Interview mit Soilwork

 

Hi Ola, wie geht’s?

Ziemlich gut, danke. Es schneit zwar ein wenig, aber ich war heute noch nicht draußen, von daher ist das auch kein Problem.

Gab es denn bisher noch Reaktionen der Fans auf die Einblicke, die ihr ihnen vom neuen Material gewährt habt?

Ja, zum Song „Spectrum Of Eternity“. Das ist der Track den alle hören konnten und alle waren damit bisher zufrieden. Bisher sind die Reaktionen wirklich gut. Aber wir mögen das Material auch sehr und die Leute scheinen das zu verstehen.

Mir gefällt das neue Album auch sehr gut, 20 Songs finde ich für einen Hörduchgang aber teilweise recht anstrengend. Wie kamt ihr denn darauf ein Doppelalbum zu machen?

Das war eine Idee mit der Björn (Speed, Sänger; Anm. d. Verf.) um die Ecke kam. Er hatte auch den Einfall zum Titel „The Living Infinite“. Wir haben dann darüber nachgedacht und fanden es eine gute Idee, aber auch gleichzeitig etwas erschreckend. Es ist schwierig so viele Songs zu schreiben. Wir haben dann einfach angefangen Lieder zu komponieren und wollten schauen wo es uns hinführt. Nach kurzer Zeit stellten wir dann schon fest, dass wir sehr viele Ideen haben und das Ganze gelingen wird.

Habt ihr dann genau diese 20 Songs schrieben?

Nein, es waren ungefähr 26-27. Wir haben viele Lieder geschrieben, hatten gleichzeitig aber auch sehr viel Spaß. Klar, war es dann anstrengend alles aufzunehmen, der Songwriting-Prozess an sich war aber großartig.

Wie unterschied sich dieser Prozess denn vom bisherigen Schreiben? Normalerweise hattet ihr ja nur 12-13 Songs auf einem Album.

Es fühlte sich eigentlich ziemlich natürlich an. Wir sind ja viele Songschreiber mit vielen verschiedenen Ideen. Wir haben uns keine Limits gesetzt und Elemente ausgeschlossen. Wir waren sehr offen für alles. Das unterscheidet sich ein bisschen von dem was wir bisher gemacht haben, da alle am Schreiben beteiligt waren, zur selben Zeit klingt aber alles immer noch nach SOILWORK. Wir sind immer noch die selbe Band und wir bestehen immer noch größtenteils aus Leuten die schon vorher Lieder für die Band geschrieben haben.

Du erwähntest bereits, dass Björn die Idee für den Titel „The Living Infinite“ hatte. Gibt es dahinter ein größeres, textliches Konzept?

Ja, gibt es. Der Titel an sich ist schon ein Zitate von Jules Verne, so beschreibt er den Ozean. Das Meer verändert sich ständig und Björn vergleicht das mit dem Leben und vielen anderen Dingen. Das lyrische Konzept dreht sich eher um existenzielle Dinge als dass man einen Charakter auf einer Reise begleitet. Es geht um Fragen die sich die meisten Leute an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben stellen.

Dieses grobe Thema erklärt auch das Cover-Artwork mit den Ankern.

Genau. Wir wollten etwas Nautisches darauf abbilden. Das Artwork ist so mit der Musik verbunden und den Vibe, den man bekommt wenn man sich das Album anhört, soll man darin wiederfinden können. Ob das am Ende bei jedem funktioniert, weiß ich nicht. (lacht)
Euer Gitarrist Peter Wichers ist nach dem letzten Album erneut ausgestiegen (Dies tat er bereits 2005 und stieg 2008 wieder ein; Anm. d. Verf.). Das letzte Mal hat darunter die Qualität eures folgenden Werkes („Sworn To The Great Divide“) sehr gelitten, dieses Mal habt ihr das gut kompensiert, findest du nicht?

Zu der Zeit als wir „Sworn To The Great Divide“ aufgenommen haben war die Atmosphäre in der Band total anders und es wurden einige Entscheidungen getroffen, die wir wohl nicht hätten treffen sollen. Wir haben es damals zum Beispiel in unserem Dorf aufgenommen und ich war mit dem Ergebnis auch nicht besonders zufrieden um ehrlich zu sein. Ich kann verstehen, warum Leute das Album für unser schlechtestes halten, aber ich weiß natürlich als Bandmitglied auch was intern vorging und kann das mit der aktuellen Situation vergleichen und sagen, dass es eine komplett andere Atmosphäre herrscht. Wir hatten nie Angst, dass es noch einmal schiefgehen könnte und hoffentlich unterstreicht die Musik das.

Wo habt ihr euch denn auf „The Living Infite“ am meisten weiterentwickelt? Was gefällt dir am besten?

Am liebsten mag ich die Vielfältigkeit des Materials. Teilweise sind die einzelnen Songs doch sehr unterschiedlich, vermitteln aber ein ähnliches Gefühl. Das macht es zu einer interessanten musikalischen Reise. Es gefällt mir, dass wir wieder Instrumentale auf der Platten haben – Das haben wir eine ganze Weile nicht mehr gemacht. Daneben gibt es einige Experimente, zum Beispiel Akustikgitarren in Intros. Die organische Produktion finde ich außerdem noch sehr gelungen. Wir klingen wie eine Band, nicht wie etwas, dass im Computer entstanden ist.

Ich finde, dass es das epischste SOILWORK Album bisher ist. Stimmst du mir da zu?

Ja, außerdem ist hat es einen sehr düsteren Vibe. Die zweite CD startet beispielsweise mit einem sehr düsteren Instrumental, ich glaube das haben wir so in dieser Form noch nie gemacht.

Genau, und der erste Track mit seinem Black-Metal-Riff und solche Dinge.

(Lacht) Richtig. Es sind viele verschiedene Versatzstücke auf dem Album, im Gesamtkonzept machen sie aber glaub ich Sinn.

Wie habt ihr denn die beiden CDs zusammengestellt? War das eher zufällig oder habt ihr feinsäuberlich separiert?

Ich weiß, dass Dirk (Verbeuren, Drummer; Anm. d. Verf.) das zusammen mit Björn überdacht hat. Wir haben versucht auf beiden CDs eine unterschiedliche Atmosphäre zu kreieren. Meiner Meinung nach bekommt man auf der ersten CD eher „traditionelle SOILWORK Songs“, die zweite Hälfte geht dann sehr stark nach vorne. Untereinander machen die Lieder auf beiden Seiten Sinn, übergreifend aber auch. Es war schon schwierig auszuwählen, welcher Song auf welche Seite gehört, ich denke aber wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen.

Wie werdet ihr das Album denn live umsetzen? Alle Songs könnt ihr ja nicht spielen.

Ja, das stimmt. (lacht) Wir werden uns wohl ein paar Wochen vor Tourstart treffen und Lieder auswählen müssen. Ich sehe die Diskussion schon kommen. Bisher haben wir noch nichts entschieden.

Könnt ihr euch vorstellen, dass Ganze jemals am Stück aufzuführen?

Das wäre großartig. Wenn die Leute das Album mögen, könnte man das eines Tages mal machen.

Wann können wir euch denn wieder hier in Deutschland erwarten?

Wir kommen auf das Wacken Open Air und sicherlich noch auf einige andere Festivals. Später dieses Jahr werden wir auch noch eine Europa-Tour spielen. Letztes Mal waren wir mit All That Remains und Caliban unterwegs. Ich hoffe dass auch das nächste Mal viele Leute auftauchen werden.

Ich denke viele alte Fans werden nach „The Living Infinite“ wieder zurückkehren.

Ja, das Gefühl hab ich auch. Wir haben gerade mit „Sworn To The Great Divide“ viele Leute auf dem Weg verloren.

Danke für das Interview! Möchtest du noch irgendetwas anfügen?

Ja. Auch wenn ihr dachtet, dass wir mit der Zeit nachgelassen haben, gebt uns mit „The Living Infinite“ eine Chance. Ich denke wir können euch überraschen. Wir sind sehr stolz auf das Album und ihr mögt es sicher auch! Hört es euch an!