29.05.2009: Alesana, Fall From Grace, Parachutes - Berlin - Lido

 

Spontane Aktionen sind doch immer die Besten. Nicht selten jedoch auch die stressigsten. Erstrecht wenn man es bewerkstelligen muss rund 700 km in knapp 8 Stunden zu bewältigen und der Geldbeutel ein großes Loch aufweist. Aber wozu gibt es die Mitfahrzentrale mit der man für Rund 20 Euro nach Berlin kommt und Leute die einen aufs Konzert einladen. ALESANA spielen in der Hauptstadt. Und da ihre Show in Köln auf höchst eigene Art und Weise überzeugen konnte folgt man dem Ruf der Großstadt und erreicht gegen 19 Uhr den Ort der Veranstaltung, das Lido. Der Einlass hat so eben begonnen und eine drängelnde Menge allerhand Sturmfrisurtrger quetscht sich durch den Eingang. Ausweiskontrolle! Pech für all diejenigen die unter 16 sind und keine Einverständniserklärung ihrer Eltern dabei haben. Das Personal ist skrupellos.

Eine weitere Anreise als man selbst hatten wohl nur die Jungs von PARACHUTES. Sie sind bereits seit den frühsten Morgenstunden im voll bepackten Van gesessen und nach Berlin gezuckelt. Heute Abend geben sie zum vorletzten Mal den Opener der deutschen ALESANA Shows. Obgleich es noch nicht all zu viel im Lido los ist, herrscht vor der Bühne schon ein Hahnenkampf um die besten Positionen zum Fotografieren und Musiker anhimmeln. Es sei PARACHUTES gegönnt. Der Song Flatlines zu dem die Jungs im vergangenen Jahr ein Video drehten, kommt an und wird teilweise sogar mitgesungen. Das Set der fünf Saarländer dauert zwar nur eine gefühlte halbe Stunde, aber diese kann durchaus überzeugen. Ihr Sound kommt an, ein gekonnter Mix aus Shouting Parts und Gesang, und da weniger oft mehr ist verzichten PARACHUTES auf zu viel Moshpartaction und überzeugen lieber mit stimmigen Riffs und Singalongs. The Fallen, ihr wohl bekanntester Track, wird gegen Ende performt. Ein Ach die Band ist das-Geflüster liegt im Raum. Und das derweilen gut gefüllte Lido singt fleißig mit.

FALL FROM GRACE brechen ein wenig aus dem Rahmen. Nicht nur, dass sie eine Ecke älter sind als der Rest ihrer Tourkollegen, auch musikalisch unterscheiden sie sich merklich vom Screamo-Ding das die anderen beiden Bands darbieten. Die vier Herren mögen zwar optisch irgendwo zwischen Aiden und My Chemical Romance einzuordnen sein, sind aber vom Sound her viel mehr eine Punk-Rock Kapelle mit Pogopotential. Dass dies nicht bei alle Anwesenden ankommt merkt man spätestens dann wenn den Aufrufen zum Bewegen oder Hände heben durch den Sänger nicht nachgekommen wird. FALL FROM GRACE mögen ihre Anhängerschaft haben, aber heute Abend haben sie es schwer. Doch sie tragen es mit Humor und begießen bereits auf der Bühne ihren Auftritt mit einer ordentlichen Menge Bier. Noch nie was von Jugendschutz gehört?!

Das Konzert wurde im Vorfeld vom Kato ins wesentlich größere Lido verlegt, nun weiß man auch warum, denn es ist brechend voll geworden. Bis zur Bar stehen jung und alt und warten sehnsüchtig auf dem Auftritt von ALESANA. Vielleicht sollte man bei ALESANA Shows auch mal über das Tokio Hotel Projekt Elternzonen nachdenken. Die Rasselbande von ALESANA ist in einen schwarzen Einheitslook gekleidet, teils düster geschminkt und vom ersten Moment an eine pure Entertainertruppe. Es wirkt fast als seien ihre Auftritte ihnen schon ins Blut übergegangen. Da gibt es keine falsche Bewegung, keine Verspieler und kaum Anlass aus ihrer Performanceroutine auszubrechen. Vor der Bühne herrscht hingegen fast schon Ausnahmezustand. Da wird gedrängelt, geschupst und getreten was das Zeug hält. Weniger um sich auszupowern und die Band abzufeiern, viel mehr um möglichst Nahe an die Band ranzukommen und vielleicht sogar mal einen der sechs Jungs zu berühren. Sänger Dennis ist da der perfekte Kanidat für, er liebt das Bad in der Menge und schmeißt sich mehrmals ins Publikum. Doch die zerbrechlichen Mädels in den ersten Reihen können ihn kaum tragen. Nachdem ALESANA so ziemlich alle ihre Hits gespielt haben erklären sie Justin Timberlake für den geilsten Mann der Welt und covern dessen Song What Goes Around Comes Around. Und was bei den Fans der großen Stars gut ankommt, mag auch die Screamo Fraktion. Zu guter Letzt: Apology, und das wilde Treiben auf der Bühne findet sein Ende. Jedoch lassen sich es ALESANA nicht nehmen noch bis Stunden nach dem Konzert Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen.

Alte Kommentare

von Phil 11.06.2009 11:55

"Would you rather be fed bullshit From some 20-something, makeup wearing, popstar" (NOFX) Bei solchen Bands, solcher Musik und solcher "Performanceroutine" ist das alles was ich dazu zu sagen habe...

von und jetzt 11.06.2009 20:59

hol dir einen runter.

von momo 11.06.2009 21:13

mein review war wohl zu böse ;p