Plattenkritik

By My Fury - Demo 2009

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Release Date: 01.01.2010
Datum Review: 11.03.2010

By My Fury - Demo 2009

 

Eine Familie die für dich da ist, was auch passiert

Da sitzen sie. Gerade erst haben sie sich kennen gelernt. Jenny und Marc. Er 19, sie zarte 17. „Über was unterhält man sich jetzt eigentlich?“ grübelt Marc, während er überlegt, direkt zur Sache zu gehen. Er glaubt zu spüren, dass hier erstklassiger Sex in der Luft liegt. Jenny hingegen ist verschüchtert, spürt scheinbar auch etwas von dem Sex in der Luft, würde aber gerne mal die Fensterscheibe vom Corsa runterkurbeln um zu lüften. „Musik!“ denkt sich Marc, die hilft immer. Also schaut er mal, was in seinem Auto rumfliegt. „Willst Musik hören?“ fragt er und bemerkt mal wieder nicht, dass er ein Wort verschluckt hat. Das kreiden ihm die Lehrer auch immer an. Während er im Auto rumwühlt und Jenny leise sagt, dass sie gerne Musik hören würde, aber gleich nach Hause müsse, fällt Marc eine „Hammer“ Platte in die Hand. BY MY FURY. Das sind 1. Kumpels von ihm und 2. passen die musikalisch perfekt auf die Mucke, die gerade auf dem Konzert gespielt wurde. Und gerade da, wo er bemerkt wie geil diese Demo ist, verschwindet auch die Beule in seiner Jogginghose. Auch Jenny’s Bedürfnis nach frischer Luft verschwindet somit automatisch. Jetzt wollen beide nur das, was wirklich zählt: Zelebrier das Moshpit.

BY MY FURY machen keine Gefangenen. Ihre Demo, die Anfang diesen Jahres erschien, entspricht genau den Werten, die ihre Heimat, Koblenz, derzeit vermitteln möchte. Gemeinschaft, Unity, Hardcore – nennt es, wie ihr wollt. Allerdings deckt sich da so einiges nicht mit den Vorstellungen von Jenny.

“Warum“, denkt sie, beschimpft Marc eigentlich alles und Jeden als „Schwuchtel“, wenn doch Hardcore etwas mit der Akzeptanz aller Rassen, Neigungen, Religionen und so weiter zu tun hat? Und überhaupt – Wenn BY MY FURY im Opener „Ultimate Alliance“ etwas von Freunden, „die für einen kämpfen“ singen, meinen sie dann, besoffene Prügeleien in Szene-Diskotheken? Jenny leuchtet das nicht ein, während Marc zu den geilen Beats von „Shoot Em Up“ seine geweiteten Ohrläppchen um seinen Schädel klatschen lässt. „Boah das dampft richtig“ stößt er aus um im nächsten Moment laut zu lachen. Er hat direkt wieder Bock auf eine Show hier.

Die gibt es derzeit genügend. Diverse Veranstalter machen sich derzeit in Koblenz breit, sorgen zwar für Bewegung in der heimischen Szene, setzen ihre Werte allerdings völlig falsch. Die gebuchten Bands, beispielsweise NASTY oder IN BLOOD WE TRUST, ziehen das Publikum förmlich an. Jede Show nah dran am Sold-Out. Und wenn dann man TACKLEBERRY mit COBRETTI spielen? Bands, die wirkliche Werte vermitteln? Die sich lauthals gegen Homophobie aussprechen und weit mehr im Kopf haben, als bloße Phrasen? Da sind die Räume gänzlich leer, die Bewegung bleibt völlig aus, Texte kennt erst recht niemand. Es gab Zeiten, da war Koblenz und das nahe liegende Neuwied weit mehr als stumpfsinniger Deathcore mit Fans, die lediglich im Pit Fressen eintreten wollten. Hier war ein Kernpunkt der Punk und Hardcoreszene, Bands wie STRAIGHT CORNER oder FREE LIVING INSANITY gibt es zwar scheinbar noch, liegen derzeit aber leider brach. Stattdessen verbreitet sich stumpfe Brutalität. In Form von BY MY FURY, um die es hier ja auch eigentlich gehen soll.

Der „Experte“ auf diesem Gebiet wird sagen, dass die vorliegende Demo „Spaß macht“, aber nichts Besonderes ist, was grundsätzlich total übertrieben ist. BY MY FURY reduzieren ihre Musik auf den nächsten Moshpart, grunzen um die Wette und geben sich gar keine Mühe in Sachen Originalität. Vielmehr möchte man hart und brutal sein, setzt auf stumpfe Phrasen die Gemeinschaft projizieren sollen und singt die immer gleiche Leier herunter.

Die EP ist rum und Jenny verspürt wieder das Bedürfnis zu lüften. Marc hingegen ist jetzt richtig heiß gelaufen, möchte zum finalen Schlag.. pardon.. Kuss ansetzen als plötzlich sein Handy klingelt. „Ey Marc, alter Atze, kommste feiern? Weiber und Wodka sind am Start“. „Jow alter“, antwortet er, wechselt schnell die CD und düst los. Im Player: KOLLEGAH.

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Raphael

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