Plattenkritik

Broilers - Noir

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Release Date: 07.02.2014
Datum Review: 06.02.2014

Broilers - Noir

 

Meine Erwartungen an den Nachfolger zu „Santa Muerte“ waren relativ hoch, entsprechend gespannt war ich, bevor ich das erste Mal den Play Knopf für „Noir“ betätigte. Mit der Hoffnung ein nächstes Meisterstück präsentiert zu bekommen, geht selbstredend auch die Befürchtung einher, dass die Hoffnungen nicht erfüllt werden können.

Einen ersten Eindruck gab es vorab bereits Ende letzten Jahres mit der Auskopplung von „Ist Da Jemand?“, gleichzeitig der Opener von „Noir“. In erster Linie ein guter Rocksong mit eingängigem Refrain, welcher die Massen zum Mitsingen animieren und Live ganz sicher sehr gut bei der Fangemeinde ankommen wird. Punkiger und ein wenig mehr BROILERS, wie man sie kennt, fängt „Zurück in Schwarz“ an, wobei auch hier, ähnlich wie bei „Ist Da Jemand?“ der Refrain verdammt bombastisch rüber kommt. Ist das zuviel, ich bin am Zweifeln. Aber gut, „Santa Muerte“ war auch in erster Linie kein wirkliches Punk oder gar Oi! geprägtes Album, so dass man wohl kaum er- warten konnte, dass „Noir“ die Rolle rückwärts einläuten würde. Was im ersten Moment fehlt sind, wie z.B. noch bei „Harter Weg“, die BROILERS typischen Stilelement wie Ska typische Gitarrenriffs und Bläser-Einsatz. „Nur Nach Vorne Gehen“ startet mit einem sich mehrfach wiederholendem abgedämpftem Gitarrenriff und Sammy mit sehr zurück haltendem ruhigen Gesang, und Ja, spätestens jetzt kommt man an einem Vergleich mit den TOTEN HOSEN nicht mehr vorbei. Der Beginn des Songs erinnert von seinem Aufbau und der Charakteristik doch sehr stark an „Tagen Wie Diese“. Im weiteren Verlauf des Songs folgt dann aber kein übermächtiger Refrain, wie man es vielleicht hätte erwarten oder befürchten können, trotzdem hätte der Song so 1:1 auf dem letzten TOTE HOSEN Longplayer eine gute Figur gemacht. Ist das nun gut oder schlecht? Ich für meinen Teil saß zuerst schon da und dachte „Ich will BROILERS und nicht die HOSEN“. Liegt das nun an den vielen gemeinsamen Auftritten oder am selben Produzenten? Nachdem ich „Noir“ ein paar Durchläufe gegeben hatte, kann ich mich jedoch immer mehr und mehr mit dem Album anfreunden. „Die Hoffnung Stirbt Nie“, Song Nummer sechs, könnte dafür quasi als Sinnbild stehen.
Eine ruhige gefühlvolle Ballade nur mit Gesang und fast ausschließlich akustischer Gitarre ist der nachdenkliche und melancholische Song „Wo Bist Du, Du Fehlst“. Überhaupt wirken die BROILERS auf „Noir“ relativ nachdenklich und stellen viele Fragen („Ist Da Jemand?“, „Wo Es Hingeht Weiß Ich nicht...“).
„Die Letzten (An Der Bar)“ ist eine weitere Ballade und zugleich ein astreiner Popsong, könnte so auch von UNHEILIG sein, man hört natürlich, dass hier Sammy und nicht der Graf am Gesang zu Gange ist, aber von der Stimmung und Atmosphäre in gleichen Gefilden anzusiedeln.
Direkt im Anschluss wieder ein fast schon durch getretenes Gaspedal. Bei „Grau, Grau, Grau“ rückt auch das Keyboard mal ein stückweit in den Vordergrund, nicht nur als zusätzliches Atmosphäre schaffendes Element, sondern viel mehr fast schon Ton angebend mit Dynamik und Energie.
„Bisher war es ein wirklich gutes Leben“ heißt es beim letzten Song „Gutes Leben“.

Wie bereits erwähnt, wächst „Noir“ bei jedem Durchlauf mehr und mehr zu einem wirklich guten und vielschichtigen Album. Die teilweise noch vorhandenen Ska oder Reggae Anleihen schaffen eine Distanz zu den TOTEN HOSEN, vielleicht hätte es den BROILERS gut getan, sich noch ein wenig mehr auf diese Elemente zu besinnen, um so auch den Vergleichen mit den großen Brüdern aus Düsseldorf ein wenig vorzubeugen. Ganz entscheidend für die Frage, ob einem „Noir“ gefällt oder nicht, ist die Frage in wie weit man bereit ist die Veränderungen mit zugehen oder nicht. Wer sich auf „Noir“ in seiner ganzen Bandbreite einlässt, wird jedenfalls ein neue Highlight in der BROILERS Discography vorfinden.

Trackliste:
1. Ist Da Jemand?
2. Zurück In Schwarz
3. Wo Es Hingeht
4. Nur Nach Vorne Gehen
5. Ich Hol’ Dich Da Raus
6. Die Hoffnung Stirbt Nie
7. Wo Bist Du (Du Fehlst)?
8. Ich Brenn’
9. Nanana (Ich Krieg’ Das Hin)
10. Ich Will Hier Nicht Sein
11. Die Letzten (An Der Bar)
12. Grau, Grau, Grau
13. Der Rest Und Ich
14. Irgendwo Dazwischen
15. Das Da Oben (Nur In Dir)
16. Gutes Leben

Alte Kommentare

von hmm 10.02.2014 21:18

album is scheisse

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Felix M.

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ruhiger, bodenständiger Zeitgenosse

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