Interview mit Nachtgeschrei

 

Gratulation zunächst für das zweite Album. „Am Rande der Welt“
erscheint bereits ein Jahr nach dem Debüt „Hoffnungsschimmer“. Ein
Schnellschuss oder zeugt das von Kreativität?



Als einen Schnellschuss würde ich „Am Rande der Welt“ auf keinen Fall bezeichnen wollen,. Wir hatten letzten Sommer eben schon wieder genug und unserer Meinung nach sehr starkes Songmaterial für ein ganzes Album zusammen. Es ging uns nicht darum um jeden Preis eine zweite Veröffentlichung nachzulegen – wären wir nicht so von dem Songmaterial überzeugt gewesen, dann hätte es jetzt auch noch kein zweites Album gegeben. Zugegeben – wir haben schon ein paar Monate vor dem Release von Hoffnungsschimmer wieder angefangen, neues Material zu sammeln – da steckt also schon etwas mehr Zeit drin, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Ein wenig Kreativität ist natürlich aber auch immer ein Bonuspunkt wenn es um’s Musikmachen geht.


Wie kommt es, dass sich Frankfurter Musiker für mittelalterlichen
Rock interessieren? Erzählt kurz einmal die Geschichte von NACHTGESCHREI. Wieso nennt ihr euch so? Was macht ihr neben der Musik?



Die Band wurde von Joe und Nik, die beide vorher auch schon einiges mit Folk- und Mittelaltermusik zu tun hatten, Ende 2005 ins Leben gerufen. Der Rest von uns wurde mehr oder weniger aus dem persönlichen Umfeld der ersten Bandmitglieder dazugesammelt bis dann im Mai 2006 eine feste Truppe entstanden war, wobei sich nicht unbedingt jeder von uns vorher schon stärker mit Mittelalterrock auseinandergesetzt hat. Die Begeisterung kam dann ganz schnell mit den ersten Höreindrücken und Proben.
Neben der Musik haben wir alle einen Job oder ein Studium am Laufen.


Welche Musikalben findet der Fan in eurem Plattenregal? Wie steht
ihr zu den modernen Spielarten wie Metalcore, Deathcore oder dem
Thrash Metal Revival?



Das ist sehr unterschiedlich, da wir Sieben teilweise sehr verschiedene Geschmäcker haben, die sich oft kaum decken. Da ist von Rock, Folk, Metal, Alternative usw. eigentlich alles vertreten, was ehrlich und handgemacht ist.
In meinem Plattenregal stehen z.B. vorrangig MetalCDs, wobei mich aber z.B. der Metalcore größtenteils recht kalt lässt. Ich hör ab und zu zwar ganz gerne mal rein, aber für meine Ohren klingt’s irgendwie doch immer gleich - vor allem der Gesang, und der ist definitiv nicht mein Fall. Aber frag mal jemand anderen nach Mittelalterrock und der wird dir vielleicht genau das gleiche erzählen, also was soll’s – jeder nach seiner Fasson. Mit Thrash kann ich schon mehr anfangen, aber es gibt auch das eine oder andere Nachtgeschrei Bandmitglied, das man mit ordentlichem Knüppelrülps verdammt schnell vergraulen kann.


Ihr wolltet „Am Rande der Welt“ druckvoller und geradliniger als
das erste Album gestalten, Operation gelungen, oder?



Ja, das sehen wir auch so. Dem Debut hat man noch angemerkt, wie jung die Band war, wobei trotzdem schon ein gewisser Stil angefangen hat, sich herauszukristallisieren. Die Stücke vom neuen Album sind von der Stimmung her etwas homogener und härter und das Klangbild ist durch die vielen Melodie- und Akustikinstrumente zusammen mit der Rockband trotzdem ziemlich abwechslungsreich geworden. Das hat sich aber wie gesagt einfach durch das gemeinsame Songwriting und Arrangieren, was sich über die letzten zwei Jahre eingespielt hat, so ergeben. Zudem hat Phil vom SU2-Studio auch dazu beigetragen, dass das ganze recht druckvoll klingt.


Die Gitarren versprühen einen leichten Metal touch, aber
eigentlich seid ihr doch mehr Rock, oder?



Ein Teil von uns ist ehrlich gesagt schon eher Metal als Rock, aber zusammen sind wir eben Nachtgeschrei, und da hört man sicher von allem ein wenig raus. Wir sind was uns gefällt und was wir können und zum Glück klingt das zusammen auch ganz gut.


Ich bin kein Fan eurer Stilrichtung. Allerdings ist NACHTGESCHREI
gut, weil ihr erstens einen ausgesprochen ausdrucksstarken Sänger
habt und zweitens über hohen Wiedererkennungswert innerhalb eines
recht limitierten Genres vorweisen könnt. Gibt es sonst noch
Gründe, euch anstatt die Konkurrenz zu kaufen?



Einige von uns sind schon gar nicht mal mehr so jung und brauchen das Geld! Da studiert man Jahrelang um genug Zeit für’s Musikmachen zu haben und dann muss man am Ende doch noch fast 40 Jahre arbeiten? Was für ein Albtraum... ;-)


Was erhofft ihr euch von „Am Rande der Welt“, was erhofft ihr euch
von NACHTGESCHREI?



Vom neuen Album erhoffen wir uns damit viele neue Hörer gewinnen zu können. Von Nachtgeschrei erhoffen wir uns noch viele Alben aufnehmen zu können und noch viele Konzerte spielen zu können. Also noch viele Jahre RocknRoll!


Diese Alben sollten sich unsere Leser unbedingt zulegen:


Wie nicht anders zu erwarten - Am Rande der Welt! Und wenn es von Interesse sein sollte hier noch ein paar, die ich für sehr empfehlenswert halte: Metallica – Master of Puppets, Entombed - Clandestine, Opeth – Blackwater Park, Cult of Luna – Salvation, Dissection – Storm of the Lights Bane, Sentenced – Funeral Album und ungefähr 20000 weitere. wenn’s um "Mittelalterrock" o.ä. geht würde ich die Hochzeit von Subway to Sally empfehlen.


Die letzten Worte gebühren euch:


Vielen Dank für das Interview und dafür, dass du dich als Nicht-Mittelalterrockfan nicht von den furchterregenden Dudelsackklängen hast abschrecken lassen, dich etwas eingehender mit „Am Rande der Welt“ auseinander zusetzen! Einen dicken Gruß an alle Nachtgeschrei-Fans – ihr seid die besten und hoffentlich sieht man sich bald wieder live! Prost!