24.03.2018: BLACK LABEL SOCIETY - Frankfurt - Batschkapp

 

Nach knapp drei Jahren geben sich BLACK LABEL SOCIETY um Frontmann Zakk Wylde die Ehre und spielen wieder vor deutschem Publikum. Mit im Gepäck haben die US-Amerikaner ihr neuestes Machwerk "Grimmest Hits" und laden 2018 das German Chapter zur "Grimmest Show On Earth Tour".

 

Zuletzt sah ich den Stargitarrist 2016 auf seiner Soloalbumtour in Stuttgart. Da mir die Auftritte mit BLACK LABEL SOCIETY aber deutlich besser gefallen haben, war ein Termin auf der jetzigen Tour natürlich Pflichtprogramm. Frankfurt... Samstagabend... perfekt! Also ab ins Auto, Best-of-Sammlung der Band zum Warmup dudeln lassen und los.

Nachdem der Traffic am Samstagabend mit den ersten Osterurlaubern heftiger als erwartet ausfällt und anschließend endlich ein Parkplatz gefunden ist, geht es direkt in Richtung Eingang der ausverkauften Frankfurter Batschkapp.

Da die gut gefüllten Autobahnen die geplante Ankunft etwas verzögert haben, ist die Vorband MONOLORD schon in vollem Gange und das Doom/Stoner-Trio aus Schweden lässt die Wände ordentlich wackeln. Düster und virtuos beschreibt ihren Sound wohl ganz gut. Musikalisch passen die Jungs aus Göteborg hervorragend ins Line-up und stimmen die bereits sehr gut gefüllte Batschkapp gebührend ein. Nachdem die Band mit ihrem Set durch ist und den verdienten Applaus geerntet hat, beginnen die Umbauarbeiten für das eigentliche Highlight des Abends.

 

Blitzschnell wird als Sichtschutz ein mächtiger Vorhang mit riesigem Bandlogo vor der Bühne hochgezogen. Nun sollte auch dem Hintersten im Saal klar sein, wer ab jetzt der Herr im Haus ist. Mit bester Sicht im vorderen Teil ist dann der Platz für den Abend gefunden. Das Publikum ist wunderbar gemischt. Vor mir der bullige Mittfünfziger in Lederkutte und Kopftuch, direkt daneben der Student der sich unsicher ist, ob er seinen Platz schon gefunden hat und auch sicher keinem dahinter die Sicht versperrt. Es gibt kaum Gedränge und insgesamt geht es ziemlich gesittet zu. Irgendwie auch mal schön, in einem ausverkauften Club noch etwas Ellenbogenfreiheit zu haben. Nun ist es dann aber soweit.

Das Intro wird eingespielt, die Menge grölt und die ersten Pommesgabeln werden gen Himmel gestreckt. Mit einem Knall fällt der Vorhang und Mr. Wylde steht in seiner unnachahmlichen Pose breitbeinig auf seinem Podest und eröffnet das Set mit "Genocide Junkies".

Der wuchtige Sound beeindruckt und es ist nicht übertrieben von einem wahren Gitarrengewitter zu sprechen, das einem da aus den Boxen entgegen geblasen wird. Der Song ist als Opener gut gewählt, schiebt er mit seiner heavyness ordentlich nach vorne und bringt Jung und Alt direkt auf Betriebstemperatur. Bei den ersten Strophen wirkt der Gesang noch zu leise, ist aber alles nach dem ersten Solo gefixt. Das Bühnenbild ist simpel, aber gewaltig. Eine Wand aus getürmten Wylde-Audio-Boxen reiht sich hinter der Band auf. Mittig ist die Boxenwand geteilt und das Drum Kit von Jeff Fabb findet auf einer Empore seinen Platz. Das Mikrofon des Frontmanns ist, ähnlich wie bei der letzten Tour, mit Totenköpfen und Kreuz behängt und rundet das Bild des Berserkers dahinter passend ab. John De Servio am Bass ist wie immer gut aufgelegt und bekommt das Grinsen kaum aus dem Gesicht.

Die ersten Songs gehen alle ordentlich nach vorne und machen richtig Stimmung in der Bude. Die Performance und das Erscheinungsbild von Zakk Wylde sind schon beeindruckend. Jede Note sitzt, jede Pinch Harmonic quietscht und jault in Perfektion. Nachdem der erste Teil der Show mit älteren Hits wie "Funeral Bell“ oder "Suicide Messiah“  nur eine Richtung kannte, wird das Gaspedal etwas zurückgenommen und mit "Trampled Down Below" kommt der erste Song der aktuellen Scheibe.

Hierzu zückt Rhythmusgitarrist Dario Lorina plötzlich einen Geigenbogen und fiedelt damit auf seiner Strat- interessante Töne die er da aus seinem Sechsseiter rausholt. Mit "All That Once Shined" und "Room Of Nightmares" folgen weitere Songs aus "Grimmest Hits", die zwar live ganz gut ankommen, nicht aber dieses tonnenschwere Gefühl der älteren Songs vermitteln können. Natürlich darf die obligatorische Klaviereinlage nicht fehlen und ein schwarzer Flügel wird auf die Bühne geschoben. Zuerst darf Dario Lorina sein Können zeigen, bis sich das Multitalent Wylde zu "In This River" persönlich ans Tasteninstrument setzt. Nach den ersten Tönen werden über die Boxentürme zwei übergroße Flaggen mit Portraits des verstorbenen Musikers "Dimebag" Darrell Abbott der Band PANTERA ausgerollt, welchem der Song gewidmet wird. Leider mischt sich hier das Piano und die leicht angezerrte Gitarre zu einem kleinen Soundbrei- schade. Jetzt zeigt aber auch Lorina mit einem blitzsauber gespielten Solo, welche Fingerfertigkeit er am Griffbrett besitzt. Mir persönlich war das ausladente und sehr gediegene Pianosolo im Anschluss dann aber zu langatmig. Zwei Tracks mit extra langem Geklimpere hintereinander ist mir dann doch etwas zu viel Schmalz an so einem Abend. Sei`s drum, technisch war es aber in jedem Fall großes Kino.

Zurück mit den Klampfen in der Hand, wird mit dem Hit "The Blessed Hellride" das Blut wieder in Wallung gebracht. Mit "A Love Unreal" kommt noch ein geiler grooviger Song mit catchy Refrain und Sahnesolo der aktuellen Platte, bevor mit älteren Klassikern das Finale eingeläutet wird. Nach "Stillborn" und einem ordentlichen Solofeuerwerk wird die Menge dann mit einem fetten Grinsen im Gesicht in die Nacht verbschiedet.

 

Es war ein geiler Abend! Da mich die aktuelle Scheibe nicht ganz so vom Hocker haut, war ich dankbar dass die Setlist ausreichend mit Klassikern bestückt war. Wie bereits erwähnt, ist der Auftritt der Band, vor allem natürlich Zakk Wylde, ein echtes Live-Highlight. Der Mann ist einfach ein Meister seines Fachs. Wer die Gelegenheit hat die Band zu sehen, sollte sich das nicht entgehen lassen!