Plattenkritik

Aggressive Punk Produktionen - Aggro Punk Sampler

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Release Date: 14.05.2010
Datum Review: 25.06.2010

Aggressive Punk Produktionen - Aggro Punk Sampler

 

„Widerstand gegen Deutschland / Widerstand gegen dieses scheiß Land“ werfen einen RAWSIDE als erste Vertreter des „Aggro Punk“-Samplers entgegen. Ganz klar: Hier hat man es mit Musik aus dem nicht gerade zimperlichen linken Sektor zu tun. Antifaschismus, Antikapitalismus, Anti(-radikale-)religiösität, Pro-Individualismus – wer kennt sie nicht, diese Ideale. Und wer sich mit solcher Musik auseinandersetzt kommt auch nicht dabei herum auf das inhaltliche einzugehen, daher: Der „Aggro Punk“-Sampler des neuen – wer hätte es gedacht – Punk-Labels „Aggressive Punk Produktionen“ versteht sich als Statement gegen die heutige, kapitalistische Gesellschaft, aber auch als Abgrenzung von all den Auswüchsen moderner Rock-Musik, welche „den Begriff Punk allenfalls als Deckmantel verwenden, um hier und dort unbeschwerte Kasse machen zu können“. Und wie das so ist (oder zumindest geht es mir so) sympathisiert man schon mit diesen Idealen, welche ja auch (mehr oder weniger) die Hardcore-Szene durchfließen (oder sie irgendwann mal durchflossen haben). Doch in ihrer letzten Konsequenz will man dann doch nicht ganz zustimmen – angefangen bei wie so oft beschworenen Revolutionen (welche in unserem trotz Schwarz-Gelb und Kriese eigentlich recht gut gehenden Staat nichtmal Marx empfohlen hätte) oder generell Parolen, die irgendwie zu grob und verallgemeinernd sind und sich nicht weit vom üblichen Punk-Kanon entfernen – oder schlichtweg idealistisch sind. Musik gibt’s auf diesem Sampler übrigens auch, wobei diese ebenso wenige Überraschungen offen hält wie die textliche Komponente. (Größtenteils deutschsprachiger) Punk der alten Schule eben, roh, direkt und schnell, das Ding heißt eben nicht umsonst „Aggro Punk“ vom Label „Aggressive Punk Produktionen“. Aber gut ist das meiste durchaus, oder sagen wir: kurzweilig. Genrefreunde werden auf jeden Fall ihren Spaß haben - und bekommen auch was sie erwarten. Und selbst wenn man diesen Sampler nicht als Anlaufstelle nehmen will die einzelnen Bands besser kennenzulernen, so reicht auch dieser Sampler als flott nach vorne gehende Beschallung. Und wer mit dem textlichen klarkommt, der kann hier ruhig zugreifen – zumal das Ganze mit etwa 6 Euro bei einer Spielzeit von 80 Minuten fast wie geschenkt ist.

P.S.: Das Ganze nimmt nen Haufen mehr oder weniger bekannter Bands mit. Wer genau das ist könnt ihr in der Tracklist einsehen. Übrigens mit vielen unveröffentlichten Songs der jeweiligen Bands oder neue Versionen alter Nummern.

Tracklist:

01. RAWSIDE - Widerstand
02. KOTZREIZ - Berlin
03. POPPERKLOPPER - Keine Gefühle
04. FAHNENFLUCHT - Mauern
05. ELF - Sie gehen über Leichen
06. RASTA KNAST - Feuertaufe
07. ALARMSIGNAL - Sklaven der Langeweile
08. AUSGELEBT - T.W.N.S.
09. LOKUSBOMBER - Sie hassen uns
10. FREI SCHNAUZE! - Moralischer Krüppel
11. KEIN HASS DA - Setz die Segel
12. MOITEREI - Heute trinken wir auf alles was wir lieben
13. EMSCHERKURVE 77 - Wofür
14. LAK - ...anders leben
15. MISSBRAUCH - Scheisse im Schafspelz
16. OHL - Kein Gottesstaat
17. SS KALIERT - Vorhang Auf (Neue Version)
18. EMILS - Viel zu langsam
19. THE NIKOTEENS - Leader of the rotten corpse
20. BILDUNGSLÜCKE - Herrenmenschkonzerne
21. DISTRICT - Fenster
22. RANTANPLAN - Gewalt und Geld
23. RADIO DEAD ONES - Berlin City
24. SLIME - Mensch - Live 94
25. SKEPTIKER - Wochenendgewalt
26. THE BOTTROPS - H.W.E.N.
27. FEINE SAHNE FISCHFILET - Eine lange Zeit
28. MEINHOF - AACA
29. DAUH - Punk zurück in den Keller
30. BETONTOD - Widerstand

Alte Kommentare

von anti-fa 25.06.2010 22:44

oioioioioioioioioi

von Gääääääähhhnnnnn 26.06.2010 07:20

Wer´s braucht, das Ganze gibt´s zum Nice Price schon lange auf etlichen Samplern im Hause "Mülleimer Records". Ein gutes hat das Release aber dennoch: Er zeigt, in welch erbärmlichen Zustand sich die sogenannte "Punkszene" befindet, wenn es nicht für mehr als nur dumpfe Parolen reicht. Daruf gleich ein Hansa aufgemacht. OI

von Raphael 26.06.2010 10:37

sehe ich ähnlich. als alibi gibts dann rawside aufm sampler, der rest ist dann irgendwie total zusammenhangsloser kram..

von wiesel 27.06.2010 19:45

der Reviewmann ist voller Scheisse

von SonofSkam 28.06.2010 07:55

Word Rapha. Punk ist doch zu einem einzigen Klischee verkommen, was u.a. dieser Sampler eindrucksvoll beweist. Daß da so Spacken wie WIZO wieder auf der Bildfläche erscheinen um nochmal fett abzukassieren (s.h. die zahlreichen Festivals) ist doch nur eine logische Konsequenz davon.

von was laberst du denn 07.07.2010 14:01

marx hätte keine revolution empfohlen? dumm oder was?

von Olivier H. 07.07.2010 14:06

ruhig blut ;) ich denke: nicht in unserem jetzigen deutschland, da es (noch) nicht diesen derartigen kontrast zwischen ober- und unterschicht gibt wie es ihm damals gab und nicht in einem deutschland, in der das volk keine revolution will. die revolution muss vom volk kommen (und gewollt werden), und die zustände müssen entsprechend sein. aber vlt interpretier ich marx auch falsch ;)

von whatever 07.07.2010 17:19

für eine revolution geht es uns einfach noch immer zu gut. der deutsche meckert an sich gerne mal und auch die schere zwischen arm und reich öffnet sich immer weiter, was sich durch die cdu/fdp klientelpolitik auch nicht bessern wird. da werden kindergärten und tagesstätten geschlossen, obwohl es enormen bedarf gibt. abgesehen davon war der deutsche nie gut für revolutionen. in anderen ländern gehen die leute für das was die politiker hier treiben auf die straßen und rasten aus. hier meckert man lieber von der couch aus. (siehe mich, der ich diese zeilen schreibe oder die komplette allschools gemeinde, die ein perfektes beispiel dafür ist) was den punk angeht... punk war und ist immer schon ein einfaches pubertäts mode ding gewesen. vorstadt kids aus guten verhältnissen zerreißen sich die jeans, färben sich die haare und fühlen sich wie die assel-kings. es werden die immer selben parolen geschrien, während man sich mit seinen kumpels besäuft. abends gibts dann stullen von mutti. am peinlichsten sind die bands... ebenfalls aus guten verhältnissen stammend kaufen mami und papi die teuren marshall amps (weil sie so britisch klingen) und gibson gitarren. ein paar jahre gitarrenunterricht beim privatlehrer und die punkband kann gegründet werden. nur um sich bei den konzerten auf kosten des veranstalters zu besaufen. dieser wird natürlich gründlich beschimpft weils ne kommerz sau ist.

von Olivier H. 07.07.2010 17:38

auch wenn das alles unglaublich verallgemeinernd ist ist da auch unglaublich viel wahres dran. (fast) alles schon erlebt

von Olivier H. 07.07.2010 17:44

wobei ich - wie das auch empty visions mal gesagt haben - auch sagen würde dass man nichts für die verhältnisse und den reichtum kann, in den man geboren ist

von nundenn... 07.07.2010 17:57

Man darf aber auch neben den kulturanthropologischen/soziologischen Begebenheiten nicht den historischen Backround vergesssen, denn die extremen tendenzen des Nationalsozialismus und Militarismus die in Dtl und Japan herrschten im 2. Wk haben auch meiner Meinung nach einen moderierenden und mäßigenden kulturellen Effekt gehabt, so dass v.a. diese beiden Länder heute rationaler und weniger "leidenschaftlich" behaftet sind als andere Länder wie z.B. Südamerikas und Asiens und wir quasi mit einer permanenten Konfrontation mit der Vergh. behaftet sind, so dass es hier wohl kaum zur Revolution kommen wird. Stellt nur mal vor wie die intern. Staatengemeinschaft reagieren würde wenn ausgerechnet hier eine polit. motivierte Revolution stattfinden würde...

von Olivier H. 07.07.2010 19:20

soweit habe ich gar nicht gedacht. für meine argumentation wären dann wohl eher andere westlichen staatlichen für eine revolution geeignet. deutschland scheidet da - wie du schon gesagt hast - in punkto nachhallende vergangenheit aus, weil - wie du ebenfalls schon gesagt hast - sowas in frankreich z.B. zwar auch, aber weniger krass gesehen werden würde wie in deutschland.

von Olivier H. 07.07.2010 19:21

(aber selbst da wäre eine revolution eben nicht geeignet, weil zu wohlhabend und nicht das bedürfnis besteht)

von karl m 07.07.2010 20:33

ich habe wohl eine andere vorstellung von revolution als ihr. ihr denkt wohl an randale, bürgerkrieg und gewaltsamer umsturz innerhalb kürzester zeit. ich verstehe revolution als prozess des umsturzes des bestehenden. bis es zum entgültigen umsturz kommt gibt es eine bewegung des proletariats welche sich natürlich erstmal ihrer klasse bewusst werden muss und was sie eigentlich möchte + die bestehenden verhältnisse verstehen bevor sich was ändern kann. diese bewusstwerdung ist die wahre bewegung. der communismus. und das würde sicherlich auch der gute alte marx auch heute noch wollen.

von ausserdem 07.07.2010 20:34

das es momentan keine ernsthafte bewegung gibt (bla den leuten geht es noch zu gut) ist sicherlich richtig. aber das hat ja nix damit zu tun dass marx heute keine revoltution gewollt hätte.

von und 07.07.2010 20:36

diese bewegung muss eine weltweite bewegung sein. den umsturz nur in einem land zu bewerkstelligen ist quark. deshalb ist auch die argumentation was denn wohl andere länder denken würden wenn es in deutschland eine revoltuion geben würde quark.

von nundenn.. 08.07.2010 00:16

aber ehrlich....das ist doch utopisch, cih selber gehöre zu denen die sagen, sei froh dass ´du in einem dem wohlhabensten Länder der Welt lebst...ganz ehrlich, was du schreibst hört sich an wie die Meinung eines Kerls denen ich erst kennenlernte und der genau sowas meinte, nämlich utopischen Blödsinn über Revolution von allen, usw, und Marx setzte erst den Kapitalismus in reinster Form voraus, bzw Marx meinte auch nich das was heute linke wollen sondern sinnvolle Revolution, und die sorgt für Gleichheit und was heißt das? Russischen Kommunismus? Diktatur? Oder den chinesischen? jetzt bin ich neugierig denn ich bin Sinologe, alsofrag ich mich, was ist denn die utopische Illusion von einer Revolution in einem der wohlhabensten aber auch sozialsten länder der Welt???? ich war auch mal extrem links als ich 15 war, aber heute? Mal ernsthaft? Ist Anarchie die Lösung? :D da lach ich drüber, und Marx wollte die Regentschaft des Proletariats in einer vollkommenen Kapitalistischen Herrschaft

von Geschmaxpolizei 08.07.2010 10:01

Das Proletariat ist (falls es je eines gab und gibt), weiter denn je davon entfernt sich zu organisieren, zu rebellieren, mit einer Stimme zu sprechen, sich der eigenen Lage bewusst zu sein, geschweige denn irgendetwas umzustürzen.

von TheGrotesque 08.07.2010 10:36

das sehe ich genau so! bestes beispiel das von der bundesregierung kürzlich gepackte sparpaket, dass eklatant die sozial schwächeren benachteiligt. und die regierung weiß genau, dass diese weit davon entfernt sind, sich zu wehren. die gefahr dabei ist, dass es nur eines funken bedarf, hier einen schwellenbrand zu verursachen. ich wundere mich, warum es noch kein demagoge geschafft hat, diesen zu entzünden.

von murray 08.07.2010 20:38

normal bin ich froh hier zu wohnen. aber ich bin gleichzeitg nicht so asig auf den großteil der menschheit zu scheissen den es nicht gut geht. das ziel ist die vergesellschaftung der produktionsmittel und eine dezentralisierung der pol. entscheidungsfindunden zur kommunalen ebene. (lies mal was von bookchin, albert, ...) also nix mit staatskapitalismus oder so. wir haben heute die technischen vorrausetzungen in echtzeit zu planen wie nie zuvor. mir scheiss egal was marx wollte. seine analye der po. ökonomie ist gut und richtig. das wars. und ich lach über leute die keine ahnung von pol. begriffen und ideen haben. proletarier sind leute welche nichts als ihre arbeitskraft anzubieten haben. natürlich gibt es sie.

von Arndt 14.08.2010 02:08

ich glaube, dass man hier doch gut beraten ist, allschools weiter als musikboard statt als politisches diskussuionszentrum zu verwenden... aber nun gut, vielleicht sehen das einige anders.

von lalibu 06.09.2010 20:01

echt geile platte

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Olivier H.

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"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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