Interview mit Laura & Nico von THE TEX AVERY SYNDROME

 

 

Ihr habt letztes Jahr eure erste EP veröffentlicht, euch gibts aber schon seit 2012. Stellt euch doch mal kurz vor und erzählt etwas über eure Anfänge.

 

Laura: Ich habe vorher in einer anderen Band namens Reckless geschrien und da waren auch schon unser Drummer und unser Gitarrist dabei. Das haben wir dann aber irgendwann beerdigt, weil nach mehreren Besetzungswechseln nur noch ein Gründungsmitglied dabei war und sich das ganze musikalisch etwas auseinandergelaufen hat. Der Alex (Drums), der Kippa (Gitarre) und ich haben uns dann aber zusammengetan und wir haben überlegt wen wir noch ins Boot holen können. Wir kamen dann auf den Nico, den kannte ich schon seit 2005 und nach einem Bassistenwechsel kam dann auch unser jetztiger Bassist dazu und die Band stand.

 

Nico: Wir kommen auch alle aus extrem unterschiedlichen Musikrichtungen, ich habe z.B. ursprünglich Old School Rock gehört und bin dann erst zum Metal gekommen. Laura hört eher so melodische Sachen wie die DEFTONES und beim Rest der Band geht es von DEVILDRIVER, über PANTERA bis ASKING ALEXANDRIA. Das hat aber alles ziemlich gut harmoniert und so haben wir uns dann entschieden, zusammen Songs zu schreiben. Wir haben dann noch ziemlich lange gebraucht, bis wir uns via Skype und Whatsapp auf einen Namen geeinigt haben, mir musste man z.B. erstmal erklären, wer Tex Avery überhaupt ist.

 

Laura: Unser Gitarrist ist dann irgendwann nach durchfeierter mit dem Namen gekommen und wir waren uns das erste mal alle einig, der Name bleibt im Ohr hängen und dabei sind wir geblieben.

 

Wie siehts denn mit der Szene in Frankfurt und Umgebung aus? Habt ihr da einen aktiven Underground in dem ihr euch bewegt?

 

Laura: Vor ein paar Jahren haben vor allem Bands aus dem Ausland häufig in Frankfurt gespielt, das hat sich aber irgendwie auf die Umgebung verteilt. Es gibt schon eine aktive Metalszene und wie fast überall in Deutschland gibt es vor allem auch eine aktive Hardcoreszene, wir wollten uns jetzt aber nicht bewusst irgendwo einklinken, nur weil es grade ankommt.

 

Nico: Wir wissen auch selbst immernoch nicht, was für Musik wir eigentlich machen. Ich könnte gar nicht sagen, ob wir jetzt Metal oder Hardcore machen. Wenn Leute mit so verschiedenen Einflüssen zusammen kommen ist es aber auch normal, dass dabei was Neues entsteht. Mir gefällts z.B. nicht, wenn man einen Breakdown schon fünfzehn mal gehört hat. Natürlich hat man Einflüsse, die hole ich mir aber von viel weiter her.

 

Ihr habt das ja offenbar alles in D.I.Y.-Manier gemacht. Z.B. fand ich die Idee mit dem versiegelten Briefchen echt cool. Was könnt ihr mir noch so über die Entstehung der EP berichten. Das Ganze hat ja einen ziemlich fetten Sound. Hattet ihr Hilfe bei der Produktion oder habt ihr das auch alles in Eigenregie gemacht?

 

Laura: Das war durchaus eine lange Geburt.

 

Nico: Das war ein ziemlich langer Prozess. Wir haben bei uns im Proberaum erstmal alles so aufgebaut, dass wir selbst aufnehmen können, auch um erstmal zu schauen wie sich das Ganze anhört. Man merkt dann auch viel genauer wo noch Anpassungsbedarf ist. Nach ein paar Testschleifen haben wir dann angefangen zu überlegen, welche Lieder auf die EP sollen und haben die dann erstmal aufgenommen; das dauert mit fünf Leuten auch seine Zeit, da kommt dann immer mal was dazwischen. Ich weiß nicht, ob ich das so nochmal machen würde, das hat uns aber auf jeden Fall für zukünftige Sachen schonmal wichtige Erfahrungswerte gebracht..

 

Laura: Durch die Zeit die wir uns genommen haben, habe ich mich auch stimmlich gefunden, besonders durch die konstruktive Kritik die ich dabei bekommen habe. Mich hat das auf jeden Fall viel weiter gebracht. Wir haben das auch schon soweit D.I.Y. - mäßig gemacht, wir hatten aber ganz tolle Hilfe von Emil von Night Time Productions, der hat die EP dann gemischt und so auch seinen Stempel hinterlassen.

 

Nico: Der Emil hat auch schon einige andere Bands produziert und wir haben dann für unsere Verhältnisse auch mal richtig Geld in die Hand genommen. Wir haben das auch erstmal garnicht gemacht, um das anderen Leuten zu präsentieren. Wir wollten einfach für uns selbst wissen wie unsere Musik klingen kann, wenn man das professionell angeht und sind mit dem Ergebnis absolut zufrieden. Der Emil ist halt ein Profi und hat uns quasi als sechstes Ohr auch nochmal Anregungen gegeben.

 

Wie sieht es bei euch mit der Aufgabenverteilung aus? Wer ist für was zuständig? Habt ihr einen Hauptsongwriter oder schreibt ihr gemeinsam? Und wer hat die Texte geschrieben?

 

Nico: Songwriting ist absolute Demokratie, jeder bringt sich zu gleichen Teilen ein. Die Texte schreibt Laura allerdings komplett allein. Bei den Instrumenten hält sie sich weitestgehend zurück, gibt aber immer wieder Tipps. Die Aufteilung und das Arrangement des Songs kommt aber schon von den Instrumenten und da ist es wichtig, dass sich jeder bei bestimmten Teilen immer etwas zurücknimmt und den anderen Platz gibt. Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als wenn ein Song von vorne bis hinten nur aus Doublebass und Geschrammel besteht. Abwechslung ist uns wichtig. Das ist dann vielleicht etwas weniger produktiv und man doktort auch mal 3 Proben lang an einem Song rum, dafür ist man hinterher aber auch zufrieden und merkt, dass sich die Arbeit gelohnt hat.

 

Laura: Jeder bringt seinen Teil ein, jeder hat seine Stärken und Schwächen und da wir uns ja auch alle schon so lange kennen, klappt das mit der Kommunikation eigentlich recht gut. Ich versuche auch bei der Entstehung der Songs immer komplett dabei zu sein. Viele Sänger warten ja bis der Song fertig ist und steuern dann ihre Lyrics bei, ich möchte aber schon spüren welche Energien da so fließen und dann entscheiden, was ich dazu texten möchte.

 

Nochmal kurz zu euren Einflüssen: Ich hatte ja im Review schon HEAVEN SHALL BURN erwähnt. Wo würdet ihr euch denn in etwa verorten?

 

Nico: Da könnte jetzt jeder seine Lieblingsband nennen aber es sind halt eben ganz verschiedene Einflüsse, die da zusammen kommen. Das mit HSB haben wir schon öfter gehört, da hab ich eigentlich nicht so viel mit am Hut.

Laura: Das kommt wohl wegen der Stimme, was für mich natürlich ein Kompliment ist. Grundsätzlich können wir uns aber alle auf groovige Sachen wie PANTERA, MACHINE HEAD, DEVILDRIVER oder LAMB OF GOD einigen.

 

Nico: Wir setzen uns aber auch gerne mit anderer Musik auseinander, und so unterschiedlich diese Musik dann ist, man kann da immer ganz viel für sich selbst mitnehmen, auch wenn sich das in unserem Kontext dann wieder komplett anders anhört.

 

Laura: Grade wenn ich selbst viel an Metal arbeite und wir Konzerte spielen höre ich privat eigentlich eher selten Metal, sondern auch mal Hip Hop oder Singer-Songwriter-Sachen.

 

An Laura: Auch die etwas härtere Metalszene ist ja schon länger keine reine Männerdomäne mehr, inzwischen nehmen viele starke Frauen die Position am Mikro ein. Wie bist du persönlich zum Shouten gekommen und wer hat dich besonders inspiriert?

 

Laura: Ich bin mit Rock und Metal groß geworden und hab auch immer gerne gesungen. Ich habe auch 10 Jahre im Chor gesungen aber hatte immer das Gefühl, dass ich da meine Energie nicht so richtig loswerde. Auf Konzerten hab ich dann immer mal wieder mitgeschrien und irgendwer meinte dann: "Hey, das klingt ja echt ganz gut". Jedenfalls habe ich dann all meinen Mut zusammen genommen und bei Reckless vorgeschrien und das hat auch super geklappt und ich habe gemerkt, dass ich meine Energie so viel besser rauslassen kann.

 

Wie war denn allgemein so die Resonanz und wie werdet ihr weiter vorgehen? Habt ihr vielleicht schon bei irgendeinem Label einen Fuß in der Tür?

 

Nico: Wir arbeiten mit einer Promoagentur zu sammen, die uns hilft in Magazinen unterzukommen und der ganzen Sache mal Gehör zu verschaffen. Die ersten Stimmen sind größtenteil sehr positiv, auch wenn man manchmal natürlich den Geschmack nicht trifft. Wir freuen uns aber über jede positive Rückmeldung.

 

Laura: Ich find es auch absolut unwirklich, wenn ich mal jemanden mit unseren Shirts rumlaufen sehe. Es ist immer schön, positive Rückmeldungen zu bekommen. Der Rest ist Geschmackssache, man kann es nicht allen recht machen, aber allgemein bekommen wir gutes Feedback und das freut uns natürlich riesig.

 

Was habt ihr für die nähere Zukunft geplant? Kann man in absehbarer Zeit auch schon neues Material erwarten?

 

Laura: Wir arbeiten momentan an neuen Songs und möchten eine Split mit einer befreundeten Band aufnehmen, MEIN KOPF IST EIN BRUTALER ORT, da freuen wir uns sehr drauf. Da wir jetzt etwas erfahrener sind, wird das mit dem Aufnahmeprozess sicher auch etwas geschmeidiger ablaufen.

 

Nico: Wir wollen alles gut vorbereiten, damit sich dieser ganze Prozess nicht so lange zieht. Außerdem haben wir dieses Jahr natürlich auch live wieder einiges vor. Wir hatten ja eine kleine Auszeit genommen, nachdem wir für unsere Verhältnisse ein paar richtig große Sachen gespielt haben.

 

Laura: Wir wollen auch versuchen, dieses Jahr auf ein paar Festivals zu spielen. Und dann wollen wir ja auch noch unser Album aufnehmen.

 

Nico: Genau, wir haben uns da bei einigen Festivals beworben und wollen sehen, dass wir möglichst viel live spielen können. Parallel werden wir dann an unserem Album arbeiten, wir haben ja momentan noch nicht den Druck eines Labels und können uns Zeit nehmen. Wir peilen den Winter an und hoffen, dass wir dann genug gutes Songmaterial zusammen haben. Da sollen ja am Ende auch nicht nur 8 Songs drauf sein.

 

Ok, dann bedanke ich für das nette und aufschlussreiche Gespräch. Möchtet ihr zum Abschluss nochwas loswerden?

 

Laura: Danke an alle die uns bisher unterstützt haben uns zu unseren Konzerten kommen, es macht echt riesen Spaß. Ich hoffe auf viele weitere tolle Erinnerungen und freue mich besonders auf unser Album.