Interview mit Silverstein

 

SILVERSTEIN sind unbestritten eine der besseren Emobands, die derzeit weltweit geliebt oder gehasst werden. Ihr aktuelles Album "Arrivals And Departures" beweist dies ohne Umwege und geht straight, mit fast genau der richtigen Mischung aus Dynamik und Härte, ins Ohr rein. Im Interview führen das die sympathischen Bandmitglieder auf eine natürlich Entwicklung zurück, andere würden eher sagen auf die Get-Up Kids, aber nun ja, lest selbst...

Stellt euch zunächst mal vor, sonst kann ich das nachher nicht mehr auf meinem Diktiergerät unterscheiden!

Josh: Ich bin Josh und der Gitarrist bei Silverstein

Neil: Ich bin Neil und spiele auch Gitarre.

Paul: Ich bin Paul und bediene das Schlagzeug!

Shane: Ich bin Shane und ich singe.

Billy: Ich bin Billy und spiele Bass

Wie habt ihr eure Tour bis jetzt so empfunden?

Neil: Einfach nur großartig! Wir haben echt viele geniale Sachen erlebt. Heute ist unsere letzte Show und wir sind echt traurig wieder fahren zu müssen.

Ihr habt ja auch auf dem Rock Am Ring Festival gespielt, wie war das?

Paul: Und bei Rock im Park, aber das ist ja im Grunde das Gleiche.

Shane: Es war großartig! Wir haben es gar nicht fassen können, wieviele Kids zu unsere Show dort auf einmal auftauchten. Es war komplett voll, mit tausenden von Menschen.

Neil: Wir sind immer noch total baff.

Auf welcher Bühne habt ihr den gespielt?

Shane: Wir haben auf der Zeltbühne gespielt und es war sehr krass, denn als wir auf die Bühne gingen, durfte keiner mehr in das Zelt gelassen werden, da bereits so viele Leute drin waren!

Was nehmt ihr an lusitgen Eindrücken wieder mit nach Hause? Es sammelt sich bestimmt viel an während einer so langen Tour, oder?

Paul: Also ich finde immer wieder die Toiletten in Deutschland amüsant!

Warum?

Paul: (lacht) Wenn man kacken geht bleibt die Scheiße einfach da, sie geht einfach nicht weg und das kam mir komisch vor. Aber im Ernst: Letzte Nacht waren wir bei Rock Am Ring und wir haben nicht damit gerechnet sonderlich viele Shirts zu verkaufen und na ja, wir haben jetzt so gut wie gar keine T-Shirts mehr über, was dazu führte das unser Merch-Guy ohne Arbeit dastand. Er dachte sich dann, dass er mal mehr als zwei Bier trinken konnte und als dann der Tequilla ins Spiel kam, betrat er die Bühne und sagte ein paar peinlich Sachen um dann letztendlich ins Publikum zu diven. Später hat er uns noch das Mikro während des Auftrittes geklaut und das war schon ziemlich witzig. Er hat sich auf jeden Fall selbst lächerlich gemacht und ich wette das wird bei manch einem ganz schön lange in Erninnerung bleiben!

Ich würde gerne als nächstes mit euch über eure neue CD sprechen! Das Album ist ja mit „Arrivals and Departures“ betitelt und ich wissen, ob ihr überhaupt schon neue Songs live gespielt habt und wie diese ankamen.

Shane: Wir haben so gut wie alle mal ausprobiert, wir haben echt super Reaktionen bekommen und die Leute sind alle sehr gespannt auf das neue Album, was uns natürlich auch freut.

Wie war eigentlich die Arbeit mit Mark Trombino? Er hat ja bereits Bands wie Blink 182 und Jimmy Eat World produziert und nun euch, eine Band die man ihm nicht zurechnen würde! Wie hat das funktioniert, ihr habt ja gesagt, dass ihr ihn erst im Studio kennengelernt habt.

Shane: Es war interessant… Ich denke er ist wirklich ein großartiger Produzent, schließlich spricht seine Arbeit die er bis jetzt geleistet hat auch für ihn, aber wir hatten so unsere Probleme mit ihm. Letztendlich hat er aber für ein starkes Album gesorgt und wir sind auch sehr zufrieden.

Hattet ihr diverse Konflikte oder Probleme mit ihm?

Neil: (zögerlich)…Joa, wir hatten schon sehr unterschiedliche Vorstellungen.

In musikalischer Hinsicht?

Neil: Eigentlich nicht, wir sind schon gut miteinander ausgekommen, aber er ist halt gewohnt Sachen so zu anzugehen, wie er sie immer angeht und immer dann wenn du was anderes ausprobieren möchtest, wird es halt schwierig mit ihm. Er fühlt sich dann nicht wohl damit.

Billy: Er ist halt sehr fokussiert und will sich nicht so gerne reinreden lassen, bei dem was er macht.

Also können wir daraus schließen, dass ihr ganz bestimmt noch mal mit ihm arbeiten werdet?

Neil: Das kann man ja nie so genau voraussagen…(grinst, der Rest lacht)

Josh: Er macht wirklich großartige Alben und das ist schließlich was zählt!

Shane: Wir hatten zwar unsere Probleme miteinander, und gerade ich hab fast meine Nerven verloren, aber er macht einfach eine beeindruckend gute Arbeit und wie bereits gesagt, dass ist es was zählt!

Wo würdet ihr den Hauptunterschied zu den alten Alben sehen?

Josh: Ich würde es für zielgerichteter halten.

Paul: Wir haben mehr Erfahrung als früher und das merkt man dem Sound an.

Neil: Ich würde es noch nicht mal fokussierter nennen, ich würde eher sagen, dass wir eine Art natürlichen Prozess durchlaufen. Das Album spiegelt sehr gut wieder, wer wir sind. Es wie eine Art Repräsentation unseres Lebens. Es klingt halt ehrlich. Es ist nicht überproduziert, nicht effektüberladen. Es ist halt so, wie es sein sollte. Wir haben unsere Drums nicht getriggert. In Zeiten, in denen Bands immer glatter klingen, haben wir ein sehr natürlich klingendes Album produziert.

Viele sagen ja, dass das dritte Album das wichtigste, oder wegweisendste Album einer Band ist!

(Staunende Gesichter in der Runde): Echt?

Klar, es gibt viele Bands, bei denen wird das dritte Album als Knackpunkt gesehen. Manche Bands, vor allem im Emo-Genre, haben sich ja sehr stark verändert im Laufe der Zeit. Denkt mal an die Get Up Kids, oder auch Thrice!

Neil: Ja klart, aber ich denke dass viele Bands sich auch unbewusst in eine andere Richtung entwickeln. Es gibt auch Bands, die einfach mal anders klingen wollen, da ihr gewohnter Sound ihnen nichts mehr bietet. Manchmal kann sowas natürlich nach hinten losgehen und Fans fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Wir machen die Musik, die wir gegenwärtig machen, echt gerne. Unsere Fans mögen sie ebenfalls und wir haben einfach einen Riesenspaß unsere Songs live zu spielen.

Paul: Ich denke dass unsere Alben ebenfalls zeigen, dass wir wachsen und trotzdem uns treu belieben können. Viele sprechen darüber, wie wichtig es ist einen neuen oder anderen Sound zu finden. Wir denken, dass wir unseren Sound ganz langsam aufbauen und immer wieder um kleine Stückchen erweitern. Wir haben sicherlich einen bestimmten Sound, aber wir entwickeln diesen immer ein Stück weiter, ohne unser ganzes Konzept über Bord zu werfen.

Neil: Ich muss immer daran denken wie wir vor ca. sieben Jahren klangen, als wir angefangen haben. Wir klangen wie eine Kopie der Get Up Kids. Erst später wandelte sich unser Sound und wir wurden härter. Das ist es, was sich bei uns geändert hat. Natürlich kann jeder sagen dass wir immer gleich klingen, aber wir leiben das was wir machen und das ist für uns das wichtigste. Wir ändern uns nicht, wir wachsen mit den Alben.

Wir hören ja gerade den Soundcheck eures Tour-Supports TODAY FOREVER im Hintergrund. Was denkt ihr über sie?

Josh: Sie sind echt super, auch wenn sie anders und härter klingen.

Paul: Sie sind definitiv zu einer meiner Lieblingsbands geworden!

Mein ihr das ernst?

Paul: Klar! (Lacht) Im Ernst, es ist eine super Band und wir haben sie uns als Support auch ausgesucht, wir wollten dass sie mitkommen. Wir stehen jeden Abend am Bühnerand und singen mit und es macht echt Spaß mit den Jungs.

Neil: Wir haben letztes Jahr mit ihnen einmal gespielt und es sind einfach unglaublich nette Menschen in einer großartigen Band!

Kenn ihr eigentlich die andere Band des Bassisten, XGRACEX?

Josh: Die kenn ich noch nicht, aber ich werde sie mir wohl man anhören.

Solltest du auf jeden Fall mal machen! Wie harmoniert eigentlich ein solches Line-Up? Ihr als Emo Band und TODAY FORVER als HC-Band. Gehen die Leute auf die Band ab, oder warten die einfach auch euch und lassen TODAY FOREVER über sich ergehen?

Paul: Ich würde das anders sehen, ich denke schon dass es den Leuten gefällt.

Neil: Wir haben ja schon öfters Touren mit Bands gespielt, mit denen wir gar nicht so wirklich zusammenpassen.

Josh: Ich würde ebenfalls sagen, dass TODAY FOREVER sehr gut zu uns passen. Letzte Nacht haben sie zum Beispiel Snapcase gecovert und das ist nicht wirklich weit von unserem Stil entfernt

Neil: Und sie haben ein Texas Is The Reason Cover gespielt und das ist nun mal eine der Emobands schlechthin. TODAY FOREVER und wir kommen aus der gleichen musikalischen Richtung, wir kennen und hören die gleichen Bands, wir sidn mit ähnlichen Leuten großgeworden und deswegen kommen wir miteinander klar. Klar, unsere Bands klingen unterschiedlich, aber es ist irgendwo alles noch melodischer HC. Es gibt Bands, die singen/schreien und kombinieren schnelle Parts mit langsameren, so wie wir. Es ist halt nur ein ganz marginaler Unterschied. Es ist halt eine Szene.

Solange eure Fans das so ähnlich sehen.

Neil: Wir wollen das sie es so sehen, ich mein wir mögen die Musik auch und wir würden uns wünschen das unsere Fans das genau so sehen.

Na dann hoffen wir mal das Beste! Mich würde mal interessieren, wie ihr zu den ganzen Skandalen und negativen Nachrufen bezüglich Victory Records steht? Es gibt eine große Anzahl an Bands, die sehr zufrieden mit der Arbeit des Labels sind und es gibt viele Bands, die nicht so zufrieden sind. Man denke zum Beispiel an Thursday, Taking Back Sunday, oder aktuell an Hawthorne Heights. Wie beeinflusst euch das? Seid ihr mit den genannten Bands nicht befreundet? Wie reagiert ihr auf solche Vorwürfe?

Neil: Natürlich kümmert uns das, aber es ist eine schwierige Kiste. Ich mein, es gibt Bands die haben nunmal einen großen Erfolg und fühlen sich nicht genug beachtet vom Label oder eben hintergegangen. Aber wir selbst haben diese Probleme nicht. Wir haben einen Erfolg vorzuweisen, denn wir unter anderem Victory Records zu verdanken zu haben. Dafür sind wir wirklich dankbar. Aber wir wissen auch nicht wo uns unsere Wege hinverschlagen werden. Wir wollen weiterhin Musik machen und Alben aufnehmen. Victory unterstützt uns wo es nur geht und mag auch die Musik die wir machen und wir haben damit Erfolg und wir verkaufen unsere Alben. Wir werden sie sicherlich nicht verklagen, oder sowas in der Art.

Das wollte ich auch gar nicht hören (Allgemeines lachen). Mich würde aber vielmehr interessieren wie ihr über die anderen Bands denkt?

Billy: Wir sind zum Teil mit den Bands befreundet und wir kennen die Gründe. Manche können wir wirklich gut nachvollziehen und manche nicht so sehr. Jeder hat seine Gründe für das was er macht und es beeinflusst unsere Freundschaftlichen Verhältnisse untereinander nicht, weil wir auf Victory Records gesignt sind.

Ihr seid ja aus Kanada und kanadische Bands werden ja immer populärer, wenn man an Billy Talent, Alexisonfire und auch an euch denkt. Wieso ist das so? Habt ihr eine Erklärung dafür?

Paul: Ich glaube kanadische Bands sind halt international auf Tour und wissen wie es ist, im eigenen Land nicht viel holen zu können. Ich denke dass es eine Band aus den USA viel schwerer hat, da sie viel mehr touren muss um bekannt zu werden.

Josh: Es ist in Kanada echt ziemlich cool im Moment, es gibt einen Haufen Bands, die gerade entdeckt werden. Ich glaube auch, dass in Amerika viele Bands ihr Land für den Nabel der Welt halten und eben nur dort auf Tour gehen. Kanada ist halt ein sehr multikulturell geprägtes Land und das beeinflusst die Art und Weise der Bands und ihr Selbstverständnis, wie sie ihre Musik präsentieren.

Okay, ich würde jetzt zum Abschluss wissen, was für euch die beste Show in Deutschland war?

Shane: Rock Am Ring war bis jetzt am beeindruckensten!

Paul: Auf jeden Fall, dieses Festival hat mich echt beeindruckt.

Neil: Gestern Nacht war auch der Hammer und Berlin war auch ziemlich cool.

Paul: In Deutschland zu spielen macht immer Spa߅

Neil: Wir haben in Köln 2005 zum allerersten Mal in Deutschland gespielt und die Show war sofort ausverkauft. Das war auch ein sehr intensives Erlebnis. Wir haben echt Glück, dass es in Deutschland so gut für uns läuft. Wir waren jetzt schon vier Mal hier und wir haben schon einen Status.

Shane: Es scheint so, als würde jede Show größer und größer werden. Fast jede Show war ausverkauft. Nimm zum Beispiel Münster, letztes Jahr haben wir noch vor 150 Menschen gespielt und ist die Show ausverkauft.

Dann kommen wir zum Schluss! Was habt ihr für Zukunftspläne? Eine Neuauflage der „Never Shave Again“-Tour?

Billy: (lacht und kratzt sich am Bart) Wir haben schon angefangen!

Stimmt wohl, ihr könnt ja ne Euro-Version draus machen, es war ja ein sehr großes Line-Up.

Neil: Wir werden noch eine Headliner-Tour in Europa im Herbst spielen. Im Sommer wird dann noch eine dreimonatige Tour durch Kanada und Nordamerika folgen. Unter anderem werden wir da mit Rise Against und Comeback Kid unterwegs sein. Sollte sehr lustig werden, denn wir sind mit beiden Bands gut befreundet. Ansonsten freuen wir uns darauf unsere neuen Songs zu veröffentlichen und diese den Fans bei unseren Konzerten vorzutragen.

Dass war es dann! Ich bedanke mich recht herzlich für eure Zeit!

Fotos: Burkhard Müller - FaceTheShow.com