Plattenkritik

AUGUST BURNS RED - Phantom Anthem

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Info

Release Date: 06.10.2017
Datum Review: 07.10.2017
Format: CD Digital

Tracklist

 

1. King of Sorrow
2. Hero of the Half Truth
3. The Frost
4. Lifeline
5. Invisible Enemy
6. Quake
7. Coordinates
8. Generations
9. Float
10. Dangerous
11. Carbon Copy

Band Mitglieder

 

John Benjamin "JB" Brubaker − lead guitar
Brent Rambler − rhythm guitar
Matt Greiner − drums, percussion
Jake Luhrs − lead vocals
Dustin Davidson − bass guitar, vocals, keyboards, piano

AUGUST BURNS RED - Phantom Anthem

 

AUGUST BURNS RED sind seit Langem eine feste Konstante in Sachen Metalcore. Während das Genre bestimmt schon seit 10 Jahren von verschiedenen selbst ernannten Spezialisten totgesagt wird, ziehen die Betbrüder aus Pennsylvania nahezu stoisch und zuverlässig wie eine Kirchturmuhr ihr Ding durch. Dabei haben sie über die Jahre nicht nur ihren eigenen Stil gefunden und gefestigt, sondern sie haben ihren technischen Metalcore auch immer wieder mit kleinen Experimenten angereichert und ausgebaut. So hat man den ureigenen Sound auf "Found In Far Away Places" beispielsweise mit Streichern, Western-Gitarren und rockigen Untertönen aufgelockert, was positiv überraschen konnte und gleichzeitig für einen frischen Wind sorgte.

 

Um eines schon mal vorweg zu nehmen, auch das neue Werk "Phantom Anthem" kann mit solchen Momenten aufwarten, lässt sich dafür aber etwas mehr Zeit als der hochgelobte Vorgänger. Der Startschuss fällt in Form des brutalen Metalcore-Stampfers "King Of Sorrow" ziemlich straight forward aus und gibt mit seinem enorm hohen Energielevel den perfekten Opener ab, lässt dadurch aber nur wenig Raum für Experimente. Auch "Hero Of The Half Truth" bietet im Wesentlichen den über die Jahre etablierten Sound und überhaupt fällt die erste Albumhälfte zunächst etwas überraschungsarm aus. Von langweiligen oder gar schlechten Songs kann bei AUGUST BURNS RED natürlich trotzdem keine Rede sein, das Gitarrenduo Brubaker/Rambler haut z. B. wieder reihenweise irrwitzige Melodien raus, von denen andere Bands nur träumen können. Merklich aus der Reihe tanzt allerdings nur das hochmelodische, in Richtung Post-Hardcore schielende "The Frost", das neben leicht frickeliger Gitarrenarbeit auch einen überaus positiven Vibe transportiert.

 

Regelmäßig mit den Ohren schlackern darf man allerdings ab der zweiten Albumhälfte, denn hier haben die Herren zwischen harten Riffs und dicken Breakdowns ein paar richtige Zuckerstückchen versteckt. Die heroische Leadgitarre bei "Quake" geht beispielsweise schon fast in Richtung Power Metal und man reißt quasi automatisch die Faust hoch. "Coordinates" fängt ruhig an und begeistert mit klassischen Rocksoli, wie sie auch schon auf "Found In Far Away Places" zu finden waren. "Genereations" bietet danach eigentlich fast alles: einen explosiven Einstieg, einen hymnischen Mittelteil, verschwitzte Hardrocksoli, totale Eskalation und als Sahnehäubchen zum Ende hin einen relaxt melodischen Part, der klar von hawaiianischer Musik inspiriert wurde. Kinnlade! Tisch! Aloha, Motherfuckers!

 

Mit "Float" gibt es dann noch mal pure Energie und Metalcore in Bestform, mit etwas Post-Hardcore im Abgang. Beim Endspurt schraubt sich "Dangerous" mit erneut halsbrecherischer Melodieführung und fetten Riffs in luftige Höhen, nur um von einem sehr interessanten Intermezzo aus Akustikgitarren und beschwingtem Streichereinsatz (der Bergkönig lässt grüßen) unterbrochen zu werden und gegen Ende in die Mutter aller Breakdowns zu münden. "Carbon Copy" beschließt das Album dann vergleichsweise konventionell mit den üblichen Zutaten.

 

AUGUST BURNS RED demonstrieren erneut, wie Metalcore geht und fühlen sich in ihrer über die Jahre ausgestalteten Nische offensichtlich pudelwohl. "Phantom Anthem" braucht vielleicht ein paar Durchläufe, bevor es richtig zündet und schrammt subjektiv betrachtet ganz knapp am Vorgänger vorbei; trotzdem haben die bibelfesten Chaoten erneut ein tolles Album zwischen gelungenen Selbstzitaten und frischen Ideen herausgebracht und festigen ihren Ausnahmestatus weiter. Grade diese frischen Ideen gilt es auch in Zukunft zu kultivieren, damit man nicht doch irgendwann in die Falle der Redundanz tappt. Davon ist man auf "Phantom Anthem" zum Glück noch weit entfernt.

 

Autor

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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