Interview mit Itchy Poopzkid

 

Fällt es nach mittlerweile nach 6 Alben schwerer oder leichter Songs zu schreiben?

Sibbi: Wenn man die Zahl der Songs betrachtet, die wir fürs neue Album geschrieben haben, es waren tatsächlich um die 60, dann könnte man meinen es fällt leichter. Ich glaube aber, dass es immer auf die Tagesform ankommt. Es kann sein, ich schreib an manchen Tagen zwei komplette Songs mit Text und dann kommt aber auch mal eine Woche am Stück gar nichts brauchbares raus. Jedenfalls freuen wir uns auf die Songwriting-Phasen immer sehr.

Wie hat sich das Songwriting innerhalb der 6 Alben verändert?

Sibbi: Ich denke, dass man textlich einfach etwas reflektierter wird. Das hat natürlich mit Alter und Lebenserfahrung zu tun. Musiktechnisch ist es bei mir allerdings so, dass ich schon immer sehr viel komplett unterschiedliche Musik gehört hab, was sich dann auch automatisch in den eigenen Songs wiederspiegelt.

Max: Beim „Six“ haben wir es trotz der vielen verschiedenen Einflüssen jedes Bandmitglieds geschafft einen roten Faden durch das Album zu ziehen. Das ist in der Vergangenheit nicht immer so gut gelungen, oder auch nicht so gewollt gewesen. Jedenfalls kann man die Platte unheimlich gut durchhören, was uns dieses Mal sehr wichtig war.

Ihr bringt alle 2 Jahre ein neues Album raus - geht euch alle 2 Jahre die Kohle aus oder wie kommt es zu dieser Konstanz?

Max: Wenn wir Kohle bräuchten würden wir ALLES ANDERE tun als Alben herausbringen. Das kostet nämlich erstmal unfassbar viel Geld, was wir durch die eigene Plattenfirma auch erst mal lernen mussten. Die Produktion, die Pressung, jede Promo, jeder der irgendwie am Album mitarbeitet: alles kostet erst mal Geld. Im Ernst, der Zweijahres-Rhythmus hat sich irgendwie so eingependelt. Wir machen uns da nicht wirklich Vorgaben, dann und dann müsse das neue Album herauskommen, aber irgendwie war es bis jetzt immer so und fühlt sich gut an. Vielleicht machen wir aber auch jetzt erst mal fünf Jahre Pause auf Jamaika, irgendwo muss die ganze Kohle ja hin...

Wie wichtig ist es euch mit euren Songs eine politische Message zu verbreiten?

Sibbi: Das tun wir ja nicht mit allen Songs. Wir nehmen uns nie vor eine bestimme Anzahl von politischen oder lustigen oder traurigen Texte auf ein Album zu packen. Wir wollen nur, wenn wir z.B. einen Song mit einem politischen oder gesellschaftskritischen Text haben, auch gezielt Sachen ansprechen, die den Hörer vielleicht dazu bringen, die alltäglichen Entscheidungen zu hinterfragen und mit offeneren Augen durchs Leben zu gehen. Wir wollen keineswegs belehren oder mit dem Finger zeigen, einfach das Bewusstsein schärfen.

Ihr engagiert euch vorallem für den Tierschutz - wie kam es zu der Entscheidung genau hier helfen zu wollen und nicht woanders?

Max: Vielleicht haben wir gerade hier bei gewissen Punkten noch Bedarf gesehen. Zum Beispiel die Sache mit dem Unterwasserlärm, gegen den wir zusammen mit der WDCS die Kampagne „Sonar Sucks“ gestartet haben. Ich bin ganz ehrlich, ich wusste davor nicht dass das ein massives Problem darstellt, und denke ich war nicht der Einzige.
Ich denke mir immer, allem und jedem kann man nicht helfen, aber wenn jeder bewusst einen kleinen Teil tun oder auch lassen würde, dann wäre schon viel getan. 

Sea Shepherd geriet nach der Zusammenarbeit mit Brigitte Bardot und insbesondere nach der Benennung eines Schiffes nach ihr in die Kritik und brachte Ihnen Rassismusvorwürfe ein, da sich Bardot für die rechte Partei Front National engagiert. Was sagt ihr zu dem Vorwurf/Vorfall? Kam es bei euch zu Überlegungen die Zusammenarbeit zu beenden?

Sibbi: Nein, das hat mit unserer Arbeit und auch der Arbeit von Sea Shepherd ja auch nichts zu tun. Klar ist es ein sehr dummer Fehler, den Sea Shepherd sicherlich auch bereut und jeder weiß ja, dass Sea Shepherd genau so wie wir uns gar nicht weit genug von der rechten Szene distanzieren können, aber unter diesem Misstritt darf die gute und wichtige Arbeit von Sea Shepherd nicht leiden.

Mittlerweile klingt Ihr um einiges erwachsener, als noch vor einigen Jahren - steht euch heute euer Bandname noch mehr im Weg als früher bzw. verflucht ihr ihn heute noch mehr?

Max: Puh, naja, es stimmt schon, mit einem anderen Namen wäre hie und da vielleicht manches einfacher, gerade wo wir halt auch nicht mehr ganz so jung sind. Allerdings kann man das auch nicht sicher sagen, somit freuen wir uns einfach, dass DIR aufgefallen ist, dass es durchaus eine Entwicklung zu hören gibt, auch wenn der Name noch genauso scheiße ist wie früher.

Wie sehr gehen euch die Fragen nach eurem Bandnamen mittlerweile auf die Nerven?

Sibbi: Reiz es lieber nicht aus, sonst findest du es schneller raus, als es dir lieb ist. (lacht)

Eure Freunde von den Donots haben vor kurzem ihr erstes Album auf Deutsch veröffentlicht - gab es bei euch auch einmal die Überlegung auf Deutsch weiterzumachen?

Sibbi: Nee, die gabs tatsächlich noch nicht. Wir fühlen uns mit der englischen Sprache in unseren Texten sehr wohl und sind auch der Meinung, dass wir noch viel zu sagen haben auf diese Art und Weise. Solche Entscheidungen müssen immer von innen herauskommen. Dann sind sie auch total legitim. Wir singen noch sehr gerne auf Englisch, also machen wir das auch noch ne Weile. 2019 wird es dann das erste Itchy Poopzkid Album auf Hebräisch geben.

Achtet man nach so vielen Jahren noch auf Reviews oder ist einem mittlerweile egal, was irgendwelche Musikfuzzis sich ausdenken?

Sibbi: Wir achten auf jeden Fall darauf, weil man ja auch total gespannt ist, was die Menschen – ja, wir sehen auch die Musikkritiker als Menschen an – über die Platte so denken. Und natürlich freuen wir uns über gute Kritiken auch mehr als über schlechte. Aber ich muss schon auch zugeben, dass uns eine schlechte Kritik mehr aufregt, als uns 10 gute drumherum freuen. Das stürzt uns aber auch nicht in tiefe Depressionen. Außerdem ist es bisher Gott sei Dank immer so gewesen, dass die Guten in großer Überzahl sind.

Max: Du bist aber auch ein ehrgeiziger Sack, unfassbar...

Zu eurem Album habt ihr zusätzlich ein Buch rausgebracht. Wie kam es zu dieser Idee? Wer hat wieviel zu dem Buch beigetragen?

Max: Uns ist aufgefallen dass wir mittlerweile über 800 Konzerte gespielt haben, und für jedes einzielne haben wir immer brav nach der Show einen Konzertbericht für unsere Homepage geschrieben.Es wäre uns aber zu langweilig gewesen wäre einfach ein Best Of der Reviews in ein Buch zu packen. Zudem haben wir noch gemerkt, dass es extrem viele der Bands, die wir über die Jahre kennen und lieben gelernt hat nicht mehr gibt, was zur Frage führt, warum gerade wir noch am Start sind. Wir haben also einen nicht immer ganz ernsten Ratgeber für Bands geschrieben, über das was man tun sollte, aber auch vorallem über das, was man nicht tun sollte - ich denke wir haben so ziemlich jeden Fehler mindestens ein mal gemacht - um im Musikbusiness einigermaßen am Leben zu bleiben. Gespickt ist das ganze mit vielen amüsanten Stellen aus den eben genannten Konzertberichten. Sibbi und Panzer haben einen Großteil des Inhalts beigetragen, ich habe mich dann um die Bilder und das Layout gekümmert. Es ist wirklich besser geworden als wir jemals gedacht hätten. Jedenfalls lachen wir uns auch beim fünfunddreißigsten Lesen gewisser Passagen noch kaputt und es ist ein echt tolles Gefühl ein eigenes Buch in den Händen zu halten.