Interview mit Teamkiller

 

1. Erzählt doch erst mal was zu eurer Bandhistory. Ich habe gelesen, dass ihr euch aus Absidia und Sidekick heraus gegründet habt. Wie kam es zu der Kollaboration und dem Endresultat Teamkiller?

Felix: Teamkiller wurde 2003 von Bassist Peter Bastian (Absidia) und Drummer Fabian Kenner (Sidekick) gegründet. Das Ziel war damals eine Band zu starten mit neuem Sound, angesiedelt irgendwo zwischen den Stilrichtungen der beiden Bands. Im selben Jahr noch veröffentlichten wir ein Demotape (Our World Records) und eine Split 7“ mit Bleed Into One (Dead Serious Recordings). Danach musste Fabian leider aus beruflichen Gründen aussteigen, da er einfach nicht mehr genügend Zeit aufbringen konnte. Daraufhin spielten wir mit Michele Danze als Fill-In unsere MCD/EP „Some Scars, Some Hope“ (Dead Serious Recordings/Carthago Music Company) ein, bis wir glücklicherweise Michael Dester kennen lernten. Dieser beeindruckte uns mit seinem tighten und vor allem extrem aggressiven Drumming so sehr, dass wir ihn als festen Drummer mit ins Boot holten. Mit seiner brutalen Art die Fälle zu malträtieren passt er zu uns wie die Faust aufs Auge. Bereits Mitte letzten Jahres stieg unser zweiter Gitarrist Chris Holt aus, da es ihm wachsende berufliche Verpflichtungen und auch seine Fernbeziehung sehr schwer machten regelmäßig zu proben und vor allem die vielen Shows zu absolvieren. Mit diesem bis heute konstanten Line-Up (Michael Speidel –Vocals, Felix Grammer – Guitar, Peter Bastian – Bass, Michael Dester – Drums) spielten wir zwei Europatouren und massig Festivals, um danach die Songs für unser Debut Full Length Album „Bad Signs“ zu schreiben und uns für Probeaufnahmen in den Schweizer Eversound Studios zu verschanzen. Nachdem der Songwriting Prozess abgeschlossen war nahmen wir dort mit Producer und Sound Crack Martin Korth unser neues Album auf. Nach dem Release von „Bad Signs“ (Dead Serious Recordings), dass auch auf Vinyl erhältlich ist (New Morality Records), gingen wir auf eine weitere zweieinhalbwöchige Europatour zusammen mit der New York Hardcore Ikone Killing Time und When Tigers Fight. Diese liegt nun ein paar Wochen hinter uns in denen wir uns nicht etwa ausgeruht, sondern im Gegenteil weitere Shows bzw. Festivals gespielt haben. So wird bei uns auch weiterhin keine Ruhe einkehren, denn wir spielen jede Menge Konzerte und haben bereits Tourpläne für nächstes Jahr. Darüber hinaus haben wir schon begonnen an neuem Material für unser Follow Up Release zu „Bad Signs“ zu schreiben...

2. Was sagt ihr selbst zu eurer neuen Scheibe? Und wie kam es dazu den berühmten Alan Douches vonWest West Side Music in New York (Sick Of It All, Madball, Hatebreed, The Dillinger Escape Plan, Merauder, Snapcase, Converge) zum Mastern zu bekommen?

Neben der 1 A Produktion wird dem Hörer zunächst auffallen, dass wir, was Musik und Texte betrifft, einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Die Songs sind sehr ausgereift und erreichen ein ganz neues Level an Aggressivität. Hinter den Lyrics und dem Artwork steht ein Konzept, dass aus „Bad Signs“ eine Einheit bildet die man schlichtweg als brutal bezeichnen kann. Alles was wir an Energie und Herzblut haben legten wir in dieses Release und sind überaus zufrieden mit dem Resultat, dass sich wirklich sehen lassen kann. Produzent Martin Korth hat großartige Arbeit geleistet, genauso wie Alan, der dem Ganzen den letzten Schliff gegeben hat. Uns war es sehr wichtig authentisch und individuell zu klingen und nicht, wie so viele, einfach „von der Stange“. Diese eigene Mischung aus „klarem“ Old School Metal Sound à la Metallica oder den späten Cro-Mags und „fetten“ modernen Produktionen wie Hatebreed ist beiden hervorragend gelungen. Schon früh überlegten wir Alan für das Mastering zu fragen, da wir von seiner Arbeit immer überzeugt waren und wir das Maximum an gutem Sound herausholen wollten.

3. Wie seht ihr eure Entwicklung innerhalb der eigenen Musik? „NYHC with influences of modern hardcore and metal” steht in eurer Info. Das ist ja erst mal ein breitgefächerter Musikstil. Würdet ihr euch selber in eine einzelne Schublade stecken lassen?

„Entwicklung“ ist ein gutes Stichwort. Unsere Marschrichtung hat sich kaum verändert in den drei Jahren unseres Bestehens, allerdings ist der Tritt sicherer und dadurch durchschlagender geworden. Wenn man unsere vergangenen Releases vergleicht fällt auf, dass wir uns Schritt für Schritt gesteigert haben – wie auch die Formate der Tonträger. Nach Demotape, Split 7“, MCD/EP ist unsere aktuelle Full Length CD/LP ein großer Sprung nach vorne. Unseren Weg nach Oben haben wir uns hart erarbeitet und stehen nun auf einem festen Fundament. In eine Schublade gesteckt zu werden lässt sich heutzutage nicht gänzlich verhindern, denn mit den Unmengen an Bands die im Internet präsent sind ist es nicht leicht die Aufmerksamkeit der Leute zu erreichen. Mittlerweile sind wir jedoch auf einem Level an dem wir unsere eigene Schublade haben und das ist auch gut so!

4. Wie kam es zu den Guest Vocals von Scott Vogel (Terror) and Federico Carminitana (Cataract)?

Auf unserem Demotape featureten uns Jogges (Sidekick) und Ben Gottschalk (Ex-Bleed Into One), auf der MCD/EP Björn Esser (Black Friday ´29) und Ben Fink (Zero Mentality). Auch dieses Mal wollten wir wieder zwei Freunde von uns mit an Bord haben! Mit Terror und Cataract verbindet uns eine längere Freundschaft, letztere geht sogar noch zurück auf die Zeit als Peter (Bass) mit seiner Band Absidia on the road war zusammen mit den Schweizern Präzisionsmetallern.

5. Euer Record Label beherbergt ja auch Bands wie 100 Demons, Madball, Cataract, Merauder, Sick Of It All, Terror, Zero Mentality und andere. Wie einfach ist es da, mit den andern Bands in Kontakt zu treten bzw. mit ihnen zu touren?

Mit vielen der Bands verbindet uns mehr als das Label. Abgesehen von der bereits erwähnten Tour mit Killing Time und When Tigers Fight, die ebenfalls zur Dead Serious Family gehören, wie z.B. auch unsere Freunde von First Blood, haben wir mit fast allen Bands bereits die Bühne geteilt und pflegen regen Kontakt - nicht nur zu Terror und Cataract! Zero Mentality sind mittlerweile bei GSR und nicht mehr bei Dead Serious Recordings.

6. Wie wichtig findet ihr die Arbeit eures Labels und würdet ihr wechseln, wenn ein großes Majorlabel anklopfen würde? Oder ist euch die „family“ innerhalb des Labels wichtiger?

Die Arbeit unseres Labels ist für uns natürlich von enormer Bedeutung. Dead Serious Recordings machen einen sehr guten Job und der Kontakt zwischen Label und Band ist sehr professionell & produktiv. Unser Album ist ja erst vor ein paar Wochen erschienen, deswegen machen wir uns ehrlich gesagt im Moment keine dringenden Gedanken über einen Labelwechsel. Dennoch, um auf die Frage bezüglich des Major-Angebots zu antworten, würden wir uns das natürlich durch den Kopf gehen lassen. Wer würde das nicht?

7. Erzählt doch mal ein bisschen was über die Message eurer Lyrics. Was ist euch besonders wichtig?

Unsere Texte kann man nicht alle über einen Kamm scheren und sie haben auch nicht „diese eine“ Message. Jeder Song erzählt seine eigene Geschichte – alleine schon deswegen weil alle von uns Texte schreiben. Der rote Faden, der sich durch das Gesamtbild zieht, ist der ehrliche aber auch schonungslose Blick auf die Realität und sich selbst. Daher sind die persönlichen Erfahrungen, auf denen die Lyrics beruhen, nicht immer positiver sondern zumeist eher bedrückender Natur. Das wichtigste dabei ist, dass die Texte keine leeren Worthülsen sind sondern wirklich etwas dahinter steckt und wir uns dadurch ausdrücken.

8. Die obligatorische Frage: Was haltet ihr von der jetzigen Hardcore Szene? Wo seht ihr Unterschiede sogar innerhalb Deutschlands oder zum Ausland und welche HC-Attitüden unterstützt oder verurteilt ihr?

Die obligatorische Antwort: ganz pauschal kann man das natürlich nie sagen! Es lässt sich jedoch feststellen, dass die Unterschiede zwischen den Szenen nicht so riesig sind und es mehr Leute denn je sind die Shows besuchen. Das liegt zum einen sicherlich am Boom harter Musik generell und zum anderen daran, dass es viele sehr gute europäische Bands gibt die on the rise sind. Mittlerweile ist es nicht mehr so, dass Promoter und Publikum sich hauptsächlich für Bands aus den Staaten interessieren sondern sie nehmen wahr, dass es genauso gute und hart arbeitende Bands vor ihrer eigenen Haustüre gibt. Das ist für uns natürlich sehr positiv! Bestimmte Trends und Hypes gibt es leider Szeneübergreifend, aber diese kommen um wieder zu gehen...

9. Ihr habt bereits Gigs mit Madball, Terror, Agnostic Front, Throwdown, Hatebreed, Blood For Blood, Walls Of Jericho oder Ignite gespielt. Wie fühlt man sich mit solchen Bands auf Tour bzw. wie ist da die Stimmung?

Die Stimmung ist meistens sehr gut. Die Jungs sind auch nur Menschen wie Du und ich und darüber hinaus Musiker, die glücklich sind wenn sie auf Tour sind und fette Shows spielen – genau wie wir selbst. Mit Bands solchen Kalibers unterwegs zu sein ist natürlich immer cool!

10. Welche musikalischen Vorbilder bzw. Einflüsse habt ihr?


„Vorbilder“ haben wir keine, da wir nicht versuchten irgendetwas zu imitieren sondern unser eigenes Ding machen. Musikalisch sind wir alle sehr open-minded aber unsere gemeinsamen Roots, dass lässt sich nicht leugnen, liegen eindeutig im Hardcore der New Yorker Prägung. Wir sind große Anhänger der Cro-Mags!

11. Wohin führt euch der Weg mit Platte und Band? Irgendwelchen konkret anstehenden Pläne?

Wir werden weiterhin konstant unseren eingeschlagenen Weg verfolgen. Für nächstes Jahr planen wir unser aktuelles Release durch jede Menge Shows bzw. Touren bis zum geht nicht mehr zu pushen um danach unser nächstes Album aufzunehmen. Wir werden sehen wohin uns das noch führt...

12. Wie funktioniert Songwriting bei euch?

Peter (Bass) und ich, Felix (Guitar), schreiben die Songs, welche wir dann mit in den Proberaum nehmen um sie gemeinsam mit den anderen zu arrangieren. Entweder haben wir bereits einen fertigen Song im Kopf oder gute Ideen die wir dann gemeinsam ausarbeiten.

13. Wie entscheidet ihr welche Songs auf eine Platte kommen oder nicht?

Jeder Song muss natürlich absolut killen, aber das ist nicht das einzige Kriterium. Uns ist sehr wichtig, dass unsere Veröffentlichungen ein durchdachtes Gesamtkunstwerk sind. Wir geben uns viel Mühe, damit auf einer CD z.B. stimmige Übergänge sind oder allgemein gesagt einfach ein Plan da ist hinter dem was wir tun. Wir nehmen generell nicht die erstbeste Möglichkeit sondern machen uns Gedanken über bessere Alternativen. Diese Einstellung hat es uns selbst nicht immer leicht gemacht, aber für jeden von uns bedeutet die Band alles und wir lieben das was wir tun - auch wenn uns dadurch ein gewisser Ruf als Perfektionisten voraus eilt.