Plattenkritik

Betontod - Antirockstars

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Release Date: 26.08.2011
Datum Review: 15.08.2011

Betontod - Antirockstars

 

Ein echter Antirockstar sein ist gar nicht so einfach: Weder darf man nach der Show reihenweise die Mädels abgreifen, noch im Suff den 50“-Fernseher in den Pool werfen. Keiner wird auf einschlägigen Portalen vierstellige Beträge für getragene Tennissocken bieten oder tagelang mit der Teleobjektivkamera im Gebüsch gegenüber der gigantischen Exklusiv-Villa hocken. Fünf Mannsbilder aus der Heimatstadt des Underberg-Likörs haben sich dennoch guten Gewissens für das Antirockstar-Dasein entschieden. Darauf schon mal einen Kurzen. Auf eine gute Zeit!

BETONTOD aus Rheinberg klingen auf ihrem fünften Studioalbum gar nicht so zart besaitet wie ihr Intro zu „Gloria“, genauso wenig sind sie die stets besoffene Klamaukcombo aus der Asi-Nachbarschaft. Textlich gestrickt bauen Frontmann Meister und Co. straight aus dem Herzen des Potts auf das ehrliche Leben des normalen Mannes, wie „Nebel“ oder „Steh Auf!“ mit bullig produziertem Hintergrundbild aus metallischen Gitarren und fettem Schlagzeug unmissverständlich offenbaren. Klotzig und rau ist der Alltag eines echten Antirockstars: 300 Sachen, Blinker links, Working Class Hero - und nie vergessen, woher man kommt. Man lebt eben nur einmal – dafür dann bitte richtig und aus vollem Herzen. Mit einem Fuß in der lauwarmen Deutschpunkwanne, mit dem anderen auf dem groben Bombastrockhaufen, so stehen BETONTOD stolz und mit erhobenem Haupt in der Mitte ihrer eigenen Schatten: „Auf Eine Gute Zeit“ oder „König Alkohol“ sprechen für sich und dürfen mit gutem Gewissen auf dicke Hose machen, „Keine Popsongs“ und „Nie Vergessen“ erklären Charakter und Hauptaugenmerk der Band, die sich stets mit Druck, DIY und Melodie über Stock und Stein prügelt. Mal scheinen VOLBEAT deutsche Texte zu adoptieren, dann blitzen halbgare Prollrock-Momente durch das Dickicht.

„Antirockstars“ bringt Momente mit sich, die das Blut schneller durch den Körper pumpen lassen, genauso blättert und bröckelt es aber auch mit mal lyrisch leerem Fragezeichen und mal zu gekünstelter Härte. Wenn manch echter Rockstar allerdings soviel Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen mitbrächte wie Maik, Meister, Ado, Eule und Mario, müsste es weltweit keine Furcht vor dem skrupellosem und rabiatem „Antirockstar“ geben. Darauf erstmal noch nen Underberg.


Trackliste:

01. Gloria
02. Gasolin
03. Nebel
04. Auf eine gute Zeit
05. Keine Popsongs!
06. Wenn der Sturm beginnt
07. Steh auf!
80. König Alkohol
09. Mit Vollgas durch die Hölle
10. Blut
11. Nie vergessen
12. Am Ende
13. 20 Jahre

Alte Kommentare

von Clement 29.08.2011 09:01

"Nebel" ist gut

von mäx 05.09.2011 21:08

...geht mir zu sehr in richtung freiwild bzw. onkelz... schade... bis "schwarzes blut" hab' ich betontod gemocht...

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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