26.04.2017: WE TAKE THE BISCUIT - Berlin - Kegelbahn Wedding

 

Der große Vorteil als Hobbymusikjournalist ist der, dass man einfach mal über Künstler schreiben kann, die bislang noch kaum einer kennt. Und dass es abseits etablierter Acts und Labels so viel mehr zu entdecken gibt, machen vor allem Portale wie Bandcamp und Soundcloud deutlich, in denen man sich stundenlang durchklicken kann und irgendwann im tiefsten Untergrundlimbus landet. Oder Städte wie Berlin, in welcher man auch Abseits des Mainstreams stetige Entscheidungsbereitschaft an den Tag legen muss, welches Konzert denn nun als nächstes besucht werden soll. #firstworldproblems und so.

Zuletzt fiel meine Entscheidung auf WE TAKE THE BISCUIT, ebenfalls ansässig in dieser Stadt. Kennengelernt vor kurzem bei einem gemeinsamen Radioauftritt, kam ich nun zeitlich endlich mal dazu, mir die Band in einem richtigen Livesetting anzuschauen. Dass ich eigentlich krankgeschrieben bin, verschweigen wir besser.

WE TAKE THE BISCUIT bestehen aus den beiden Sängerinnen/Multiinstrumentalistinnen Lisa Hübler und Annika Paetsch und wurden am Konzertabend in der Kegelbahn Wedding vom Bassisten Yoav Barnea begleitet. Konzertbeginn war laut Facebook für um acht angezeigt, pünktlich um neun traf ich dort ein. Start war dann 21:45 Uhr. Perfekt. Ebenfalls die Location, welche mir zuvor völlig unbekannt war und von einer der beiden Damen zur Stammkneipe deklariert wurde. Die Kegelbahn Wedding besteht aus einer gemütlichen Raucher-Kneipenetage mit Konzertraum im Keller, welcher prädestiniert ist für Singer-/Songwriterfolk an einem Mittwochabend. Eine Kegelbahn gibt es übrigens tatsächlich.

Nachdem dann irgendwann meine Konzertbegleitung eintrudelte, fanden wir einen Platz auf der Treppe in der hintersten Ecke des Kellerraumes, welcher mit ca. 30-40 Leuten ordentlich gefüllt war. Die bisherigen Songs kannte ich lediglich als reine Gitarren-Akustikversionen und war positiv überrascht, wie viel ein Bass in diesem Bandgefüge ausmacht.

WE TAKE THE BISCUIT spielten ihr Set abwechselnd entweder als Dreierkonstellation, mal zu zweit und switchten regelmäßig an ihren Instrumenten hin und her. Dabei dienten die Instrumente hauptsächlich der Untermalung des nahezu permanenten zweistimmigen Gesangs, welcher sich in jeglicher Hinsicht perfekt ergänzte. Die Songs erinnern an vielen Stellen an die FLEET FOXES, DEAR READER, teilweise an JULIA HOLTER und SOPHIE HUNGER. Selbst gibt die Band BEN HOWARD, BON IVER und LAURA MARLING als Einflüsse an, wobei wohl vor allem die beiden Letztgenannten Hauptinspirationen darstellen. Dabei unterscheidet sich die Band vor allem durch den Einsatz der beiden Stimmen von Folkbands ähnlicher Stilrichtung.

Die Band spielte einen Mix aus eigenen Songs und Coverversionen, u.a. den Song "Michicant" von BON IVER und "Set The Tigers Free" von den VILLAGERS, welcher wundervoll dynamisch umgesetzt wurde. Ein neuer namenloser Song wurde ebenfalls aufgeführt, welcher wie eine Unplugged-Version von WARPAINT klang. Das Konzert in Wohnzimmeratmosphäre endete mit dem Song "Forlorn Man", mit welchem WE TAKE THE BISCUIT vor kurzem den Neuköllner Songslam für sich entscheiden konnten. "Fornlorn Man" und der Song "Dancer" erklangen nochmals als Zugabe. Die zweite Version von "Dancer" wurde vom Bassisten Yoav Barnea improvisiert untermalt und das bislang sitzende Publikum tat es dem Songtitel gleich und mutierte zum kollektiven Tänzer. Tolle Sache.

Nach ca. einer Stunde war Schluss und WE TAKE THE BISCUIT gaben nochmal den Hinweis, dass man via Bandcamp in ihre DIY-Debut-EP "City´s Hum" reinhören kann. Nachdem meine Begleitung und ich von dieser spontanen Mittwochabendunterhaltung mehr als begeistert waren, traten wir dann recht schnell unseren jeweiligen Rückweg an. Einer von uns musste nämlich am nächsten Tag arbeiten. Hehe.