Plattenkritik

Broadcaster - A Million Hours

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Release Date: 25.10.2013
Datum Review: 20.11.2013

Broadcaster - A Million Hours

 

Der finale Schulgong vor den Sommerferien oder das Erwachen eines Sechsjährigen am Weihnachtsmorgen etwa sind Momente, für deren musikalische Untermalung eine Platte wie "A Million Hours" aufgelegt werden darf: Einfach und unkompliziert auf der einen, herzerwärmend und mit diesem fiesen Kribbeln in den Fingern auf der anderen Seite. Für Tannenbaum-Romantik oder Badesee ist das Debüt von BROADCASTER aus Long Island allerdings viel zu schade.

"Lässig" wäre eine treffende Wahl, um den Sound der New Yorker in einem Wort zu beschreiben. Wenn College Rock auch heute nicht als Schimpfwort gilt, setzt "The Current" genau hier an: Das erfrischende Gerüst aus geschrammelter Gitarre, trockenem Bass und pochendem Schlagzeug kurbelt die Scheibe bis zum Anschlag herunter, klingt zu keiner Minute eingeschüchtert und lauert mit feisten Hooklines auf. BROADCASTER turnen zwischen GAMEFACE und SUPERCHUNK durch die Sonne, zu "Show Me Something New" oder "Ribbons" reibt Sänger Jesse Litwa dem drögen Alltag reichlich Juckpulver in den Nacken. Da stört es keinesfalls, dass sich "Tomorrow" seinen Strophenteil bei LARS FREDERIKSEN entleiht oder das Trio handwerklichen Überraschungen generell wenig Platz einräumt. "A Million Hours" versteckt sich nicht unter Produktions-Prunk, sondern versüsst lieber kumpelhaft mit "Jamie" und Fingerzeig in Richtung melodischer HÜSKER DÜ oder JAWBREAKER.

Die zehn Songs erlauben sich verlässliche Poppunk-Komplimente wie "Wasting Time With You" und sorgen für stetiges Kopfnicken, was die simplen textlichen Aspekte aus Litwas Feder betrifft. Hier wird nicht geprotzt und nicht erfunden - BROADCASTER arbeiten lieber nach dem "Hau-den-Lukas"-Prinzip: "Wasting time with you was never a waste..." heisst es da geradeheraus. Selten ist ein Album in der Lage, sich mit so minimalen Mitteln um den Hörer zu schlingen wie es "A Million Hours" in Rekordzeit gelingt. Dabei müssen sich BROADCASTER keineswegs verbiegen, um ihren Songs Bodenständigkeit und Klasse einzuverleiben.
Vielleicht beziehen sich Jesse, Tom und Anthony mit ihrem Albumtitel lediglich auf die Halbwertszeit der Platte. Von "The Current" bis "World Turned Gray" jedenfalls erfolgt eine begeisternde Einladung in zehn Akten, die unbedingt desöfteren angenommen werden sollte.

Trackliste:

01. The Current
02. Jamie
03. Show Me Something New
04. Ribbons
05. Tomorrow
06. I Don’t Wanna Talk
07. Petrified
08. Comfortable
09. Wasting Time With You
10. World Turned Gray=

Alte Kommentare

von jensen 22.11.2013 21:46

Wirklich nicht schlecht, die Platte. Aber wie einem bei dieser Musik Hüsker Dü und Jawbreaker in den Kopf kommen können, das verstehe ich kein Stück.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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