Plattenkritik

DOOL - Here Now, There Then

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Info

Release Date: 17.02.2017
Datum Review: 16.02.2017
Format: CD Digital

Tracklist

 

01 Vantablack
02 Golden Serpents
03 Words On Paper
04 In Her Darkest Hour
05 Oweynagat
06 The Alpha
07 The Death Of Love
08 She Goat

Band Mitglieder

 

Ryanne van Dorst - Voc
Job van de Zande - Bass
Micha Haring - Drums
Nick Polak - Git
Reinier Vermeulen - Git

DOOL - Here Now, There Then

 

Man nehme ein paar erfahrene holländische Musiker und setze sie zusammen ins Tonstudio - was dabei herauskommt, nennt sich DOOL und die liefern mit "Here Now, There Then" ein harmonisches Dark-Rock-Debüt über Träume und Willenskraft ab. Vielleicht ein wenig zu harmonisch.

Geübte Dramaturgen wissen die Spannungskurve zu ziehen. So versuchen auch DOOL mit dem ersten Track „Vantablack“ die Neugierde des Hörers zu erwecken, indem sie sich, anfangs langsam und sanft, schließlich immer bestimmter, an dessen Ohren heranpirschen. Wie sich bereits erahnen lässt, erwartet einen mit "Here Now, There Then" eine melodische Goth-Rock-Platte. Ryanne van Dorsts rauer Gesang färbt die Tracks schwermütig ein ohne Ecken und Kanten zu verlieren, die mehrstimmigen Textpassagen kreieren eine sakrale Atmosphäre.

Ein Jammer eigentlich, diese Dominanz der harten Gitarren und des Gruppensingsangs, denn Van Dorst kann sich auch ohne Verstärkung hören lassen. Wie zum Beweis dreht sie in „Golden Serpents“ im Prechorus noch einmal richtig auf, nur um dann doch wieder ihre Background-Schar um sich zu sammeln. Gänzlich solo zärtelt sie für einen kurzen Moment in „The Alpha“, unaufdringlich, scheu und wunderbar. Der eingängige, abwechslungsreiche Song ist eines der wenigen Highlights des Werks, der Spannungsbogen ist unter den Erwartungen auf halbem Wege zusammengebrochen.

Zwischendurch wagt „Words on Paper“ noch eine energische Wende mit Punk-Akzenten, doch insgesamt wird einem der vorherrschende Grundton schon bald zu einseitig. Man verliert den Faden und sich selbst zwischen den Tönen, die Musik verschmilzt zu einem einzigen Gemütszustand.

Innerhalb dieser Einheit findet man sich in einer verträumt-schwarzromantischen Welt wieder, deren Ästhetik sich nur mit einem Blick durch eine Camera obscura würdigen ließe. Das kindliche Xylophonspiel in „In Her Darkest Hour“ lässt vermuten, dass gleich ein untotes, kleines Mädchen hinter der Ecke hervorkommt. Und ein Geisterchor („Words on Paper“) versammelt sich unter einem knorrigen Baum vor einer gespenstischen Villa à la Addams Family, in der gerade "Here Now, There Then" im Hintergrund der Wohnstube gespielt wird – zu mehr bringt es die Platte leider nicht. Dennoch wurde ein dezenter Eindruck hinterlassen, der Lust aufs nächste Album macht. 

Autor

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Sandra

Autoren Bio

Stadtneurotikerin, 22. Nimmt den Hamsterkauf-Aufruf der Regierung ernst und hortet bereits die ersten Wagenladungen an Platten und Koffein.

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