29.03.2007: Gang Green, Funeral March, Misfits Society - Bochum - Zwischenfall

 

GANG GREEN dürften wohl allen HC-Jüngern mit Faible für die wilden 80er ein sehr fester Begriff sein, denn die Berufsalkoholiker gehörten zu den ersten HC-Bands überhaupt und machten viele Jahre lang ihrer Heimatstadt Boston alle Ehre. Dabei gewann die Band nicht nur Freunde mit ihrer Musik und Attitüde, sondern auch mindestens so viele Feinde die vornehmlich das X auf ihre Hände malten. Denn seit dem ersten Konzert der Band stand vor allem, natürlich neben der Musik, der übermäßige Verzehr von Alkohol auf dem Programm.

So verwunderte es auch niemanden, als sich herumsprach, dass die Band für ihren Gig im Bochumer Zwischenfall mal eben sieben Kisten Bier eingefordert hat. Und bevor jetzt jemand meint das sei nichts besonderes, dem sei gesagt, dass dieses Bier nur für die 5 Bandmitglieder war. Dementsprechend verwunderte das spätere Auftreten der Band eigentlich niemanden im Raum, aber dazu kommen wir noch später, denn der Abend begann zunächst mit den MISFITS SOCIETY und der Erkenntnis, dass man auch mit 40 Jahren noch Punkrocker sein darf, in Anbetracht des hohen Durchschnittsalter an diesem Abend.

Diese konnten mit ihrem wütenden und sehr schnell vorgetragenen HC-Punk ordentlich die Sau raus lassen und sorgten gleich zu Beginn des Abends für eine gute Stimmung im Zwischenfall. Die anwesenden Menschenmassen, die sich auf ca. 100 Leute beschränkte, nickten zustimmend mit dem Kopf und einige Wagemutige ließen sich sogar zum Schweinepogo bitten, der Tendenzen zum Blutpogo bereits inne hatte. Nach einer kurzen Vorstellung von ca. 20 Minuten machte sich die Band dann von der Bühne und hinterließ einen netten Eindruck. Vor allem die selbstbetitelte Bandhymne konnte richtig für Stimmung sorgen und bewies echte Ohrwurmqualität.

Nach kurzem Umbau folgten dann FUNERAL MARCH, die Punk spielten, schnörkellos und direkt, ohne irgendwelche Umschweife. Zwar konnte die Band an MISFITS SOCIETY nicht heranreichen, aber dass störte nur die wenigsten. Bei den letzten Songs wurde dann auch mal wieder dem Schweinepogo gefrönt und die meisten der Anwesenden schienen zufrieden mit der Leistung von FUNERAL MARCH gewesen zu sein.

Danach folgte ein kurzer Umbau und nach einiger Zeit und Bier kamen dann endlich die Bostoner von GANG GREEN auf die Bühne gewankt um das Publikum ordentlich einzuheizen. Zwar wirkte die anfängliche Ansage "In Bochum haben wir immer das beste Publikum gehabt" etwas sehr standardmäßig, aber alles was danach folgte war einfach nur genial und verdammt witzig. Natürlich spielte da auch der Alkohol eine bedeutende Rolle, denn die Band unterbrach sogar Songs um noch mehr Gerstensaft zu konsumieren. Das Publikum war mittlerweile auf 200 Menschen angewachsen und ab dem ersten Akkord von Chris Doherty gab es nur noch Tumulte vor und auf der Bühne. Dabei zeigten GANG GREEN einen Auftritt, der trotz des extremen Alkoholgenusses sehr gut war. Die Band gab sich mit allen Zugaben ca.1 1/2 Stunden die Ehre und zelebrierte vor allem sich selbst dabei, was nicht verwundert denn schließlich zieht man denn Lifestyle schon seit ganzen 25 Jahren durch. Natürlich gab es massig Songs aus der ganzen Bandgeschichte zu hören, wie zum Beispiel "Wasted Night" und den GANG GREEN Klassiker "Alcohol", der sogar geschätzte drei bis vier Mal mitgegröhlt werden durfte, von dem nicht minder angeheiterten Publikum. Selbst ein mehr schlecht als recht gelungenes Beastie Boys Cover ("Fight For Your Rights") wurde von GANG GREEN geboten, was von dem Publikum mit viel Begeisterung aufgenommen wurde. Zwischen den Songs glänzte dann Sänger Chris Doherty mit vielen schwachsinnigen Ansagen und konnte die Lacher des heutigen Abends sicher auf seiner Seite verbuchen. Rückblickend betrachtet war es ein wirklich großartiges Konzert, dass aber vorzugsweise alkoholisiert angeschaut werden musste, denn nüchtern betrachtet ist das Auftreten von GANG GREEN alles andere als gut zu bezeichnen. Aber eigentlich interessiert das ja auch keinen, denn seien wir mal ehrlich: GANG GREEN haben ihren Ruf und entweder man mag sie oder eben nicht!