Interview mit Gisbert Zu Knyphausen

 

Wer ist Gisbert zu Knyphausen?
Oh, das ist eine harte Frage. Das bin ich, würde ich sagen. Ich wurde so genannt und versuche damit zurecht zu kommen.
Und was macht dich im Speziellen aus?
Ach das ist immer so doof, etwas über sich selbst zu sagen. Ich bin auf jeden Fall ein grüblerischer Mensch, aber meistens gut gelaunt. In der Musik, das sind eher die Abfälle meiner Seele. Ansonsten bin ich eigentlich ein recht positiv eingestellter Mensch. Und eigentlich bin ich auch optimistisch, was die Zukunft angeht, sowohl meiner eigenen, als auch von den anderen Leuten. Obwohl es so viel Scheiße auf der Welt gibt. Irgendwie lässt mich der Gedanke nicht los, dass die meisten eigentlich gute Menschen sind.
Auf deiner ersten Platte hast du einen sehr zynischen bis sarkastischen Charakter als Protagonisten konstruiert. Ich habe den Eindruck, dass dieser auf der aktuellen Platte etwas positiver und kraftvoller geworden ist. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Wie kam es dazu?
Also die Kraft in mir ist sowieso da, aber manchmal ist sie so ein bisschen gelähmt. In den Depriphasen die ich so habe, da ist sie dann mal weg, aber eigentlich ist sie immer da.
Woher kommt die Kraft?
Aus mir raus? Ich weiß es nicht... Aus dem Feuer, das uns alle nährt. [lacht]
Kannst du von deiner Musik leben?
Ja, momentan kann ich da ziemlich gut von leben.
Setzt dich das unter Druck, da immer so etwas Innerliches rauszubringen und das dann quasi zu verkaufen?
Das ist schon eine seltsame Situation, weil ich ja angefangen habe mit dem Lieder schreiben, um etwas auszukotzen und das hat mich dann natürlich umso mehr gefreut, dass dann immer mehr Leute auf die Konzerte gestiefelt sind und es freut mich immer noch. Aber es ist eben komisch, wenn man dann merkt: “Okay, das ist jetzt eben mein Beruf geworden.” Es ist aber eigentlich auch das, was ich mir immer gewünscht habe. Aber man kann eben nicht immer auf Knopfdruck Songs schreiben. Was mir dann eben wichtig ist, sind Songs wie “Seltsames Licht”, sowas passiert dann einfach. Das kann man nicht planen.
Also ist das dein Traumjob?
Ja klar. Irgendwie schon. Ich hatte nie einen Traumjob, aber das kommt nahe ran.
Was wäre denn passiert, wenn das nicht so geklappt hätte und du damit nicht so durchgestartet wärst?
Weiß ich nicht, ehrlich gesagt. Vielleicht hätte ich doch noch eine Winzerlehre gemacht. Als ich klein war, wollte ich immer Briefträger werden, romatische Vorstellung, aber meistens bringt der ja auch nur Rechnungen.
Wo wir gerade bei deiner Kindheit waren, du kommst aus dem Rheinland. Woher genau?
Aus dem Rheingau. Also Rheinland ist ja mehr so Köln, aber Rheingau ist eher Hessen zwischen Wiesbaden und Koblenz.
Und vor kurzem warst du dann in Hamburg.
Ich habe vier Jahre in Hamburg gewohnt und bin jetzt letztes Jahr nach Berlin gezogen. Und davor war ich in Holland fünf Jahre. Und vorher auch schon in Berlin, um das komplett zu machen.
“Hurra! Hurra! So nicht.” beinhaltet viele Lieder, welche auf eine tiefe Verbundeheit mit Hamburg hinweisen. Was bedeutet diese Stadt für dich, dass sie dich so beeinflusst?
Die Stadt hat mir eine Zeit lang eine sehr schöne Heimat gegeben, die ich dann aber auch wieder verlassen wollte. Außerdem ist das alles in Hamburg erst so richtig in Gang gekommen oder hat eigentlich dort angefangen. Davor habe ich zwar auch schon ein paar Lieder geschrieben, bin auch ab und zu mal aufgetreten, aber in Hamburg hat sich ziemlich schnell ein Publikum für meine Songs gefunden. Irgendwie kommt das in Hamburg ziemlich gut an, so melancholischere, deutschsprachige, ernstere Texte.
Deine Texte schwanken auch immer so ein bisschen zwischen Heim- und Fernweh und das eine mit dem anderen löschen oder ausblenden zu wollen. Und es schwankt auch immer zwischen diesem Seemannsding “Ich muss jetzt weg und eigentlich will ich wieder zurück”.
Den Widerspruch trage ich eigentlich immer in mir. Ich will immer irgendwie weg sein und zuhause sein, wollen, sein können und es dort aushalten. Ich bin aber grundsätzlich ein Mensch, der sehr gerne reist und sehr gerne unterwegs ist. Das ist wahrscheinlich meine Heimat. Schönes Klischee, welches ich bestätige: Mein zuhause ist unterwegs.
Vielleicht muss einem immer erst etwas fehlen, damit man weiß was man hat.
Ja, das auch. Obwohl, ich habe mich damit abgefunden, dass ich gerne Tapetenwechsel habe und das ist ja eigentlich auch nichts schlimmes. Aber manchmal bin ich nach einiger Zeit immer genervt und denke: “Das kann ja wohl nicht wahr sein, du musst es doch auch mal irgendwo aushalten.”
Darum auch Hamburg und Berlin?
Ja, weil ich einfach Lust hatte nochmal in Berlin zu wohnen. So eine Riesenstadt, die fühlt sich dann schon nochmal anders an als Hamburg. Die Millionenstädte kann ich dann auch abhaken.[lacht]
Da fehlen dann nur noch Köln und München.
Das stimmt wohl. Ich weiß auch nicht warum, aber in München kriege ich immer schlechte Laune. Obwohl die Stadt total schön ist. Vielleicht ist das so, weil alles so offensichtlich so sauber, schön und gepflegt ist. Der Reichtum wird so ausgestrahlt und das geht mir irgendwie auf die Nerven.
Kommen wir zurück zur Musik: Du hast schon vor ein paar Jahren angefangen mit der Band LICHTER zusammenzuarbeiten. Das ist ja eine relativ kleine Band aus Bonn. Wie kam es dazu?
Das lief glaube ich über Myspace, wie so viele Sachen. Dort habe ich deren Musik kennen und schätzen gelernt und dann wollten wir mal zusammen auf Tour gehen. Wir sind dann eineinhalb Wochen zusammen auf Tour gewesen und hatten uns für diesen Anlass überlegt, gegenseitig unsere Lieder zu covern. Und die haben wir dann auch auf Tour auf selbst gebrannten CD´s verkauft. Für die beiden Sachen die wir damals zusammen gemacht haben, hat sich dann ein Bielefelder Vinyllabel interessiert und die haben daraus eine 7” gemacht. Dafür hatten wir dieses Jahr noch ein Konzert zum Release dieser Platte.
Was heißt es, sich als Solokünstler mit einer Band zusammen zu tun? Ist das schwer für dich, gibt es da Reibereien? Gibst du dann da den Ton an oder wie läuft das?
Ich habe ja auch eine feste Band, obwohl das immer noch unter meinem Namen läuft. Seit 2007 spielen wir die Bandkonzerte eigentlich immer mit der selben Besetzung und das ist mittlerweile eigentlich auch eine richtige Band geworden, abgesehen davon, dass ich da der Chef bin und die Songs einbringe. Aber eigentlich liegt mir das Bandmitglied sein mehr als das Solokünstler sein. Das hat sich einfach so ergeben. Ich habe immer in meinem kleinen Kämmerchen gesessen und die Songs mit der Akkustikgitarre geschrieben und bin damit so auch zuerst aufgetreten. Die ersten Konzerte waren alle solo. Irgendwann dachte ich: “Ich möchte viel lieber eine Band haben.” Das macht einfach viel mehr Spaß und man kann musikalisch viel mehr machen. Das Soloding ist natürlich auch noch schön, das ist halt viel intimer. Ab einer gewissen Größe der Konzerte ist es dann aber nur noch anstrengend. Ich weiß auch gar nicht ob das funktionieren würde. Ich glaube da würde die Intimität verpuffen.
Hast du noch etwas Abschließendes zu sagen?
Haltet die Ohren steif!
Danke!