26.09.2013: The Story So Far, Seahaven - Osnabrück, Bastard Club

 



THE STORY SO FAR sind mit einem neuen Album im Gepäck zurück in Europa. Mit dabei sind SEAHAVEN, die heute in Osnabrück ihre erste Show in Deutschland spielen. Worüber freut man sich da eher?

Eins steht fest, die Stimmung ist – passend zur Gute-Laune-Musik des Headliners – von Anfang an sehr gut im Bastard Club. Bereits um 19.30 Uhr ist der Konzertraum gut gefüllt. Gerade wenn man einen weiten Anreiseweg hat (und da bin ich sicher heute nicht der einzige) freut man sich natürlich, dass an diesem Donnerstagabend nur die beiden US-Bands spielen. Schade für die lokalen Supportbands, erfreulich für die, die freitags auf der Matte stehen müssen. Der Anfang wird jedenfalls von 20 auf 20.15 Uhr leicht verschoben.

Und dann stehen SEAHAVEN auf den Brettern. Kaum zu glauben, dass die Band um Kyle Soto es endlich geschafft hat, mal auf das europäische Festland zu kommen. Hatte man in Antwerpen und Eindhoven die Tour gestartet, handelt es sich heute tatsächlich um die erste Deutschland-Show der Jungs aus Kalifornien. Das Publikum macht zwar einen recht verhaltenen Eindruck, man erkennt jedoch ein bis zwei Hände voller Menschen, die wahrscheinlich extra für SEAHAVEN angereist sind und bei „It’s Over“ bereits aus voller Kehle mitsingen. Mit „Black & White“ und „Save Me“ folgen zwei der besten Songs des letzten Albums „Winter Forever“, mit denen man Osnabrück die Wartezeit auf The Story so Far sichtlich versüßen kann. Fans der ersten Stunde werden dann mit 3 älteren Songs („Cobarde“, „Plague“, „Blinding Son“) bedient, wobei die Band sich auch an vielen Stellen die Freiheit zur Improvisation beziehungsweise zur Über- oder Einleitung ihrer Stücke nimmt. Die pompösen Effektboards zu den Füßen der beiden Gitarristen lassen es erahnen: SEAHAVEN verstehen ihr Handwerk, und das nicht nur im Studio. Abseits der Musik gibt sich der Vierer recht wortkarg, aber durchaus dankbar für den warmen Applaus. Das mehrmals erwähnte „Excitement“ kann man Kyle Soto, da er dies doch recht unmotiviert vorträgt, irgendwie doch schwer abnehmen, aber in den Songs gibt er 110%. Das beste Beispiel dafür ist „Goodnight“, der letzte Song des Live-Sets.

Aufgrund des Interviews, das ich mit Seahaven geführt habe (das kann man HIER lesen), verpasse ich leider die ersten 4-5 Songs (darunter mit „The Things I Can’t Change“ der Ohrwurm der neuen Platte) von THE STORY SO FAR. Die Geräusche, die bis in den Backstagebereich durchdringen, lassen jedoch eine große Party vermuten. Dieser Eindruck bewahrheitet sich dann, als ich den Bastard Club wieder betrete. Stagedives gehören zum Standardprogramm. Vor der Bühne sammelt sich die mitsingwütende Meute, altersmäßig recht bunt durchmischt von geschätzten 16 bis zum Fast-Dreißiger – hier scheinen alle ihren Spaß zu haben. Frontmann Parker gibt sich die meiste Mühe, diese Intensität auch an die Fans zurück gegeben und bedankt sich mehrmals, dass die Fans ihm aushelfen – er gibt gar zu, dass er manche Gesangs-Parts ansonsten aufgrund der Puste nicht schaffen würde. Kein Wunder bei dieser Bewegungsfreude und diesem wütenden, lauten, hohen und einzigartigen Organ. Nur minimal unterschiedlich reagiert Osnabrück auf neue und auf alte Songs – wobei die alten vielleicht einen Ticken im Vorteil sind. Aber auch „What You Don’t See“ hat sich scheinbar schon die Mehrheit der Besucher angehört, was man beispielsweise bei „All Wrong“ merken kann. Als der letzte Song angekündigt wird, ist klar was jetzt folgt: „Quicksand“, der Song der die Band mitsamt Video berühmt gemacht hat (und nach wie vor DER Hit der Band wenn es nach mir geht) wird nach allen Regeln der Pop-Punk-Kunst abgefeiert. THE STORY SO FAR sind zum Glück noch nicht so poppig wie beispielsweise Man Overboard, dagegen aber mitreissender (im Sinne von wütender im Bauch) als eben Seahaven – für eine energische Liveshow scheint das die perfekte Mischung zu sein. Wer 1 und 1 zusammen zählen kann, kann sich denken dass da eine Zugabe gefordert wird: In Form von „Mt. Diablo“ folgen dann noch einmal 4 Minuten pure Party. THE STORY SO FAR sind ohne Frage zurzeit einer der interessantesten Acts im Genre des Pop Punk.