwer zu fassen. Dennoch sollte man sie in nächster Zeit sowohl live als auch in Plattenversion unbedingt auf dem Zettel haben.

Einmal Blick schweifen lassen. Hamburger Publikum top durch die Bank gestyled, kein Coolnessgebashe. Ansonsten stellt sich wie so häufig auf angenehmen Konzerten die Frage: Wer sind die Freaks und wer die "Normalos"? Akzeptanz heißt die Umgangsform des Abends wieder einmal. Fein!

Eineinhalb Zigaretten Pause dann treten POLAR BEAR CLUB auf die Bühne und ihnen wird nur minimal mehr gehuldigt als der Vorband. Vier passionierte Brillenträger mit Absturzschutz um den Kopf gewickelt, plus einen Gitarristen, der wohl genügend Karotten gegessen hat in seinem Leben. Emos der ersten Stunde. Wo sind die Pullunder? AGAINST ME! Shirts werden noch getragen und das beruhigt. Scheiß auf Style, denn rocken können sie selbstredend auch. Etwas tiefer und ruhiger zwar als deren Vorgänger, aber das tut dem Effekt keinen Abbruch. Man möchte sich dem Anglizismus "gesettled" bedienen. Vielleicht das Alter? Die Erfahrung? Das Publikum geht verhalten ab. POLAR BEAR CLUB freuen sich in Hamburg in einem echten Punkrockschuppen zu sein. Jaja. Die Saiteninstrumentalisten geben sich konzentriert an eben jenen und den Effektpedalen, der Sänger hüftschwingt. Ein bisschen tanzen, ein bisschen mitsingen, einfach mal glücklich sein. Man mag keine Schublade öffnen, doch das hier ist ein sehr befriedigendes Konzert für diesem Stil und diese Ladengröße. Schließlich bei "Chasing Hamburg" brechen sie dann doch die Dämme und Hamburg geht hinaus. Ein paar Singalongs. Lange lassen sich POLAR BEAR CLUB um eine Zugabe bitten, doch sie geben eine mit zwei Songs. Wohow! Woher der Schweiß im Shirt kommt, lässt sich abschließend nicht eindeutig feststellen, doch schön war es wohl. Da kann man sich im Anschluss noch ein bis mehrere Biere in der warmen Spätsommernacht gönnen und weiß: Das war ein guter Abend.

Alte Kommentare

von requos 31.12.2012 15:36

Trifft es ganz gut, ein bisschen mehr Begeisterung hätte dem Publikum gut getan, insgesamt aber ein schöner Abend!