Interview mit Koroded

 

Am 27. September erscheint euer neues Album "Dantalion". Wie seid ihr auf den Albumtitel gekommen und gibt es ein Albumkonzept? Wie hört sich Koroded 2013 an?

Jan:
Der Titel ist natürlich immer so eine Sache, da er ja die Gesamtaussage des Albums in einem Wort wiedergeben sollte. Wir hatten verschiedene Ideen bis dann Andreas (Gitarrist, Anm. d. Red.) mit dem Titel "Dantalion" kam. Dantalion ist eine Figur aus der Dämonologie, ein nahezu allmächtiger und allwissender Höllenfürst, der die Gedanken aller Menschen kennt und sie daher entsprechend manipulieren kann. Dies passt sehr gut zum Inhalt der Texte, in denen ich mich diesmal viel mit Macht und Autorität auseinandergesetzt habe und mit den Abgründen der Natur des Menschen. Beruflich habe ich viel mit Menschen zu tun, die am Rand der Gesellschaft stehen und oft ein hartes Leben hinter sich haben oder unter schweren psychischen Krankheiten leiden. Das inspiriert mich zu solchen Texten. Da entstehen oft Bilder im Kopf von solchen Dantalions, die die Gedanken der Menschen vergiften. Aber Dantalion passt auch zur musikalischen Weiterentwicklung, denn die hat es auf jeden Fall gegeben. Wir haben uns mehr auf das Wesentliche der Songs konzentriert. Die Musik ist vom Aufbau und den Riffs her weniger komplex und geradliniger geworden, ohne dabei stumpf und einfach zu wirken. Wir haben eher an den richtigen Stellen komprimiert und so haben wir jetzt richtige Dampfwalzenriffs dabei, die sich durch den ganzen Song ziehen und echt alles niedermachen. Auch beim Gesang habe ich diesmal alles mehr aus dem Bauch gemacht und
mich einfach von meinen Gefühlen leiten lassen und nicht viel überlegt.

Ben:
Ich sag immer: Das neue Album klingt wie "Koroded 2006 auf Koks", hahaha!

Wie kam es denn überhaupt zur Reunion und schließlich jetzt zum neuen Album?

Ben: Also ich hab Andi und Jan im Herbst 2010 auf einer Show ihrer damaligen Band "By Fear" getroffen und überlegt wie es wäre einfach nochmal zusammen zu spielen. Dann haben wir uns ein weiteres mal in Ruhe getroffen um die Sache mal zu besprechen und beim nächsten Treffen haben wir so aus dem Stehgreif einfach mal 11 Songs gespielt. Wir waren da selber sehr verblüfft wie cool das funktioniert und haben beschlossen, eine paar Shows zu spielen und einfach mal schauen was passiert. Alles kann, nichts muss, war dann so die Devise und am 01. Januar 2011 haben wir die Reunion als Neujahrsgruß offiziell gemacht.
Zuerst haben wir dann allerdings überlegen müssen, welche Songs von welchen Alben wir denn spielen, sonst würden die Konzerte ja 4 Stunden dauern, hahaha! Wir haben dann am 1.April 2011 in Bremen eine Test-/Warm up Show und dann quasi "inkognito" auf der Musikmesse in Frankfurt an zwei Tagen hintereinander gespielt. Die offizielle Reunion-Show gabs dann am 07. Mai bei uns zu Hause und das war der absolute Wahnsinn. Danach haben wir das ganze Jahr ca. 20 Shows gespielt, die alle super liefen und haben Ende des Jahres beschlossen weiterzumachen und ein neues Album in Angriff zu nehmen. Dann standen aber noch weitere Konzerte an, u.a. unsere 15jährige Jubiläumsshow und wir haben uns von einem unserer Gitarristen getrennt. In der Zwischenzeit haben wir eine Vorproduktion gemacht und an verschiedene Labels verschickt, waren Anfang dieses Jahres dann im Studio und haben das neue Album aufgenommen und haben jetzt auch einen neuen zweiten Gitarristen.

Wie hat sich das für Euch selber denn angefühlt, auf einmal wieder als "Koroded" gemeinsam Musik zu machen und auf der Bühne zu stehen?

Ben:
Irgendwie richtig und auch vertraut. Es war etwas so, als hätte es die Pause nie gegeben.

Was hat sich seit der Reunion im Vergleich zu früher verändert? Sind die alten "Fans" mitgekommen oder auch neue "nachgewachsen"?

Ben:
Zwei Bandmitglieder von uns haben mittlerweile Kinder, und generell sind wir nicht mehr 25, wir haben alle Jobs, Familie etc. Da muss man grundsätzlich schonmal anders die Band und sein Leben organisieren und wir können halt nicht mehr 3 bis 4 mal die Woche proben. Dadurch wird die Bandarbeit halt konzentrierter und man benötigt einen etwas grösseren Planungsaufwand. Das Wort "Fans" klingt immer so doof. Aber es sind viele "alte" mitgekommen und auch viele "neue" dazugekommen. Weil, wenn ich heute bei unseren
Konzerten Kids sehe, die 16/17 sind, dann waren die vor 5 Jahren einfach mal 11/12 Jahre alt und definitv nicht bei unseren Konzerten. Und das find ich generell alles sehr cool!

Jan:
Dem kann ich mich nur anschließen. Wir haben bei den bisherigen Shows schon gemerkt, dass wir eine richtige Fanbasis haben, ich finde das Wort auch doof, weiß aber gerade auch kein anderes, vielleicht Korodedfreunde. Neben den alten Korodedfreunden kommen aber auf den Shows auch viele neue dazu, also wir schaffen es schon immer noch die in Anführungszeichen junge Generation zu überzeugen. Also haben wir als Band auch noch eine Legitimation. Wir sind nun einfach mal gespannt auf die Reaktionen zum neuen Album. Ich habe es bereits ein paar Freunden vorgespielt und die fanden das sehr cool. Spannend wird es aber, wenn die Leute die Songs dann kennen und die mit auf den Konzerten abfeiern.

Das neue Album erscheint bei Noizgate Records und im Vertrieb von Rough Trade. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und was könnt ihr bisher sagen?

Ben:
Noizgate waren eins der Labels, die ernsthaft an einer Zusammenarbeit interessiert waren. Wir haben uns dann mit Marcus von Noizgate Records bei uns im Studio getroffen und hatten ein sehr gutes, nettes und langes Gespräch an dessen Ende wir die Zusammenarbeit beschlossen haben. Nachdem wir im Zuge der Reunion von unserem alten Label die Rechte an den letzten beiden Alben zurückerhalten hatten, wollten wir unser letztes Album "To have And To Unhold" selber erneut veröffentlichen. Den Leuten bei Noizgate gefiel das Material allerdings so gut, dass das Album dann am 01. März diesen Jahres offiziell über Noizgate Records re-released worden ist und somit nun wieder als CD und Download verfügbar ist.

Jan:
Wir hatten anfangs überlegt überhaupt kein Label mehr zu nehmen und alles in Eigeregie und über das Internet zu veröffentlichen. Es gibt da ja mittlerweile viele Möglichkeiten. Marcus von Noizgate hatte allerdings eine Reihe guter Argumente für ein Label. Wir hatten dem beim ersten Treffen echt auf den Zahn gefühlt und Marcus hat uns durch seine sachlich-rationale und bodenständige Art überzeugt. Es ist ja heute auch eher untypisch, dass ein Label die Band überzeugen muss. Die haben also wirklich Bock auf uns. Und vielleicht ist das auch noch mal ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für eine Band und ein gutes Argument bei Konzertveranstaltern. Wenn man ein Label im Rücken hat, dann hat man die musikalische Fünfprozenthürde übersprungen. Außerdem bietet ein Label mit einem guten Vertrieb und einer Promotionagentur mit guten Netztwerken doch eine gute Infrastruktur für produktives Arbeiten.

Prägnant für den Koroded Sound waren bis jetzt immer das Drumming, sowie der Gesang. Aber auch das Koroded-typische Riffing hat seinen erheblichen Anteil am Gesamtsound. Wie seht ihr das selber bzw. Was könnt ihr über das Drumming, die Vocals, die Gitarren sagen?

Ben:
Dieses stakkatomässige Riffing geht schon extrem parallel zB zur Bassdrum. Wenn die Gitarren Upstroke-Downstroke-Upstroke spielen, heißt das für meine Füße rechts-links-rechts usw. Dieses maschinenartige und teilweise auch etwas vertracktere dann im Wechsel mit epischereren Parts mit Melodie ist dann das was es ausmacht, finde ich. Generell versuchen wir eigentlich immer den Song als Song im Hinterkopf zu behalten aber natürlich soll und darf es abgehen.

Jan:
Wir haben das Riffing vom letzten Album einfach konsequennt weiterentwickelt und extrem zugespitzt. Zwei Gitarristen bieten natürlich viel Raum, so dass eine Gitarre Stakkato spielt und die andere eine Melodie darüber, was viel mehr Raum und Dynamik schafft. Andreas hat im Studio viel mit mehreren Gitarrenspuren experimentiert und ein paar ungewöhnliche Sachen gemacht und die Gitarre als Soundeffekt eingesetzt, um Atmosphären zu schaffen. Das hört man vor allem bei Jim Jones und bei Leng Tch'e. Der Gesang ist diesmal vielfältiger ausgefallen. Meine normale Schreistimme steht nun nicht mehr im Vordergrund. Wir haben jetzt Songs bei denen ganze Strophen gegrowlt werden. Meine verschiedenen Gesangsstile stehen nun gleichberechtigt nebeneinander und es ist nicht mehr so, dass das Kreischen oder Grunzen nur eine weiter Beilage zum Hauptgericht sind. Da hat sich die Rezeptur deutlich verschoben und man wird uns nun nicht mehr mit Machine Head und Pantera vergleichen können.

Ihr hattet letztes Jahr Euer 15jähriges Jubiläum und habt Anfang diesen Jahres einen neuen zweiten Gitarristen bekommen. Wie sieht Euer aktuelles Line up aus und wer ist noch als Originalmitglied aus Anfangstagen dabei?

Ben:
Es gab so einige Besetzungswechsel in all den Jahren, aber der Kern aus Jan, Andreas und mir ist seit 1997 zusammen. Also natürlich gab es die Auflösung Ende 2007 und die Reunion Ende 2010. In der Zeit haben aber alle in anderen Bands und Projekten weiter aktiv Musik gemacht und waren auf Tour. Unsere aktuelle Besetzung besteht aus Jan an den Vocals, Andreas und Adrian an den Gitarren, Christoph am Bass und mir an den Drums.

Was ist denn für den Rest des Jahres noch alles geplant? Gibt es eine Tour?

Ben:
Wir spielen momentan noch einige Konzerte und Festivals bis zum Albumrelease. Am 27. September erscheint dann "Dantalion" und einen Tag später am 28. September findet die Release-Show in Jülich statt. Im Oktober/November planen wir eine kleine Tour mit unseren Buddies von "The Ebenezer Scrooge Complex" und sind aller Vorraussicht nach noch für ein paar Shows Anfang November in Österrich mit unseren Labelkollegen "Leon's Massacre". Generell wollen wir und heisst es für uns, so viel live-spielen wie geht!

Jan:
Ansonsten schauen wir einfach mal was geht und sind für vieles offen. Uns ist es wichtig das neue Album nun durch ein paar gute Shows nach vorne zu bringen und vor allen Dingen auch viel Spass zu haben.