Plattenkritik

DEFEATER - Abandoned

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Info

Release Date: 28.08.2015
Datum Review: 27.08.2015
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Contrition
2. Unanswered
3. December 1943
4. Spared In Hell
5. Divination
6. Borrowed & Blue
7. Penance
8. Remorse
9. Pillar Of Salt
10. Atonement
11. Vice & Regret

Band Mitglieder

 

Derek Archambault - voc
Jay Maas - git
Mike Poulin - bass
Jake Woodruff - git
Joe Longobardi - drums

DEFEATER - Abandoned

 

Die neue DEFEATER ist da. Das reicht doch eigentlich als Plattenkritik, oder? Natürlich nicht. Mit der neuen Platte in den Startlöchern schicken sich die Musiker aus Boston, MA einmal mehr an, uns mit durchdachten Lyrics und gutem Handwerk zu überzeugen. So geht die Geschichte der vorherigen Alben weiter.

Nach „Letters Home“ musste es den Herren schwerfallen, noch eine Packung mehr zu liefern. In gewissem Sinne spürt man es auch in den einzelnen Liedern. Es wirkt ein wenig zurückhaltender und generell anders. Dies ist mit Sicherheit dem überraschendem Plottwist zu Schulden. Rechnete man doch mit einem Album, auf dem die Mutter der Familie besungen wird, geht es diesmal um einen katholischen Priester. Es wird definitiv der Bogen zur bisherigen Story geschlagen, aber an dieser Stelle möchte ich nicht vorweg greifen. Man beschäftigt sich vornehmlich mit Religion, Schmerz und der Zerbrechlichkeit unserer Menschlichkeit im Ganzen. Die textliche Tiefe bleibt uns also weiterhin erhalten.

Ebenso hört man deutlich, dass DEFEATER sich gesammelt haben. Nach Derek Archambaults chirurgischem Eingriff aufgrund einer Hüftverletzung, die ihn seit Jahren plagte, beschrei(b)t er sich selbst als nahezu ausgewechselt. Gut, dass der Sound trotzdem eine grundlegend latente Melancholie bewahrt und die Story trägt.

Bei Titeln wie „December 1943“ kann man komplett auf die Handlung hören und doch bleibt am Ende nur die Aussage „No hands to hold.“ wirklich im Kopf hängen. Eben weil sie so stark manifestiert wurde, dass man wirklich ins Grübeln kommt. Generell sind die Texte sehr realitätsnah und gefühlsgeladen, wie auch in „Remorse“. Die Tatsache, dass echte Erlebnisse von Archambaults Großvater, welcher im Zweiten Weltkrieg in der 101st Airborne Division diente, einflossen hilft hier ungemein. Es entsteht ein konstanter Druck auf den Brustkorb.

 

Hinter dem Playbutton bleibt der Nachgeschmack von Schmerz und seelischer Grausamkeit. Dieses Album macht keinen Spaß. Etwas anderes zu behaupten käme wohl einer Beleidigung gleich. Die Bostoner Musiker haben ein vertontes Buch abgeliefert, mit dem man sich beschäftigen muss. Klar kann man es super nebenbei hören. Nur lässt man sich dann wirklich viel entgehen. Für meinen Teil ist es wundervoll, zu sehen, dass es noch solche Bands, fernab von „Hände hoch!“ und billigen Sonnenbrillen mit Plastikrahmen, gibt.

Autor

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Björn

Autoren Bio

Komponist und Produzent im Bereich Videospiele und Kurzfilm.

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