Interview mit Enter Shikari

 



Während im Hintergrund die Vorbereitungen für die heutige, ausverkaufte Show stattfinden, beantworten uns Rob (Drums) und Rory (Gitarre) von ENTER SHIKARI bereitwillig unsere Fragen rund um ihre neue Veröffentlichung "A Flash Flood Of Colour". Obgleich es ihnen dabei merklich schwer fällt die Augen offen zu halten... ENTER SHIKARI geben scheinbar auch nach der Show noch Vollgas und befinden sich noch in der Regenerationsphase einer wilden Partynacht.

Hallo, ihr Zwei. Danke, dass ihr euch die Zeit für uns nehmt. Wie geht es euch heute?
Rory: Gern. Naja, die Tour in Amsterdam zu starten und dort im Anschluss einen freien Tag zu verbringen war vielleicht nicht die klügste Idee. Wir haben einfach zu hart gefeiert und sind immer noch dabei uns zu regenerieren. Nein, aber ganz ehrlich, es war eine absolut großartige Show dort. Es scheint, als würden alle schon die neuen Texte kennen, auch wenn die Platte noch nicht all zu lange veröffentlicht ist.

Wie sind die Reaktionen auf euer neues Album "A Flash Flood Of Colour" bisher gewesen?
Rob: Wir könnten nicht glücklicher mit den Reaktionen sein, sowohl von den Fans als auch von der Presse. Es scheint, als würden alle die Platte mögen, was fantastisch ist, weil wir daran fast ein Jahr lang daran gebastelt haben und sie gerne viel früher rausgebracht hätten. Und live kommen die neuen Tracks auch gut an.

Wie kommts, dass ihr die Platte außgerechnet in Thailand aufgenommen habt?
Rory: Naja, das halbe Album haben wir in London aufgenommen. Unser Produzent dort hatte einen Kontakt nach Thailand zu einer Art "Paradis Studio" und wollte, dass dort mehr europäischen Bands ihre Platten aufnehmen. Er hat es geschafft uns einen echt guten Deal zu besorgen und da konnten wir einfach nicht anders. Wir hatten einfach Glück.

In den Texten eures neuen Albums prangert ihr viele Dinge sozialkritisch an. Habt ihr euch dieses Thema bewusst ausgesucht?
Rory: Es sind Dinge, die uns alle angehen.
Rob: Es geht vor allem darum, was uns alle umgibt. Egal wo du hin schaust, du kannst nicht von Staat, Gemeinschaft oder dergleichen wegrennen. Um ehrlich zu sein, mich überrascht es, dass nicht mehr Band solche Themen wählen und darüber schreiben.

Jedes "System" endet in einem "Meltdown"?
Rob: Haha, so kann man es manchmal sehen!
Rory: Alles was geboren wird, muss auch sterben.

"Our gerneration's got to fight to survive" – Wie sollte dieser Kampf aussehen?
Rob: (hebt die Fäuste) So! Alle verkloppen!
Rory: Nein, nein, nein. Es heißt einfach, dass es viel Stumpfsinn in unserer Generation gibt. Sich gegen all die schwachsinnigen Dinge, die um uns drumherum passieren zu wehren, oder es zumindest zu versuchen. Nicht mit physischer Gewalt, sondern dadurch, sich mehr Gedanken um das eigene Handeln zu machen und nicht alles so hinzunehmen, wie es zu seien scheint.

Waren Ereignisse wie die Aufstände in England letzten Sommer, oder die Atom-Katastrophe eine Grundlange für euch die Stimme zu erheben?
Rob: Zum Beispiel. Es hat mit all diesen Dingen zu tun denke ich. Es geht darum mehr zusammen zu halten und zu arbeiten. Wir sind alle eine Spezies, eine Welt. Wir sollten auch nicht um die letzten Ölreserven kämpfen, nur um daraus einen Profit zu schlagen. Wir sollten überlegen, was mit den Generationen nach uns passiert wenn wir so weiter machen. All diese globalen Probleme, bei denen man sich eigentlich helfen sollte, anstatt sich zu bekriegen.

Habt ihr persönlich schon etwas für diesen Veränderungswunsch beigetragen?
Rory: Ahm... auf Tour sein und die Message verbreiten...

Ihr seid doch auch ein Teil dieses Systems...
Rory: Sind wir.
Rob: Offensichtlich. Man kann nicht davon wegrennen. Es umgibt dich überall und in allem, was du tust. Du musst irgendwie Geld verdienen um was zu Essen zu haben.
Rory: Du kannst versuchen den Schaden so gering wie möglich zu halten, oder zum Beispiel deine Bildung mit anderen teilen. Ich denke, dass ist was wir versuchen.

Wie viel Einfluss hat Musik eurer Meinung nach auf unsere Gesellschaft? Oder eure Musik im Speziellen?
Rory: Schwer zu sagen. Es kommen mehr und mehr Leute zu uns und berichten in wie fern unsere Musik sie beeinflusst hat. Dass sie über Dinge nachdenken, oder Themen recherchieren, die wir behandeln.
Rob: Man muss einfach mal sagen, dass zu viel Musik einen schlechten Einfluss auf die Leute hat. Speziell die großen Namen in der Chartindustrie. Musik die einfach alles schön redet oder ein Leben im Dauerpartysuff mit Gangsterattitueden als erstrebenswert hinstellt.

Denkt ihr, dass Zensur ein Grund ist für Leute nach neuen Wegen zu suchen, sich auszudrücken?
Rory: Das ist eine interessante Frage. Wenn man z.B. die Zensur im Internet nimmt... wir wissen jetzt noch nicht was für neue Technologien noch kommen werden und wie diese darauf Einfluss haben.
Rob: Klar. Ich nehem an, dass die Internetzensur verheerende Ausmaße annehmen kann, da das Internet eine der größten Kommunikationskräfte hat, die der Mensch heutzutage besitzt. Für uns hier ist das Internet die ultimative Form von Selbstdarstellung, Sprache, Wissen und somit auch Macht. Ich bete zu Gott, das heißt, wenn es einen Gott gibt, dass wir nie in irgendwelche Extremsituationen durch Zensur geraten.

Relgion hat also für euch also nie eine Rolle gespielt?
Rob: Definitiv nicht!

Im Album redet ihr darüber alle (Länder-)Grenzen aufzuheben und eine große Nation zu formen, oder zumindest so zu handeln. Denkt ihr, dass die Menschen dann mehr aus ihrem gewohnten, sicheren Umfeld rauskämen und mehr, zum Beispiel politisch, aktiv wären?
Rory: Das Ding ist ja, dass das Handeln einer Nation immer auch Einfluss auf alle anderen Länder und somit die ganze Welt nimmt. Wir müssen verstehen, dass politische Entscheidungen nicht immer nur uns selbst betreffen, sondern stets auch Folgen für andere haben kann. Wir atmen doch alle die gleiche Luft und trotzdem nutzen die reichen Staaten noch immer die ärmeren Länder für ihre Resourcen aus, um damit Gewinn zu erziehlen. Wir sollten mehr daran denken, dass wir alle menschliche Wesen sind, die alle auf der selben Erde leben. Gemeinsam!
Rob: Ich hasse das Wort 'Patriotismus', weil es bedeutet, dass du dein eigenes Land und somit dich wichtiger nimmst, als alle anderen auf der Welt. Das ist nicht wahr, denn wir sind alle gleich.

Aber glaubt ihr nicht, dass Menschen sich auch gerne als Teil einer ganz bestimmten Sache fühlen?
Rory: Ja, aber man kann trotzdem eine Gruppe sein. In jedem Land gibt es stehts viele verschiedene Gruppen... nein eigentlich denke ich nicht, dass Land und Gruppe das Selbe sind. Es geht dabei nicht nur um die Leute in deren Umgebung du wohnst...
Rob: Womit wir wieder beim Internet wären. Eine Gruppe die auf der ganzen Welt verteilt sein kann und trotzdem zusammengehört.

Wofür steht das von euch momentan so gerne eingesetzte Dreieck?
Rory: Die einfachste Erklärung: Das System der Gesellschaft – auf den Kopf gestellt.

Als ihr angefangen habt zu touren habt ihr ziehmlich alles selbst auf die Beine gestellt, heute habt ihr eine gigantsche Crew und seid mit großer Lightshow am Start. Vermisst ihr die alten Zeiten manchmal?
Rory: Naja, es hat schon was für sich, wenn man selbst seine Kisten ins Venue schleppt und so weiter,weil man sich dann mehr fühlt, als hätte man wirklich gearbeitet. Halt nicht nur auf der Bühne gestanden und ein Set gespielt.
Aber wir sind sehr dankbar für die Crew die wir haben. Das ist ein Privileg.
Rob: Haha, besonders wenn du die Nacht zuvor durchgefeiert hast.
Rory: Ja genau, einfach um 13 Uhr aufstehen und nur an den PC setzten und dann Soundchecken.
Rob: Aber um ehrlich zu sein, die Crew, die wir haben ist handverlesen. Es sind Freunde und Familie für uns. Und bei allem was um uns rum passiert, sind wir immer noch Teil des Ganzen. Licht, Sound und wie die Bühnenshow aussehen soll zum Beispiel.

Als ihr vor ca. einem halben Jahr mit Your Demise und Letlive hier auf tour wart, habt ihr einen eurer Fans als eine Art Tourpraktikanten mitgenommen. Wie kam es dazu und wie war es ihn dabei zu haben?
Rob: Sehr gut. denn es ist schon vor längerer Zeit eine Freundschaft zu ihm enstanden. Er war nicht einfach nur ein Fan. Dieser Junge war bei unfassbar vielen Shows und hat uns über Jahre hinweg supportet. Er hat das ganze für seinen Bildungsweg an der Uni gut gebrauchen können und wir hatten ihn gerne dabei. Wir haben ihn ein wenig durch die Gegend gejagt – er hat es geliebt!

Womit würdet ihr eurer Geld verdienen, wenn das mit der Musik nicht geklappt hätte?
Rory: Ich wäre ganz sicher ein Freak geworden. Ich würde wahrscheinlich in einem Eco-Dorf abseits von allem wohnen. Ein Dorf ganz ohne Geld.

Wann wusstet ihr, dass es "ernst wird"?
Rob: Ich denke es war, als wir die ersten Veröffentlichungen in der UK hatten und die Magazine auf uns aufmerksam wurden. Als wir merkten, dass wir das als eine Art Karriere machen können. Wir haben großes Glück damit, dass wir für etwas was wir lieben bezahlt werden und dabei auch noch die Welt sehen können.

Wo denkt ihr wärt ihr heute, wenn ihr die Angebote eines der großen Labels angenommen hättet?
Rob: Unser letztes Album kam zum Teil über ein größeres Label raus. Das ist nicht sehr gut verlaufen.
Rory: Die Deals die man bekommt sind manchmal echt komisch und man verliert leider einen gewissen Einfluss, den wir einfach gerne behalten wollen. Es hätte uns zwar eine Art Power gegeben, aber auch andere Dinge genommen, da man alle Kleinigkeiten mit seinem Label haarklein absprechen muss. Und dann die ganzen Formalitäten... Nein, wir wollen selbst bestimmen können, wie Videos aussehen, oder unsere Musik klingen soll.

Hat ihr bestimmte Rituale bevor ihr auf die Bühne geht?
Rob: Nicht wirklich.
Rory: Ja, einfach ein Bier trinken.
Rob: Ein wenig Musik hören und sich die Supportacts anschauen. Das hilft uns immer in Stimmung zu kommen.
Rory: Oder Meditieren!

Habt ihr eine Lieblingsstadt in Deutschland?
Rory: Berlin
Rob: Hamburg

Worauf dürfen wir uns in 2012 mit euch freuen?
Rob: Der Sommer wird voller Festivals sein. Ein paar davon auch in Deutschland, glaube ich. Wir werden abermals Rock Am Ring/Rock Im Park spielen. Darauf freuen wir uns sehr.
Rory: Die europäischen Festivals sind meistens die lustigsten Touren und das Cateringessen ist richtig gut.
Rob: Das deutsche Catering ist das Beste in der Welt. Ihr behandelt uns immer sehr gut.

Eine letzte Botschaft für unsere Leser und eure Fans?
Rory: Danke für den Support....
Rob: ...und wir hoffen euch auf unseren Shows zu sehen!

Alte Kommentare

von Deustralala 16.04.2012 00:54

Sehr schönes Interview. Fand ich sehr interessant, dass so intensiv auf die Texte bzw die Einstellung dahinter eingegangen wird.

von Also bitte... 18.04.2012 00:35

veröffentlich Es umgiebt dich überall beispielsweiße Ansonsten ein ziemlich gutes Interview einer verdammt sympathischen Band !

von Karoline 18.04.2012 16:27

selbst wenn vier augen drüber lesen, geht sowas ab und an noch unter. danke :)