28. & 29.04.2006: GROEZROCK FESTIVAL - Belgien - Meerhout

 


Als die Zelte aufgebaut waren, verschwand die Sonne auch leider und es wurden erstmals Jacken und Mützen aus den Taschen geholt. Das Bier verhalf leider auch nicht gegen die Kälte und so wurden erstmal ein paar Schritte gen Festivalgelände gemacht.

Die erste Band, die ich mir dann am Freitag Frühabend anschaute, war niemand geringeres als SILVERSTEIN. Der Sound ließ noch zu Wünschen übrig, aber die Band auf der Bühne hinterließ bei mir einen positiven Eindruck. In dem halbstündigen Set wurden alle Hits gespielt, und die 5 Jungs machten nicht den Eindruck, als hätten sie kein Spaß an dem was sie dort treiben.

Nach kurzer Pause gings dann gleich weiter mit der nächsten Emo/Screamo-Band, nämlich UNDEROATH. Von ihnen hatte ich mir ehrlich gesagt aber mehr erhofft. Der Schlagzeuger, der in der Band die melodischen Gesangparts übernimmt, veränderte nach Lust und Laune die Gesangsmelodien und ihr eigentlicher "Sänger" bölkte mir ein wenig zu sehr ins Mikro, anstatt gekonnt zu Schreien. Ihr Keyboarder ging gut ab - sah witzig aus, aber auf Platte gefallen mir die Jungs wesentlich besser.

Bei GOLDFINGER (die nach einigen Aussagen auch nicht gerade überzeugend gewesen sein sollen) genehmigte ich mir eine kleine Verschnaufpause, ehe es dann nach elendig langer Umbaupause mit THRICE weiterging. Irgendwie schien es Technikprobleme zu geben, denn die Band spielte aufgrund des viel zu langen Change-Overs nur eine knappe halbe Stunde, obwohl sie für 50 Minuten angesetzt waren. Die Songauswahl bei THRICE war meines Erachtens nicht sehr gelungen. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich die neue Scheibe nicht sehr mag, aber irgendwie geht diese Energie und Intensität, die die Band noch zu "The Artist In The Ambulance"-Zeiten versprühte, aufgrund der neuen wesentlich gediegeneren Songs, verloren. Schade eigentlich!

Headliner an diesem Abend war niemand geringeres als TAKING BACK SUNDAY, die kürzlich ihr 3. Full Length namens "Louder Now" veröffentlichten. Auch hier dauerte die Umbaupause viel zu lange, so dass nach guten 45 Minuten Warterei ein gähnendes Pfeifkonzert seitens der Zuschauer angestimmt wurde. Gegen 0.00 Uhr betrat die Band dann aber unbeeindruckt die Bühne und rockte gut los. Der Sound war bis dahin immernoch nicht viel besser geworden, und die Tonmänner hatten hörbare Probleme mit einigen Mikros. Die Leistung von TAKING BACK SUNDAY war hingegen alles andere als zu bemängeln. Sie boten dem Publikum eine ordentliche Show mit all ihren Hits der ersten beiden Alben. Auch 3 neue Songs wurden gespielt und von der Crowd teilweise begeistert mitgesungen wurden. Gut eine Stunde rockten die Herren auf der Bühne, bis es dann zufrieden und erschöpft mit Mütze und Handschuhen ins arschkalte Zelt ging, um dort in der Nacht fast zu erfrieren.

Am nächsten Morgen ging es gleich schon wieder recht früh weiter, denn um 11.20 Uhr wartete mein persönliches Festival-Highlight auf der Bühne: Die auf Nitro beheimateten A WILHELM SCREAM gingen so dermaßen ab auf der Bühne und spielten so präzise all ihre großartigen Songs der "Ruiner" und der "Mute Print", dass kein Wunsch mehr übrig blieb. Ziemlich unbeeindruckt von all dem hochmodernen Emo-Kram, wissen diese 5 Jungs noch, wie man Ärsche tritt! Hut ab vor dieser Leistung um diese Uhrzeit!

Die nächste Band, die ich mir dann anschaute, waren THE LAWRENCE ARMS. Die 3 sympathischen Jungs aus Chicago boten mal wieder ein buntes Set mit vielen Songs von ihrem neuen Album "Oh Calcutta!". Auch sie wurden vom Publikum schon gebührend abgefeiert und wussten es, die vielen Zuschauer zu unterhalten. Mit Spaß an der Sache und vielen grinsenden Gesichtern wurde eine halbe Stunde gerockt, bis dann (nach kurzem Change-Over) auch schon wieder die nächste grandiose Band auf der Bühne stand:

DEATH BY STEREO spielten komischerweise nur mit einem Gitarristen, der aber seine Arbeit mehr als ordentlich machte. Der sonst bei Pulley beheimatete Bassist Tyler passte mit seiner langen Mähne auch optisch gut zum Metal-lastigen Sound der Band. Rundum war es ein gelungener Auftritt, bei dem Sänger Ephrem mal wieder alles gab. Zwar fehlte bei einigen Songs schon die 2. Gitarre, aber man sollte dankbar sein, eine derartige Band mal auf europäischem Boden live bewundern zu können.

Als nächste Band auf der Bühne zogen dann die Politpunks von ANTI-FLAG konsequent ihre Show durch. Gegen Ende des Sets fiel die komplette Anlage aus, aber die Jungs aus Pittsburgh zögerten nicht lange und drehten ihre Monitorboxen um 180 Grad der wilden Meute zu und rockten unbehelligt weiter. Dem Publikum schien diese aufopferungsvolle Geste gut zu gefallen. Es wurde getanzt und mitgegröhlt, bis die Stimmbänder völlig ihren Geist aufgaben.

NO USE FOR A NAME gehören schon seit 2 Jahrzehnten zu den Melodycore-Bands schlechthin. Trotz des meiner Meinung nach eher schwachen letzten Releases "Keep Them Confused" haben die Herren nicht verlernt, auf der Bühne zu rocken. Sympatisch heizten sie dem Publikum ein, und es gab wohl kaum jemanden, der Hits wie "Soulmate" oder "Why Doesn't Anybody Like Me" nicht mitsingen konnte.

Mit LESS THAN JAKE ging es dann gleich Schlag auf Schlag mit "Gute-Laune-Pop-Punk" weiter. Auch diese schon etwas in die Jahre gekommenen Herren enttäuschten mich nicht und zeigten einmal mehr, dass sie immernoch die Führungsposition in der internationalen Ska/Punk-Liga inne haben. Zwischendurch ging es auch das ein oder andere Mal auf die kleinere Zeltbühne, wo wirklich gute Hardcorebands, wie RAISED FIST oder COMEBACK KID die Meute zum Moshen brachten.

Bei SICK OF IT ALL nahm ich mir eine kleine Auszeit am Zelt, aber lange hielt ich es in der klirrenden Kälte nicht aus und stürmte rechtzeitig zu ME FIRST AND THE GIMME GIMMES wieder zur Mainstage. Sichtlich betrunken und dementsprechend gutgelaunt enterte das Altherren-Punkrock-Dreamteam die Bühne und versuchte das Publikum zu animieren. - Mit Erfolg! Die immer wiederkehrende Ansage "The next song is a cover" und das fabulöse blaue Glitzer-Outfit brachte wohl jedem Zuschauer ein Grinsen ins Gesicht. Keine Frage, hier waren Entertainer am Werk.

Die DROPKICK MURPHYS hörte ich mir nur von der Ferne an, da die Kräfte langsam nachliessen und ich mir wenigstens noch etwas Puste für die einzigartigen BAD RELIGION sparen wollte. Und dann wurd ich richtig überrascht: Die wohl am längsten agierende Punkrockband das Festivals, war für mich auch gleichzeitig das unerwartete Highlight. Ich hätte nie gedacht, dass diese alten Säcke das Publikum so in ihren Bann ziehen können, ohne dabei eine Wahnsinns-Show abliefern zu müssen. Wahrscheinlich ist es diese enorm sympatische Ausstrahlung aller 5 Bandmitglieder, allen voran Frontmann Greg Graffin, der seinen Zeigefinger glaube ich 90% der Spielzeit in der Luft herumwedelte. Obwohl ich nie ein riesiger BAD RELIGION - Fan war, kannte ich erstaunlicherweise so gut wie alle Songs, die sie spielten. Ich war erstaunt, welch ein atemberaubendes Set aus verdammt guten neuen Songs (wie "Los Angeles Is Burning") und natürlich den ganzen alten Klassikern ("Come Join Us" etc.) die Herren da zum Besten gaben.

Nach knapp anderthalb Stunden Punkrock-Historie, blieb dann kein Wunsch mehr offen, ausser der nach einem warmen Bett. Leider musste ich darauf noch bis zur nächsten Nacht warten, aber das viele Frieren hat sich absolut gelohnt. Ich freue mich schon auf's nächste Jahr, wenn's wieder nach Meerhout geht, um da den 16. Geburtstag des grandiosen Groezrock-Festivals zu feiern!

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