Interview mit Donots

 

Interview mit den Donots beim „Reload Festival“, Twistringen

Ein schöner warmer Sommerabend und ich sitze mit Ingo, Guido und Jan Dirk Backstage und habe hier drei sehr freundliche und gut gelaunte Musiker vor mir.

Ihr seid momentan ja wieder gut unterwegs. Wie läufts?

Jan Dirk: Im Moment spielen wir vornehmlich Festivals. Hatten Anfang des Jahres ne ganz nette Tour gehabt von Lettland bis nach Ungarn runter, bei durchschnittlich -30 Grad, wir hatten sogar Einszapfen in den Verstärkern, die wir mit Föns auftauen mussten und wir selber wärmten uns mit einem Schluck Vodka.

Ingo: Ja, das war total schön, wir sind angekommen in dem Club und bevor wir ausluden, wurde uns gesagt: „Nee, ihr trinkt jetzt erstmal nen Vodka!“

JD: Wir haben ziemlich schnell verstanden, warum, denn das ist das einzige, was man in diesen Clubs zu sich nehmen kann.

Ist es in den Clubs auch so kalt?

I: Ne, aber wir haben am zweiten Tag in Riga ein Festival gespielt, in einem alten Eisenbahnmuseum und als wir ankamen, waren es in Indoor -14 Grad und dann haben sie Heizlüfter aufgestellt, so mit waren es, als wir gespielt haben, nur noch – 5 Grad in dem Club, aber Minusgrade innen ist dann doch schon ungewöhnlich.

Wie ist das Publikum in diese Ländern?

I: Wahnsinnig dankbar! So viele glückliche Kids, denn die haben da auch ne Szene, aber es verirrt sich kaum eine Band da hin, weil man sich erstmal zwei Tage quer durch Polen quälen muss, dann Litauen und dann Lettland, das ist schon ein gutes Stück.

Besteht ein großer Unterschied zum deutschen Publikum?

JD: Ja, die haben sich echt gefreut, dass wir nach fünf Jahren da endlich mal hingekommen sind. In Deutschland kann man uns ja praktisch an jedem Pisspott sehen, zumindest konnte man das mal ne zeitlang. Also da haben wir auf jeden Festival gespielt und dann noch zwei Touren im Jahr gespielt, da sind die Leute hier natürlich nicht mehr so durstig.

Am 13.08. macht gebt ihr ein Akustikkonzert. War das eine Spontanidee?

I: Also wir haben das schon ein, zwei Mal gemacht, wir das Deltaradio in Kiel zum Beispiel und wir denken, dass das mit einigen Songs ganz gut funktioniert. Wir spielen an dem Wochenende das Taubertal Festival, was hier in Deutschland unser liebstes Festival geworden ist. Wir spielen da jetzt schon das sechste Mal und dachten uns, wir machen da mal was spezielles, um uns bei den Leuten dort zu bedanken und daher wollten wir diese Secret Show machen. Das wurde auch erst ganz kurzfristig angekündigt und werden in den nächsten Tagen noch mal proben und werden schauen, wie das wird.

Du (Ingo) feierst bei besagter Show deinen 30. Geburtstag. Kommen da die ersten Gedanken im Bezug auf „sesshaft werden“ und Familie gründen hoch?

I: Ehrlich gesagt, bin ich voll schlecht darin mir derartige Gedanken zu machen. Ich habe zwar ne Freundin und bin sehr glücklich, aber es wäre im Moment noch eher hinderlich für mich, wenn ich jetzt ein Kind hätte. Aber ich möchte auf jeden Fall mal Kinder haben. Aber im Moment entscheide ich mich eher für die große Familie, die Band. Aber wer weiß, vielleicht in den nächsten fünf Jahren. Aber im Moment sind wir zuviel unterwegs und man sollte schon daheim präsent sei, um das Kind wachsen zu sehen, dann müsste man sich schon eine Auszeit nehmen.

Wenn das Kind älter wird, wird es auch die Donots auch dann wieder geben?

I:Ja, natürlich, ich würde auch nicht aussteigen, aber ich finde es wichtig, dass ich in den ersten Jahren des Kindes nicht 130 Shows spiele. Dementsprechend mache ich mir nur Gedanken darüber, dass ich langsam graue Haare kriege.

Sieht man aber kaum.

I: (lacht) Ja, auf der Bühne im richtigen Licht gefiltert, wird man das wohl kaum sehen.

Vielleicht haste ja Glück und du wirst so eine Art Sean Connery, den finden Frauen mit grauen Haaren ja auch attraktiver, als mit dunklen.

I: Ja, vielleicht habe ich Glück
JD: Und vielleicht kriegste ja auch nen Adelstitel verliehen. Ist Sean Connery nicht ein Sir?
I: Jaa, Sir Knolllmann würde sich gut anhören.

Ja, Sir Knollmann von und zu Ibbenbühren.

I: (lacht) Au ja, das wäre super!

Du hast Waterdowns neues Album „All riots“ produziert, kannst du dir das als mögliche Alternative zu den Donots vorstellen?

I: Ja, tendenziell ja. Waterdown sind aber auch langjährige Freunde, da hat sich das einfach angeboten, aber ich kann mir vorstellen, das noch auszuweiten, obwohl ich das nicht als Alternative sehe, sondern eher als Bonus. Ich bin ja nicht der Einzige von uns, der in dieser Richtung was macht. Jan Dirk und Guido haben jetzt auch schon das erste Mal was gemacht und eigentlich rüsten alle gerade Home-Recording-Studiomäßig so ein bisschen auf.

Ihr macht aber alle einzelne Projekte und nicht alle zusammen?

I: Nee, das ist nichts kollektives, nur unser Proberaum dient dann als Aufnahmeraum. Wir unsere Demoaufnahmen haben wir all unser Zeug in ein Haus im Emsland geschafft und haben da 24 Stunden lang Krach gemacht und einfach alles aufgenommen. Das war sehr produktiv.

Nun habe ich gelesen, ihr habt Sendung, die „Die relaxte Kluftpuppe“ heißt. Was ist denn das?

JD: Das ist ne Podcast Sendung, das ist so eine Art Internetradio für jedermann, da kann jeder, der will, sich nen Wolflabern und andere hören sich das dann an. Und unsere Sendung trägt diesen Titel, weil…(seufzt) lange Geschichte. Bei den Aufnahmen zum letzten Album, hatten wir nen Raum, der mir zu kahl war und da habe ich dann eine Sitzecke reingebastelt und wollte dann abends diesen „Club“ die relaxte Puffmuter“ nennen und auf Grund von diversen Alkoholika kam da dann „die relaxte Kluftpuppe“ raus und so nannten wir den Club und dann auch unsere Sendung und da erzählen wir halt, was uns so alles passiert.

Auf eurer Homepage gibt es die Rubrik „Amplified“ in denen ihr Bands, die ihr gut findet, eine Möglichkeit bietet, ihre Songs dort auszustellen.

I: Ich kam mit unserem Webmaster auf die Idee, um einfach Newcomer zu unterstützen, so wie das bei uns auch war. Wir bekommen pro Episode rund 50 Demos zugeschickt und dann wählen wir aus und diese Bands haben natürlich auch die Möglichkeit als Lokalsupport mit uns zu spielen und ihre HP mit unserer zu verlinken und dort ihre Sachen zu posten.

Gibt es Stilvorgaben?

I: Nein, es muss uns gefallen und ehrlich rüberkommen.

2001-2002 war ja euer Jahr und ihr habt sehr viele Singles rausgehauen. Es wurde dann aber ruhiger ab „Got the noise“. Nicht genügend Vermarktung?

I: Nein, „We got the noise“ war ja unser bis Dato höchster Charteinstieg und es ist auch weniger der Zahn der Zeit, sondern eher das die Plattenindustrie, was Kohle angeht, total in den Knien und es macht gar keinen Sinn mehr superteure Videos zu machen, denn Mtv und so weiter werden ja immer mehr zu Realitysendern und ein schwarz-weiß Video spielen sie gar nicht, weil es das Format nicht erfüllt. Da kommen so viele Businesskomponenten zusammen, dass wir darin keinen Sinn mehr sahen, Videos zu produzieren, wenn Mtv da ganz andere Vorgaben hat.

Was ist seit „Got the noise“ am prägnantesten passiert?

I: Wir haben sehr viel auf internationaler Ebene getourt. Japan, Irland mit Hot Water Music, Protugal, von West nach Ost, von Links nach Rechts, einfach nur getourt und man nimmt durch jede Tour verschiedene Eindrücke mit. Aber wir sind wohl geerdeter geworden.

Müsst ihr nebenbei noch arbeiten oder heizt ihr mit Geld?

I: Wir bestreiten damit schon unsere Miete, aber keiner von uns hat drei Hubschrauberlandeplätze. Wir müssen uns aber keine Gedanken darüber machen, wie wir am nächsten Tag unsere Brötchen bezahlen können.

Guido: Also ich sehe es als Geschenk an, dass wir das Glück haben, dafür bezahlt zu werden. Das ist ein Traum.

I: Es ist nicht in Saus und Braus leben, aber es bestreitet unsere Miete.

Ist das nicht fast schon ein wenig, wie einem Job nachzugehen?

I: Ja, obwohl sich das immer ein wenig blöd anhört, denn wir machen ja im Endeffekt das, was uns Spaß macht.

G: Jeden Tag auf Tour zu sein, ist nicht immer so lustig, das habe ich auch von anderen Bands schon erfahren, aber man muss aus jedem Konzert etwas besonderes machen und eigentlich habe ich auch immer Bock drauf zu spielen, außer ich bin krank.

Wie empfandet ihr die Resonanzen zu „Got the noise“?

JD: Unverändert, das einzige wirklich heraus stechende war, dass wir einen Großteil live eingespielt haben, was bei einigen gut ankam und wir auch beibehalten wollen.

Die Donots haben schon eine hörbare Weiterentwicklung durchgemacht, sind aber immer noch die Donots. Wie macht ihr das? Ich kann jetzt drei Akkorde mehr spielen und die müssen auch alle in den Song?

JD: (lacht) Nein, wir sind alles große Bauchmusiker und wir haben uns auch noch nie wirklich Gedanken gemacht, dass wir jetzt poppiger oder erwachsener klingen müssten, obwohl wir auf dem letzten Album verstärkt akustischen Singer/Songwriter Songs gearbeitet haben.

Die DVD.

I: Wir haben ja noch sehr viel Material rum liegen und es wird auf jeden Fall noch eine zweite geben. Da sind alle Videos, ein paar Liveauftritte und Making Offs drauf. Ein Freund von uns, Pascal Heiduk, war mit uns sechs Wochen im Studio, der hat auch Videos für Tomte, Pale und Waterdown gemacht. Er hat uns mit der Kamera begleitet und daraus ist eine einstündige Dokumentation geworden.

Nun wirkt sich das Touren ja auch auf das Privatleben aus. Habt ihr schon mal gedacht, dass Mama und Papa vielleicht Recht hatten und ihr doch so was wie Zweiradmechaniker hättet werden sollen?

JD: Man muss natürlich schon zurückstecken und es ist auch ein sehr unregelmäßiges Leben, aber ich kann nichts anderes und will auch nichts anderes machen.

Ihr seid in Japan ziemlich aktiv. Ist da ein Unterschied zum deutschen Publikum?

I: Auja, riesige! Du musst dir die Intensität einfach anders vorstellen. Wenn sie Fans sind, sterben sie für ihre Bands. Wenn du nachts ins Hotel zurückkommst, dann liegen da Leute auf den Vinylplatten und warten auf ne Unterschrift. Auch pushen sie sich selber, dass man live schon fast gar keine Motivationsarbeit mehr erledigen muss.

JD: Sie sind weniger Musikkonsumenten, sondern Liebhaber. Die wollen das Album im Original haben und am besten noch mit Unterschrift drauf. Das ist hier ja eher weniger geworden, viele brennen nur noch und denken nicht mehr groß über die Band nach.

Autogramme. Wie ist das nach all den Jahren für euch?

G: Ich hab mich schon geweigert Autogramme zu geben, weil ich im Endeffekt auch nur eine Pappnase bin, aber dann denken manche ich bin arrogant und dann unterschreibe ich schon mal mit „He-Man“ oder so.

I: Man macht ihnen ja eine Freude damit, aber sie stellen sich damit unter einen und das gefällt mir nicht und ich würde von mir auch gar keins haben wollen.

Also ich muss zugeben, dass ich stolz auf meine Autogramme bin und froh bin, wenn ich eines ergattern kann.

G: Ich habe eins von Harry Weynfurth!

I: Ich habe diverse von Metallica. Naja, so gesehen, ist das doch ne tolle Sache.

G: Ich habe eins von Zachie Neuss, das ist der Dicke von „Eis am Stiel“! Der war mal in einer Videothek in Ibbenbühren. Das war cool!

Habt ihr in Japan mehr Erfolg von den Verkaufszahlen her?

I: Die Zahlen sind da tendenziell höher, weil die eigentlich nicht downloaden, aber vom Standing her ist es ungefähr das gleiche.

Ein neues Album ist ja nun sicherlich geplant. Wie möchtet ihr, dass es klingt? Die typischen Hits wird es ja mit Sicherheit wieder geben, aber wird es neuere Einflüsse geben?

JD: Die bislang aufgenommen Songs klingen schon unterschiedlich und müssen zwölf Songs finden, die einfach homogen klingen. Aber wir werden auf jeden Fall noch mal so ein Haus mieten und dann werden wir weitersehen. Im Moment können wir das selber noch nicht abschätzen. Wir freuen uns einfach nur darauf ein neues Album zu machen und endlich wieder Gas zu geben.

Eure Einflüsse? Denn es gibt ja Bands, die machen ganz andere Mucke, als sie eigentlich zu Hause hören.

I: Also wir hören uns gerne Rancid und Green Day an, aber ich mag auch Singer/Songwriter Sachen, wie Jonny Cash und auch viel Metal, wie Metallica, aber das ist alles eher Inspiration, wir versuchen nicht so zu klingen, wie jemand anderes.

G: Ich muss sagen, wenn man sich ein neues Album kauft, zum Beispiel Slayer, dann wird man zwar davon beeinflusst, aber man klingt dann nicht gleich danach.

Das heißt, man findet irgendwo in einem Donots Song auch ein bisschen Slayer?

(alle lachen)
G: Ich hoffe doch!

I: Und wer den findet, der ruft gleich unter 0-800-ich-habe-Slayer-gefunden an und der kriegt ein Bier umsonst.

Gibt es eigentlich für euch ein Zeitlimit, wie lange ihr diese Band noch machen wollt, denn es sind ja schon zehn Jahre.

I: Es sind eigentlich sogar schon 13 Jahre!

JD: 13 Jahre? CIAO!!!

G: Solange, wie es noch Spaß macht und der Motor läuft.

JD: Du hast ja auch nach dem „Jobgefühl“ gefragt und ich glaube, wenn der Punkt erreicht ist, dann würden wir wohl auseinander brechen. Aber da wir fünf supergute Freunde sind, die 13 Jahre lang einfach nur Spaß gehabt haben, sehe ich diesen Punkt noch lange nicht.

I: Hinzu kommt, dass wir noch drei Reunion Touren machen müssen, bevor wir uns auflösen, zehn Besetzungswechsel…

JD: …und wenn dann die achte Brasilienpressung der Japan ´76 Tour raus gekommen ist, in Edged-Vinyl oder so was, dann fangen wir an, einfach irgendwelche Leute ins Boot zu holen und unsere eigenen Songs neu zu interpretieren und sitzen im eigenen Boot und sprechen nur noch via Anwalt mit einander.

Was ist der größte Traum der Donots. Ihr habt ja schon viel erreicht, aber etwas wo ihr sagt, dass will ich noch mal machen, bevor ich aufhöre.

I (ernst): Torwandschießen beim ZDF Sportstudio.

Ich (konsterniert): Ernsthaft?

I (lacht laut): Nö! Einfach so lang wie möglich gemeinsam kreativ sein und viele Shows in verschiedenen Ländern der Welt spielen.

JD: Ich will auch einfach alles noch einmal machen.

Habt ihr ein Tipp für eine Band, die nach Oben will?

I: Nicht verbiegen und spielen, spielen, spielen.

JD: Ich dreh bei diesen Castingshows immer durch, bei der Frage „Wie werde ich ein Star?“. Darum geht’s doch nicht, sondern um Musik und wie ich die an möglichst viele Leute bekomme. Immer dabei bleiben und spielen und nicht nur im Proberaum rumzuhängen.

G: Der Ansatz sollte auch nicht sein, dass man Musik macht, um berühmt zu werden. Du kochst ja auch nicht dafür, dass das Geschirr dreckig wird.

I: Von mir auch noch der Tipp schreibt ruhig erst Songs, habt nicht zuerst eine MySpace-Seite, macht euch so eine Emofrisur und fotografiert euch nicht sofort von Oben.

Ich: Oh, ich glaube, das gab es von mir damals auch…

(allgemeines Gelächter)

Shake Hands und ab zur Bühne um Dog Eat Dog anzugucken und weiter zu trinken. Sehr nette und humorvolle Leute, die Herren.