Interview mit The Dillinger Escape Plan

 

Interview mit Greg (Sänger) von THE DILLINGER ESCAPE PLAN. Von Olivier.



Mal wieder sind THE DILLINGER ESCAPE PLAN der Konsens in der so Konsens-freien Szene – und das, obwohl ihre Musik eigentlich ja das Gegenteil bewirken sollte. Doch vor allem sind sie – ähnlich wie zum Beispiel CONVERGE – einer der Größen von damals, die noch heute einiges zu sagen haben – musikalisch wie lyrisch. Greg nahm sich die Zeit und beantwortete stellvertretend für die Band ein paar Fragen über FAITH NO MORE, die in seinen Augen zweifelhafte Genrebezeichnung „Mathcore“ und das kleine DEP-Label „Party Smasher Inc“, und äußerte außerdem seine geheime Zuneigung zu instrumentaler Musik.

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“Option Paralysis” klingt für mich viel direkter als euer letztes Album “Ire Works”. Klar: Diese ruhigeren, experimentelleren Ansätze sind immer noch da, doch für mich ist „Option Paralysis“ weniger ein Schritt nach vorne als mehr eine sehr nette Zusammenstellung all dessen was ihr bisher gemacht habt. War das eure Intention?

Hinsichtlich eines Vergleichs mit unseren älteren Werken gibt es da keine wirkliche Intention, außer halt dass wir nach wie vor ehrlich mit uns selbst sind und uns nicht selbst im Weg stehen wollen. Wir wollen nicht zu sehr über Dinge nachdenken. Fängt man nämlich damit an sich zu viele Gedanken zu machen plant man wie ich finde nur noch, geht Kompromisse ein. Wir versuchen beim Schreiben unsere alten Alben auszublenden. So etwas wie Vergangenheit gibt es bei uns nicht, nur die Gegenwart. Fängt man an über die Vergangenheit nachzudenken denkt man auch darüber nach was die Leute von einem erwarten, und man macht sich nur verrückt.

Beim Review zu eurer letzten Platte “Ire Works” (2007) erwähnte ein Kollege von mir dass er insgeheim darauf hofft dass ihr mehr in Richtung FAITH NO MORE geht, was wohl auch damit zu tun hat dass „Ire Works“ ein wenig nach FAITH NO MORE klingt und ihr ja auch schon mal (auf „Irony Is A Dead Scene“) mit Mike Patton zusammengearbeitet habt. Könnte sowas – also etwas vergleichbares wie FAITH NO MORE einst gemacht haben – eine Option für eure Zukunft sein?

Wie schon gesagt planen wir nichts. Wir schreiben einfach drauflos, folgen dem was wir machen wollen, sind ehrlich zu unseren Vorstellungen – so etwas eben. Wenn das nächste was wir machen eine Grindcore- oder eine Ambient-Dub-Platte wäre, so wäre eben das es, was wir machen wollen. Bevor wir nicht angefangen haben zu schreiben ist alles offen.



Ihr werdet – vor allem aufgrund eures Albums „Calculating Infinity“, welches immer noch zu den größten Klassikern des Genres gehört, oft als die „Väter des Mathcores“ bezeichnet. Am Anfang standen da Bands wie BOTCH oder COALESCE, später dann Vertreter wie ION DISSONANCE, ARCHITECTS oder NORMA JEAN. Wie denkt ihr über dieses ganze „Mathcore“-Ding? Hört ihr überhaupt sowas?

Ich glaube keiner von uns ist wirklich Fan des „Mathcore“-Genres, für mich ist’s auch irgendwie eine lustige Bezeichnung. Klar: Es macht Spaß solch talentierten Musikern zuzusehen, doch das alles muss irgendwo auch Seele haben. Mich beeindrucken solche Musiker nicht, die nur komplizierte Läufe in verrückten Geschwindigkeiten schaffen oder nur etwas spielen, damit es technisch beeindruckend klingt. Das Technische kann für mich nie Essenz der Musik sein, das Technische darf nur als Werkzeug für etwas Größeres fungieren, was am Ende dann idealerweise auch Seele und Emotionen haben muss.

Was ist die Idee hinter „Party Smasher Inc.“?

Wir kommen aus einen traditionellen Plattenvertrag (Anm. d. V.: DEP waren über 10 Jahre bei Relapse und sind jetzt bei Seasons Of Mist) und wollten nun das was wir machen so gut wie möglich schützen. Wir sind mittlerweile als Band sehr Erfahren im Business und wir haben in den Jahren alles über die Musikindustrie gelernt. Wir waren so sehr DIY wie es als eine Band von unserer Größe möglich war, und Party Smasher Inc ist einfach ein Ausdruck dieser Ideale. Es ermöglicht uns die bestmögliche qualitative Kontrolle sowie Flexibilität, was uns Freiheit im Business gibt und wir keinerlei Kompromisse hinsichtlich des kreativen Endprodukts eingehen müssen.



„Option Paralysis“ handelt von der Überreizung der heutigen Welt. Das passt zur Musik, aber auch zum Artwork, welches wohl ein Ohr und so etwas wie tausend kleine Bilder darin zeigt, ähnlich wie bei einem Mosaik. Außerdem hat es etwas sehr grelles, vergleichbar mit einem Testbild vom Fernsehr. Kannst du den Lesern von ALLSCHOOLS kurz dazu erklären, was die Hauptidee hinter „Option Paralysis“ ist?

„Option Paralysis“ ist ein Konzept das, wie du schon sagst, auf die Überreizung der heutigen Welt sowie einer daraus möglicherweise entstehenden Hemmung des menschlichen Kontakts und der menschlichen Wahrnehmung abzielt. Es wird immer schwerer zu sagen was wirklich wichtig ist, schwer diesen ganzen Scheiß zu sieben. Je mehr wir von Technologie und Marketing bombardiert werden, je länger wir ständig mit der ganzen Welt in Verbindung stehen, je mehr das private eingedämmt wird, umso mehr trennt es die Menschen voneinander, genauso wie es schwer wird den Kern menschlicher Identität aufrecht zu erhalten. Diese Problematik hallte in allen von uns nach wenn wir über bestimmte Dinge geredet haben, und es lenkte das Songwriting beim Schreiben des Albums.

„Widower“ klingt für mich an einigen Parts wie der Soundtrack zu Filmen wie, ich weiß nicht, James Bond?! Jedenfalls hat es etwas spezielles; eine spezielle Atmosphäre, welche mich immer wieder beim Hören des Albums beeindruckt – und das nicht nur bei „Widower“, und das nicht nur, wenn es zum Klaviereinsatz kommt. Eine Frage, die sich etwas darauf bezieht: Könntet ihr euch vorstellen dass ihr irgendwann tatsächlich mal einen Soundtrack zu einen Film schreibt? Oder braucht ihr immer noch auch diese aggressive, dissonante Seite?

Ich liebe instrumentale Musik. Von bombastischen Soundtracks wie von John Williams, über Brian Eno, bis hin zu New-Age-Pianisten oder instrumentaler Jazz-Musik - und ich liebe digitale elektronische und ich liebe Sachen wie MONO oder MOGWAI. Das hat alles so eine Kraft welche nicht durch Gesang definiert ist, ja besonders für mich, was ja ziemlich ironisch klingt weil ich ja Sänger bin, haha. Ben (Gitarre, Anm. d. V.) und ich schreiben viel instrumentale Musik – ein paar davon von Ben sind auf „Ire Works“ zu hören, und ich schrieb den Bonustrack für die japanische Version namens „Chuck McChip“. Ich würde es lieben irgendwann mal so etwas für einen Film, für ein Videospiel oder einfach eine instrumentale EP zu schreiben. Ehrlich gesagt glaube ich dass es bis dahin auch nicht mehr lange dauern wird.

Alte Kommentare

von Clement 12.04.2010 20:53

super Olli!!

von 50fish 13.04.2010 18:15

Gutes Interview !