Plattenkritik

Captain Planet - s/t

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Info

Release Date: 16.12.2011
Datum Review: 11.01.2012

Captain Planet - s/t

 

Wo sind die CAPTAIN PLANET Fans der ersten Stunde? Viel Neues gibt es für diese vermutlich im Folgenden nicht. Aber echte Fans kriegen ja schnell einen Herzkasper, wenn es um das hier zu bresprechende Schätzchen geht. Eine neue kleine feine limitierte Platte ist also da. "Alles was zählt, ist zu finden, im Herzen.", unter der Prämisse hätten sich die Kapitäne fast nicht die Mühe machen brauchen. Unter der Prämisse des "vergriffen", aber dann doch allerherzlichsten Dank! Bildungslücken schließen ist für Menschen der unwissenden Betroffenheitsgruppe ab sofort angesagt. Musikalisch sage ich jetzt nichts dazu. CAPTAIN PLANET sprechen längst für sich und müssen keinerlei Vergleiche mit anderen Bands oder Schubladen mehr über sich ergehen lassen.

Die ersten vier Songs der neuen Platte servieren zunächst die alten Songs vom "Unterm Pflaster der Strand" anno 2005 in Neuauflage. Back to the roots. Wo andere Bands sich reunionieren, kehren CAPTAIN PLANET zurück zu den Wurzeln. Wer bei "Inselwissen" noch Angst hatte die Jungs könnten vor Verzweiflung umfallen, der wird gerettet. Zurück zu den Wurzeln heißt im Falle von CAPTAIN PLANET eben die Rückkehr zu altem Positivismus. Dieser natürlich nicht überschwänglich, das wäre auch nicht im Sinne des präferierten Stils. "Nur heute da komme ich zurück- lass mir schonmal die Leiter runter!", so eben. Und wenn es reicht, dann muss man genau dort aussteigen, wo es vorbei ist. Wenn die Party den Höhepunkt erreicht hat. Wenn Bierkästen zu Bleifüßen werden. Sich offen gegen seine Zeit zu stellen und "Nein!" sagen, um sich an dieser Stelle mal an Tucholski anzulehen. Von den alten Zeiten in die neuen. Eine Botschaft? Man müsste sie das mal fragen. Der titelgebende Song ist vielleicht genau das: Das alte Baumhaus mit all den guten, verrückten, erschütternden aber eben auch ersten Erfahrungen, an welche man sich zurückerinnert und sie als Erfahrung einsackt, es aber auch dabei belässt.

Denn es geht ja noch weiter. Und genau dort wird das Jetzt noch genauer seziert. Die Platte hat ein wenig was von Blättern in alten Fotoalben (falls man so etwas heutzutage noch hat). Dann einmal seufzen und den Mist als Dünger gebrauchen. Aus alt macht neu. Das ist sie, die Hoffnung, die sich leise durch die obersten Erdschichten schiebt. Vielleicht. "Schäfchen zählen" und "Tod in der Heide" werden vom alten Splittape (!!!) mit MATULA von 2006 gekratzt, entstaubt und aufgespielt. Und sie schreien wieder. Das tut gut! Da retten sie sich über die erklingende textliche Verzweiflung über den "Tod in der Heide" mit einem beliebten Stilmittel. Das hätten sie doch beibehalten sollen und nicht nur über das Schreien aus voller Lunge singen sollen- fällt einem dabei so am Rande auf.

Zu guter Letzt noch "Eingekehrt" von einem Split mit PLANKE, MIKROKOSMOS23 und ebenfalls MATULA aus dem Jahre 2008. Und der klingt ungefährt sooooo alt. Vor allem im Vergleich mit den vorher gehörten Songs. Was war das mit der Orgel? Doch der Text rettet alles! Wie immer!

Ziemlich verdammt gut das Gesamtwerk. Kunst trifft es hier. Musik, Text, gefolgt vom Blick auf das Artwork. In punkto Optik und Haptik vollstes Erleben. Gute Dinge tangieren alle Sinne. Eine Reise durch die CAPTAIN PLANET Zeit. Limitiert auf 300 Stück, auf neuem Label. Wer hat Glück? Alte längst vergriffene Schätzchen auf einer neuen Platte, die man nicht mehr hinter den 876 anderen raussuchen und entstauben muss. Was machen eigentlich die alten Tapes? Wer kaufen will kauft, wer zwar zu spät ist, aber gut, nimmt sich sie alten Goldstücke zur Ohrmuschel.

"Nimm alles mit und back´s an die Wände- dass es nur so stinkt und kracht! Das ist das Leben!" Aber gerne!

Tracklist:
1. Baumhaus
2. 3 Meter noch zum Glück
3. Neues vom Ende der Schlange
4. Ausgezeichnet
5. Schäfchen zählen
6. Tod in der Heide
7. Eingekehrt

Alte Kommentare

von Fabian 11.01.2012 22:35

wohl die beste deutsche band.

von Mastei 12.01.2012 13:16

Wohl eher nicht.

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Jule

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wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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