Interview mit Ritual

 

RITUAL sind in aller Munde! Vollkommen zu Recht mag der eine sagen, vollkommen zu Unrecht der andere. Aber trotz kontorverser Meinungen über die junge Band aus Recklinghausen kann man festhalten, dass es kaum eine andere New School HC-Band in den letzten Jahren geschafft hat so dermaßen authentisch und intensiv zu klingen. Ein Argumen dass sich wahrlich schwer abstreiten lässt. Für euch haben wir Drummer Philip und Sänger Julian vor die Strippe bekommen und das Ergebnis des angenehmen Gesprächs könnt ihr nachfolgend lesen:

Ihr spielt das erste Mal seit langer Zeit wie der eine Show in Recklinghausen, ist das so eine Art Heimspiel und was besonderes, oder doch eher „buisness as usual“?

Julian: Also für mich ist es nichts Besonderes. Irgendwie stoßen wir nicht auf die größte Resonanz/Fangemeinde in Recklinghausen.

Woran liegt das?

Julian: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wenn wir woanders auftreten ist es ganz anders. Wir haben mehr Erfolg/Resonanz an anderen Orten.

Das hätte ich nicht so erwartet, denn ich hatte euch Silvester in Rosswein gesehen und da ging ja die Hölle ab.

Julian: Zum Beispiel.

In Essen auf der gleichen Tour war eher stillschweigen seitens des Publikums angesagt.

Philip: Das ist halt leider so. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: In dem Sinne ist es was besonderes mal wieder in Recklinghausen zu spielen, da unser Bassist für eine längere Zeit weg war und wir nur einen Ersatz dabei hatten und deswegen kann ich durchaus sagen, dass ich mich freue mal wieder mit der ganzen Band auf der Bühne zu stehen.

Ihr seid ja fast ständig am touren. Da wirft sich natürlich die Frage auf wie ihr das mit euren Jobs, der Schule oder der Uni managt?

Julian: Ich glaube der einzige der gerade was im Moment macht, ist der Philip. Der Rest von uns macht eigentlich gar nichts, ist halt arbeitslos wegen der Band. Kevin und ich wurden rausgeschmissen weil wir zu viel auf Tour waren.

Philip: Ich bin gerade dabei meinen Zivildienst fertig zu machen und bin damit in ca. Einanderhalb Wochen fertig. Dann fängt ja direkt die Tour mit FC Five an und ich wird wohl nach dieser Tour mit dem studieren anfangen. Die anderen werden nach dem wir zusammen den ganzen Sommer getourt haben wieder zur Schule gehen und versuchen noch was zu retten, wo was zu retten ist. Auf jeden Fall wird es in Zukunft schwieriger das ganze mit der Band zu arrangieren. Da wissen wir auch noch nicht so ganz, wie das funktionieren soll aber irgendwie wird das zu managen sein.

Rentiert es sich für euch in finanzieller Hinsicht, wenn ihr auf Tour seid?

Philip: Zählt man alles zusammen hätten wir unter dem Strich ein großes Minus. Wenn wir jetzt aktuell die Situation betrachten, beläuft es sich auf Kostendeckung und was wir durch Shirt-Verkäufe reinkriegen, bringt uns schon ein wenig Geld rein, aber wir stecken das Geld dann direkt wieder in die Band rein und investieren neu. Es werden neue T-Shirts bestellt, oder wir bauen eine Rücklage auf, falls mal eine Show finanziell nicht so toll läuft und all so was. Eigentlich rentiert sich das nicht, aber ich mein es ist einfach Hobby Nr. 1 und wir sind froh das wir derzeit nicht draufzahlen müssen. Das hat uns von Anfang an vorgeschwebt.

Seid eurer gemeinsamen Tour mit Have Heart seid ihr ja recht bekannt in der HC-Szene. Blickt man zwei Jahre zurück habt ihr schon recht viel erreicht, dafür dass ihr als kleine Band aus Recklinghausen gestartet seid.

Julian: Die Have Heart Tour hat uns wirklich gut nach vorne gebracht. Das war auch mehr als wir uns jemals erträumt hätten in der kurzen Zeit.

Ihr habt im Zuge der Tour auch eine 7“, die mit „Wolves“ betitelt ist veröffentlicht. Diese war binnen Tagen ausverkauft. Jetzt habt ihr die 7“ als CD-Version aufgelegt und ich würde jetzt gerne wissen, warum ihr ein Chokehold-Cover ausgenommen habt und nicht ein Unbroken-Cover zum Beispiel, was ich eher erwartet hätte?

Julian: Eigentlich genau deswegen, weil es halt alle erwartet hätten. Uns wurde von Anfang an gesagt wir würden wie eine Unbroken-Coverband sein, oder eben klingen.

Philip: Wir wollten gerne einen Song covern, aber eben nicht etwas was die Leute erwarten. Mit Chokehold haben wir eine Band genommen, die trotz allem aus der Zeit kommt, in der Unbroken unterwegs waren und diesen sehr nahe stand. Die Band hat uns mindestens genauso beeinflusst und ist uns genauso wichtig. Meiner Meinung nach ist die Band trotz dieses Faktes ziemlich unterbewertet. Gerade im Moment ist ja Old School total in und jeder feiert diese alten Bands ab, wie Cro-Mags, aber New School Bands aus den 90er kräht ja irgendwie kein Hahn mehr nach. Wir dachten uns es wäre cool, wenn sich Leute einen Chokehold-Song anhören, obwohl sie die Band noch nicht kennen und sich vielleicht auch damit beschäftigen, sich die Texte mal durchlesen und all so was.

Geht es euch denn auf die Nerven ständig diesen Vergleich mit Unbroken zu hören? Oder ist es auch eine Art Kompliment?

Julian: Ich sehe es persönlich als Kompliment, denn ich find es schon sehr cool wenn Leute sagen dass wir sie an Unbroken erinnern.

Das spiegelt sich auch in den Tätowierungen von euch wieder, denn zwei haben auch „Live, Love, Regret“ tätowiert.

Julian: Es ist auf jeden Fall eine sauwichtige Band für uns. Also zu einem gewissen Grad fühle ich mich geehrt.

Philip: Aktuell ist es ja so, dass man bei allen HC-Bands Vergleiche zu den älteren Bands zieht, die gewissermaßen die Wegbereiter für den Sound waren. Viele Bands klingen auch nach Cro-Mags oder Youth Of Today. Ich finde es gut, dass wir dann die Band sind die den Unbroken Sound gewissermaßen nachahmt. Sonst wäre es ja langweilig wenn alle gleich klingen würden.

Das stimmt, mir fallen derzeit auch nur zwei deutschsprachige New-School HC Bands ein, wie Escapado und Todd Anderson.

Philip: Wobei die beiden Bands sich ein wenig anders entwickelt haben mit ihrer Musik, aber es stimmt schon. Die gehen auch eher in die Richtung, die wir eingeschlagen haben.

Wobei Bands wie Todd Anderson gerade echt Probleme haben eine Tour zustande zu bekommen. Ihr wiederum habt nicht solche Probleme. Habt ihr eine Erklärung dafür?

Philip: Wobei wir auch ab und an Shows spielen die nicht gerade gut besucht sind. Wir machen ja auch öfters das Booking selbst und da merkt man was das für eine Arbeit sein kann. Wir haben zum Glück durch die Have Heart-Tour einen guten Kontakt zu Advocado Booking erhalten, die uns echt weiterhelfen da man sich als Band um so gut wie nichts mehr kümmern muss. Es hat halt Vorteile, aber es hat auch Nachteile. Es ist zwar gut viele Sachen selbst entscheiden zu können, wie zum Beispiel die Entscheidung wo man spielen möchte. Man möchte ja nicht ständig an den gleichen Orten spielen und man möchte nicht unbedingt zehn Stunden Fahrt auf sich nehmen. Es hat halt Vor- und Nachteile. Es ist halt schon ziemlich gut so viel möglich, was die eigene Band betrifft, selbst entscheiden zu können. Das gehört für uns auch irgendwo dazu, da ist ja ein Grundgedanke des HC und war es ja auch immer. Man sollte halt nicht zu große Agenturen mit ins Boot nehmen, die zu hohen Gagen fordert oder so was ähnliches. In Zukunft werden wir halt die beiden Aspekte ausbalancieren. Also, einerseits werden wir viel selbst machen und andererseits viel über Booking-Firmen in Anspruch nehmen.

Das wäre auch meine nächste Frage gewesen! Wie wichtig eben dieser D.I.Y.-Gedanke für euch ist? Das verwässert ja zusehender und viele Bands haben nur den großen Erfolg vor Augen. Wie bewertet ihr diese Entwicklung?

Philip: Das beste Beispiel hierfür ist die Band Death Is Not Glamerous, eine melodische HC-Band aus Norwegen, die sich innerhalb kürzester Zeit einen guten Status erspielt hat, einige Platten veröffentlicht hat und sehr viele Touren gespielt hat. Die haben bisher alles selber gemacht, was ich sehr beeindruckend finde und beweist dass man das Ganze Ding noch so richtig im D.I.Y.-Stil durchziehen kann. Bei uns ist es halt so, dass wir das sicherlich genauso hätten machen können, aber man muss sich auch dann fragen, ob es geschickt wäre so ein Anbot wie mit der Have Heart Tour auszuschlagen. Ernsthaft: Wer sagt zu einem solchen Angebot nein? Wir haben es gemacht und es hat uns viel gebracht. Im Endeffekt ist jetzt dadurch, dass uns ein paar Leute durch die Tour kennen natürlich einfacher selbst Shows zu organisieren und zu booken. Die Leute kennen uns und das ist halt die andere Seite.

Habt ihr euch unter Druck gefühlt bei dieser größeren Tour mit Have Heart?

Philip: Ich war ziemlich aufgeregt.

Julian: Ich auch, also ich kann schon behaupten das ich mich unter Druck gesetzt fühlte, aber nur zu einem gewissen Maße. Nicht übertrieben, aber irgendwo hab ich mir schon gedacht, dass wir was vorlegen müssen.

Philip: Wir haben gar nicht gewusst was uns alles erwarten würde und wir waren echt überrascht dass es sogar in England gut für uns lief.

Wie war das so? Ist es nicht immer schwer als deutsche Band im Ausland zu touren?

Julian: Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Viele haben uns erzählt das es sehr schwer ist dort was zu reißen, da die Leute sehr verschlossen sind und das es schwierig ist die Leute zu erspielen und das die Veranstalter so komisch sind, aber wir waren dann doch eher positiv überrascht, da wir die guten Reaktionen nicht erwartet hatten.

Ihr seid jetzt in England gewesen und auch in Skandinavien, habt ihr mal überlegt einen USA-Trip zu wagen?

Julian: Ich wäre da schon ganz schön scharf drauf, aber es gibt da keine konkreten Pläne. Es ist halt auch ein kleines Risiko.

Philip: Also die ganzen Bands, mit denen wir bereits gespielt haben, erzählen das man zum Teil gar nichts zu essen bekommt und man steht nach einem Konzert öfters auf der Straße dar, da sich keiner um einen Schlaflatz gekümmert hat und in der Hinsicht ist es klar ein Risiko. Vor allem ist so eine Tour auch ein finanzielles Risiko. Die Flugtickets für die ganze Band wären schon sehr teuer und um die reinzubekommen muss man wirklich hohe Gagen fordern, die man als unbekannte Band nicht nehmen kann. Das ist halt sehr schwierig.

Ihr habt ja gerade erwähnt dass ihr im Ruhrgebiet nicht so gut ankommt…

Philip: Vielleicht sind die Leute im Ruhrgebiet einfach an anderer Art von Musik interessiert. Hier gibt es halt eher eine Szene für so toughen Hardcore und davon haben wir uns ja schon immer versucht fernzuhalten.

Gehört sowas überhaupt zur HC-Szene? Was denkt ihr über sowas? Ist euch das egal? Was denkt ihr generell über die gegenwärtige HC Szene?

Julian: Also das ist uns gar nicht egal. Mich stören vor allem die ganzen toughen Bands, die sehr sexistisch sind und gewaltverherrlichende Sachen thematisieren. Sowas kann ich gar nicht abhaben. Das hat für mich gar nichts mehr mit HC zu tun.

Philip: Was mich am meisten daran stört, ist die Tatsache das HC immer mehr zu einer Art Modetracht wird. HC hat immer mehr mit irgendwelchen Frisuren und Klamotten zu tun. Oder Leute die sich selbst nicht treu bleiben um in der Szene auf mehr Akzeptanz zu stoßen. Das find ich sehr sehr schade, aber trotz allem muss ich dabei noch sagen, dass es eine Frage ist worauf man sich fokussiert. Es gibt viele negative Dinge im HC, aber es ist halt nicht so das genau diese mich derart desillusionieren könnten. Noch nicht! Zum größten Teil treffen wir, wenn wir mit der Band unterwegs sind, sehr nette und freundliche Menschen, die uns zu sich nach Hause einladen und uns einen Platz zum schlafen anbieten und für uns aufwendig Essen kochen. Das ist für mich immer noch total unglaublich, obwohl wir bereits so viel unterwegs waren. Solche Leute, die so viel Engagement und Herzblut reinstecken, halten mich an dieser Sache. Es ist halt immer die Frage, ob man sich auf die positiven oder negativen Dinge konzentrieren möchte. Viele haben bereits der HC-Szene aufgrund dieses Modequatsches und des toughen Gehabes der Szene den Rücken zugekehrt.

Das war es mit den Fragen an für sich, könnt ihr noch was zu euren Zukunftsplänen was sagen?

Julian: Da gibt es noch ein paar Sachen, die ganz geheim sind. Auf jeden Fall werden wieder eine neue Platte in nächster Zeit machen…

Philip: Die konkreten Pläne betreffen natürlich unsere anstehenden Shows! Wir werden den ganzen Sommer unterwegs sein und hoffentlich heile zurückkommen und danach…

Ihr spielt auch auf dem Fluff Fest fällt mir gerade ein…

Julian: (breites Grinsen) Ja, da spielen wir auch…

Da kommt die Freude durch…

Julian: Die kommt da so richtig durch…

Das Fluff Fest passt auch ganz gut zu eurer Attitüde, vom DIY-Gedanken ausgehend.

Philip: Das Fluff Fest ist das perfekte Beispiel dafür, wie ein großes HC-Festival keine kommerzielle Veranstaltung werden muss, wie jetzt das Pressure Festival zum Beispiel. Ich will das gar nicht schlecht machen, aber das Fluff Fest kommt halt ohne den ganzen Schnick Schnack rüber. Keine Hochglanzflyer… (Mal wieder wird die Runde um ein paar Leute erweitert und nach kurzer Zeit wieder das Gespräche aufgenommen) Da steht halt die Message im Vordergrund und das Festival ist halt wirklich Punkrock und das vergessen viele Leute.

Also wir waren gerade bei den Zukunftsplänen…

Philip: Wir wollen die Tour auf jeden Fall gut überstehen und gute Shows spielen…

Julian: Man sollte auch erwähnen, dass die erste Show mit FC Five auch unsere 100. Show sein wird.

Philip: Da werden wir uns auch was besonderes einfallen lassen und hoffentlich wird dieser Auftritt ganz besonders. Wenn wir von der Tour zurückkommen stehen noch ein paar einzelne Shows an und ein paar Festivals. Danach wollten wir für eine kurze Zeit einen Gang zurückschalten um uns zu erholen und um nicht den Spaß an der Sache zu verlieren. Es soll was Besonderes bleiben. Die anderen werden ja auch wieder zur Schule gehen und ich werde bald studieren und das wird bedeuten dass wir auch erst mal sehen müssen wie das startet. Im Herbst werden wir wieder anfangen neue Songs zu schreiben und es gibt große Pläne im späteren Verlauf des Jahres 2007 eine Split 7“ mit einer neuen Band aus Belgien, deren Namen wir noch nicht verraten, aufzunehmen. Es soll aber auch definitiv wieder eine neue Platte geben, die aber noch nicht konkret geplant ist, da sie uns möglichst zufrieden stellen soll. Wir wollen sehr viel Zeit und Arbeit darin investieren.

Die wird dann wieder über Still Life Records erscheinen, oder?

Philip: Das steht noch nicht ganz fest. Das hat nichts mit Still Life zu tun, denn das Label leistet gute Arbeit, aber es gibt da andere Überlegungen.

Okay, habt ihr noch ein letztes Statement für unsere Leser?

Philip: Erst mal dankesschön an dich Dario und wir grüßen zum Abschluss noch den Ebbing… (Lacht)

Julian: …Ebbing ist fast schon berühmter als wir!(lacht)

Philip: Danke an jeden der sich dieses Interview durchliest und Interesse an der Band hat und zu unseren Shows kommt, oder welche organisiert und alle anderen die uns in jeglicher Hinsicht unterstützen. Wir wissen das sehr zu schätzen. (Schaut in die Runde) Habt ihr noch was hinzuzufügen? Okay, dann sind wir fertig!

Fotos: Burkhard Müller - FaceTheShow.com

Alte Kommentare

von ich 08.07.2007 15:35

schönes interview! symphatische band! die werden mal ganz gross!

von chris 09.07.2007 12:42

finde ich auch:-)

von carnival 15.07.2007 19:24

sympatisch?! ok. hab ich mich wohl mit ner anderen band unterhalten vegan power haha

von chris 17.07.2007 20:23

muss ich dieses kommentar verstehen?