Interview mit Dog Eat Dog

 

Die kleine spontane Runde mit Dave Neabore (DogEatDog)

Am 22. Juli diesen Jahres hatte ich das Vergnügen, u.a. mit DogEatDog auf dem Twistringer „Reload Festival“ zu spielen und somit in den Genuss kam, nach deren Gig äußerst spontan einen kleinen Plausch zu halten und den auf meinem kleinen 24 Spuren-´92er-Tonbandgerät mit Außenkurbel aufzunehmen.
Anzumerken sei noch, dass weder der Herr Neabore, noch meine Wenigkeit, zu diesem Zeitpunkt nüchtern waren und somit nicht nur im Nachhinein das Frage-Antwort-Spiel für mich schwer verständlich war, sondern die Kassette einfach irgendwann voll war und somit einige Minuten für immer verloren gingen, da Jägermeister & Co. dafür sorgten, dass nicht sehr viel in meinem Gehirn gespeichert blieb.

Nachdem ich das Tonband eingeschaltet hatte, starrten wir uns einige sekundenlang an, da ich etwas brauchte um mich zu sammeln und mir keine Anfagsfrage in den Kopf kam. Somit eröffnete Dave selbst das Interview, in dem er sich quasi selber fragte: „How was the show?“, aber anstatt eine Antwort zu geben, richtete er dir Frage an mich und wollte wissen, wie ich darüber dachte. Ich sagte, dass ich doch überrascht war, mit wieviel Elan sie ihr Set gespielt hatten. Wenn man bedenkt, dass sie ungefähr ´95 noch vor Zehntausenden auf Festivals gespielt hatten und nun vor vielleicht tausend Menschen standen, ist das nicht selbstverständlich (Gott, Alkohol macht ehrlich!). Dave Neabore ist jedoch froh, dass mir das aufgefallen ist und bemerkt, dass dass allerdings selbstverständlich und ein gewisses Qualitätssiegel für seine Band sei: „It doesn´t matter if DogEatDog are playing in front of ten people, a hundred people, a thousand poeple or ten thousand people. You will always get the same show!” Und Dave sieht hierdrin auch die Stärke seiner Band und den Grund, warum sie nach 16 Jahren immer noch in der Lage sind zu begeistern. Man gehe jede Nacht an das absolute Showmaximum, dass ehrlich sei, sprich keine vorgetäuschten Posen, sondern wahrer Spaß am Spielen und das wäre wohl das, was es ihnen ermöglicht habe rund sieben Jahre zu touren, ohne, dass sie eine neue Platte im Rücken gehabt hätten. Manchmal seien die Shows, die nur 50 auch die Besten und Intensivsten. „I never judge a show by the size. It´s about the reaction the audience gives you!“ Vor uns stand ein Laptop, der irgendjemandem gehörte und Dave hatte vorher bereits probiert einen Internetanschluss zu bekommen. Leider war eine Serververbindung nicht nötig. Nach ein paar Minuten unbeholfenen Klickens seinerseits und meiner erbärmlichen Hilfestellung meinerseits, gaben wir es auf und lehnten uns zurück und betrachteten, während des Gesprächs, die Bilder einzelner Musiker (von Bands, die am vorherigen Tag suf dem „Reload“ gespielt hatten), die in einer Diashow (als Bildschirmschoner) auf den Screen „gepoppt“ wurden. Er entdeckte Christoph von EMIL BULLS und erzählte mir, dass sie mit dieser Band gut befreundet seien und man in der Vergangenheit bereits Gigs gemeinsam bestritten hatte.
Ich kam dann natürlich auch auf den Hype der MetalCore Szene zu sprechen und fragte, wie es für eine CrossOver Band sei, damit konfrontiert zu werden. „We can do whatever we want!“ ist die Antwort. „Wir haben die Band in den ´90ern gegründet und waren seit jeher offen gegenüber anderen Musikrichtungen und hatten nie Angst davor zu experimentieren, deswegen benutzten wir früher auch das Saxophon. Wir haben uns nie von Trends beeinflussen lassen und werden stets einfach nur DogEatDog sein und unseren Stil weiterspielen, dass ist das Natürlichste!“ Desweiteren erklärte Dave mir, dass er eh nicht in musikalischen Sparten denke und dass die Euopäer mit der Bezeichnung CrossOver aufwarteten und er sich eher als Teil einer normalen Rockband sehen würde. Schlicht und ergreifend. Period! „Wir wurden da einfach reingesteckt, aber wir waren immer anders. Am Anfang hätte ich uns eher als eine Hardcoreband beschrieben, aber jetzt machen wir schlichten Rock und mischen ihn mit Rap.“ Als wir dann auf gute Bands zu sprechen kamen, die einen ähnlichen Kurs verfolgten, erstaunte Dave mich mit seinem großen Wissen über die deutsche Musikszene und dass Claus Grabke (Ex-Thumb und Alternative Allstars) ihr neues Album produzierte. Die Musiker seien seit Jahren eng befrundet, seitdem man in den Neunzigern gemeinsam auf Tour war. Die Skaterattitude Grabkes und die DogEatDogs hätte ganz einfach gefunzt und er brachte diesen Vibe auch mit in die neue Platte ein. Er sei auch bei ein paar Songs am Gesang tätig gewesen, war aber eher in der Rolle des Produzenten. Der 36 jährige verrät, dass auch Marta Jandová (DIE HAPPY) zuhören sei und man sich von Reggae, Hip-Hop, Punk und NY-HC hat beeinflussen lassen. Na, das klingt doch mal interessant. Dass die neuen Songs auch live wirken, hatten die Herren vor ein paar Minuten ja bewiesen.

Auf die Frage, wie er sich fühlen würde Teil einer Band zu sein, die mit ein paar anderen angefangen hatte, Rap und Rock ernsthaft zu verbinden und somit die Basis geschaffen hatten, wie Killswitch derzeit für den MetalCore taten, antwortete er, dass er sich geehrt fühle. Er wusste zwar damals, dass seine Band gut war, aber dass sie und andere einen derartigen Stein ins Rollen bringen würden, hätte er nicht gedacht, als 1994 sich etwas in der Musikszene regte. Dann plötzlich zu jemandem zu werden, den Leute als Ienfluss nennen, sei nach wie vor sehr merkwürdig und schmeichelnd und erzählt, wie er ´86 dem Drummer von CORRISSION OF CONFORMITY die Hand schütteln durfte. Es sei für ihn und seine Band äußerst wichtig immer freundlich zu sein, da man selber in der Rolle des Fans war und imemr noch ist. Das spricht, für ihn, abermals für seine Band und ihren schnellen Erfolg. Aber nach all den Jahren sei es ein trotzdem ein komisches Gefühl morgens aufzuwachen und auf MTV seinen eigenen Werbetrailer zu sehen.

Am Ende der Tour schaut man auf 40 betourte Länder dieser Welt zurück und Dave sieht auch noch lange nicht das Ende in Sicht, jetzt wo man endlich wieder beweisen kann, dass man eine aktive Band ist und den Stress der letzten Jahre hinter sich gelassen hatte. Die hätten weniger mit einzelnen Bandmitgliedern zu tun gehabt, sondern mit dem Management, Recordlables und Booking Agencies. „This is what really hurt us! Wenn du die ganze Zeit Musik machst und nur auf Tour bist, dann merkst du im Endeffekt gar nicht, wie sehr das Business die Kontrolle über dein Leben bekommt. Dafür, dass wir von 1993 bis 1999 konsequent auf Tour waren, zahlten wir 2000 bis 2003 den Preis, da wir uns nie wirklich um Geschäfte kümmern konnten. But now, we´re back on track!“ Bezüglich, der Line-Up Wechsel, gab er bereitwillig Auskunft. Bezüglich des Saxophones war man irgendwann der Meinung, dass dieses Instrument nicht mehr zu DogEatDog passen würde, man aber immer noch mit Scott befreundet sei und in anderen Projekten gemeinsam Musik mache. „Sean hatt jede Menge persönliche Probleme, worunter auch sein Gitarrenspiel litt, aber nach Jahren des Bittens und Bettelns, er solle bleiben und sein Gitarrenspiel den Anfangstagen angleichen, stellte sich keine Verbesserung ein. Als wir die Hälfte der Platte abgeschlossen hatten, erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Das war der Punkt, als wir wussten, wir können die Platte so nicht fertigstellen. Entweder er verlässt die Band oder wir müssen ihn feuern. Er stieg offiziell aus, wurde nicht gekickt, aber ich liebe ihn immer noch, wie einen Bruder und wir stehen alle noch in engem Kontakt zu ihm und er ist jetzt endlich wieder glücklich. Es ist einfach nicht seine Bestimmung zu touren, er ist eher der einfache Gitarrenspieler.“ Dave hingegen sieht sich dazu geboren Bass in einer Band zu spielen und deren Musik zu veröffentlichen. Er gibt allerdings zu, dass er oft darüber nachdenken muss, was „danach“ kommt und das für ihn schon ein erschreckender Gedanke ist. „Nach all diesen Jahren auf Tour, fragst du dich schon, was mache ich hier eigentlich mit meinem Leben? Die meiste Zeit meiner Jugend und meines Erwachsenenalters habe ich auf Flughäfen, in Studios, Hotles, Bussen oder Backstage verbracht. Da fühlt man isch oft nicht als normaler Mensch und das ist das, was Sean gebraucht hat. Sich wieder „normal“ zu fühlen.“ Der Basser mit den scheinbar nie versiegenden Grinsen im Gesicht, kann es sich schon vorstellen in 4 Jahren Kinder zu bekommen, aber ans Aufhören, denkt er noch lange nicht. „Als ich 25 war, dachte ich, dass ich mit 30 den Bass nicht mehr halten kann, aber jetzt bin ich 36 Jahre alt und besser als jemals zuvor. Außerdem kann man nach all der Zeit des Reisens nicht einfach ins Alltagsgeschäft zurückkehren, also denke ich, dass ich einfach immer weiter Musik schreiben muss.“ Wünschen wir ihm, dass dies auch weiterhin ausreichen wird, seinen Lebensunterhalt zu betreiten. Vielleicht läuft es ja sogar darauf hinaus, schließlich sind drei seiner mehrzähligen Nebenprojekte gesignt worden. ALL BORO KINGS beispielsweise von Century Media. Diese Band beinhalte alle originären Bandmitglieder (u.a. auch Sean und Scott) und geht eher in die Richtung Hardcore und Punk.

Also sieht es wohl so aus, dass nicht nur DogEatDog, sondern vor allem auch Dave Neabore uns noch eine zeitlang erhalten bleiben und das ist auch gut so!