21.11.2012: Two Door Cinema Club, Alt-J, Kowalski - Capitol, Offenbach

 



Den Iren von TWO DOOR CINEMA CLUB gelang 2010 mit ihrem Debut-Album “Tourist History” ein ganz schönes Kunststück: Sie haben sich damit nicht nur selbst Platz 24 in den britischen Charts beschert, sondern auch auf Anhieb einen Headliner-Status in der Indie-Szene. Da wundert es nicht, dass die Band kaum 2 Jahre später (und inzwischen mit ihrem zweiten Longplayer in der Tasche) schon die großen Hallen Deutschlands zu füllen im Stande ist.

KOWALSKI aus Nordirland machen am heutigen Abend den Anfang. Zwar teilt man sich den Bandnamen mit einer früher existierenden Avantgarde-Band aus Wuppertal, klingt jedoch wesentlich glattgebügelter als diese es wahrscheinlich getan hat. Gehört habe ich von der jungen Band von der Insel im Vorfeld noch nichts, doch vom Sound her passt man außerordentlich gut zu Two Door Cinema Club: Hoher Gesang, verspielte Synthesizer-Klänge und poppige Gitarrenriffs ziehen sich durch jeden Song. Die vier Herrschaften waren bereits 2010 mit ihren deutlich populäreren Landsmännern auf England-Tour, sind also nicht mehr grün hinter den Ohren – das zeigt sich auch live. Auch wenn KOWALSKI wissen, dass sie nur als „Anheizer“ fungieren, legen sie eine enorme Spielfreude und Bühnenpräsenz an den Tag. An einigen Ecken bin ich auch an Death Cab for Cutie erinnert, was durchaus als großes Kompliment gemeint ist. Als vorletzter Song wird „While We Drive“ gespielt, den es auf Soundcloud auch umsonst als Download gibt. Wer in Offenbach war tut es wahrscheinlich ohnehin, aber als Two Door Cinema Club Fan sollte man definitiv mal in KOWALSKI reingehört haben.

Das eingangs erwähnte Kunststück, das Two Door Cinema Club vor 2 Jahren gelang, können ALT-J dieses Jahr sogar überbieten: „An Awesome Wave“ war im Vereinigten Königreich auf Platz 19 und auch die Singlecharts hat man mit „Breezeblocks“ bereits geknackt. Dabei war die Band vor einem Jahr wohl fast noch niemandem ein Begriff. Der rasante Aufstieg von ALT-J kommt nicht von irgendwo: Es sind einfach großartige Musiker. Im Groben könnte man das auch als Indie bezeichnen. Oder als Alternative. Aber unter der Lupe ist es einfach viel viel mehr: Hier Folk-Einflüsse, dort Hip-Hop-Anmaßungen. Und immer äußerst mutig. Wenn man die Alt-Taste und das J auf dem Mac drückt, bekommt man ein Dreieck, welches in mathematischen Gleichungen als Symbol für Veränderung verwendet wird. Als Visualisierung passt das sehr gut zu ALT-J, es macht die Band aus Leeds noch einmal ein Stück interessanter. Am Merch-Stand sind auf die Shirts nur Dreiecke gedruckt, es gibt sogar ein temperaturempfindliches Shirt, eine Dreieck-Umhängekette und einiges mehr zu erstehen – nicht nur an den Instrumenten sprießen die Newcomer vor Ideen. Auf der Bühne ist ein mächtiges Synthie-Gebilde aus mehreren Keyboards aufgebaut, am Drumset mehrere Effektpads und zwei Bongo-Trommeln angebracht. Man will live also genau so dick auffahren wie auf Platte. Es ist angerichtet. Beim Intro steigt die Vorfreude ins Unermessliche. „Something Good“ und „Tesselate“ zeigen gleich zu Beginn des Auftritts auf, wie versiert ALT-J sein können. Besticht „Something Good“ vor allem durch harmonische Melodien an Gitarre und Keyboard, baut „Tesselate“ eher auf einem Hip-Hop-Beat und einem groovendem Bassspiel auf. Am beeindrucksten ist für mich jedoch, dass der Mehrfach-Gesang live genauso makellos rüberkommt wie auf CD – und das während auf den Instrumenten gezaubert wird. Zu „Dissolve Me“ kommt es vor der Bühne zu ein bisschen mehr Bewegung, bei „Matilda“ darf geschnulzt werden. „Breezeblocks“ ist dann sicherlich eines der Highlights – inklusive Xylophonspur und Kanon-Gesang. Trotz einer großartigen und einfach nur professionellen Live-Darbietung geben sich die vier Musiker sehr schüchtern und wortkarg. Nunja, mehr Zeit für großartige Songs. Der einzige Song „An Awesome Wave“-Song, der (abgesehen von den Interludes) nicht gespielt wird ist „Bloodflood“. Schon schade. Aber mit „Taro“ als Sahnehäubchen am Ende des Sets hat man das gleich im nächsten Moment wieder vergessen. Ich hoffe, dass ALT-J weiterhin so kreativ bleiben und mit ihrem nächsten Album nochmal einen drauflegen können. Und natürlich, dass sie dann als Headliner nach Deutschland zurück kommen.

„Beacon“, das neue Album von TWO DOOR CINEMA CLUB, hat es auch in Deutschland in die Charts gebracht – sogar fast in die Top 20! Das Capitol sieht jetzt zumindest aus als sei es restlos gefüllt (sprich: Innenraum und Galerie). Das Dreieck von Alt-J muss dem pompösen neuen Logo von TWO DOOR CINEMA CLUB weichen, welches ein bisschen an einen Sarg erinnert. Mit Pausenmusik von den Beastie Boys oder gar Darude (kennt den noch jemand?) ist ein Teil der Menge bereits gut angeheizt, als man an der Bühne noch am umbauen und verkabeln ist. Dann geht es mit „Sleep Alone“ in die Vollen, die Halle bebt sofort. Obwohl das neue Album noch keine 3 Monate draußen ist, kommen die neuen Songs mindestens genau so gut an wie die alten. Tanzbar und größtenteils auch mitsingbar ist die Musik ja ohnehin. Mit einem deutlich höheren Pop-Anteil haben TWO DOOR CINEMA CLUB leichteres Spiel mit der Masse als zuvor Alt-J. „Undercover Martyn“ und „Do You Want It All?“ sind dann eher was für die Fans der ersten Stunde. Wie auch ihre beiden Vorbands schwingen die Iren keine großen Reden und machen auch keine großen Pausen zwischen ihren Songs, viel mehr bieten sie dem Capitol etwa eine Stunde lang einen Hit nach dem anderen – so z.B. „This is the Life“, „You’re Not Stubborn“ aus dem Jahre 2010 oder „Handshake“ und „Next Year“, den meiner Meinung nach vielleicht besten Song des neuen Albums. „I Can’t Talk“ ist dann was für all die jenen, die durch FIFA oder Gran Turismo auf den Geschmack gekommen sind. Sänger Alex Trimble trifft bei all dem nicht nur seine Töne, sondern brilliert auch an Gitarre und Keyboard. Zweifel an dem musikalischen Können des TWO DOOR CINEMA CLUB, der sowohl Electro-, als auch Indie- oder Pop-Fans bestens bedienen kann, dürfte aber ohnehin niemand der Anwesenden beim Kartenkauf gehabt haben. Es war für Trimble und seine Band das erste Mal in Offenbach und man glaubt es ihm, wenn er sagt, dass es ihm hier gefällt. Als Zugabe gibt es „Someday“, „Come Back Home“ und dann schlussendlich „What You Know“. Wer jetzt nicht zufrieden den Nach-Hause-Weg antritt, der steht wahrscheinlich morgen früh noch vor der Bühne.