Plattenkritik

Dreamtigers - Wishing Well

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Info

Release Date: 28.02.2014
Datum Review: 15.04.2014

Dreamtigers - Wishing Well

 

Was Musik und Wein gemeinsam haben kann? Nun, sieht man von den üblichen Eintagsfliegen im Musikbusiness und der leidigen Tetrapack-Plörre aus dem Discounter des Vertrauens einmal ab und beschäftigt sich wirklich einmal intensiv damit, kommt man zu dem Ergebnis: recht viel.
Denn mancher Wein entfaltet erst nach langer Lagerung im Barrique-Fass seinen einzigartigen Geschmack, und genau so verhält es sich eben auch mit manchem Longplayer.

DREAMTIGERS sind keine Band, die den Medienrummel brauchen und genau das macht sie eben auch sympathisch. Kein Getöse, keine Skandale, kein zum bloßen Marketing aufgeblähtes Namedropping, eben nur Musik.

Doch Obacht ist geboten, denn DREAMTIGERS sind leise und bedacht. Sie sind eher nachdenklich als wütend, hinterfragen zaghaft und zweifelnd, untermalt mit zarter Instrumentierung anstatt mit Pauken und Trompeten auf die Barrikaden zu stürmen oder die Mauern einzureißen. Protest muss eben nicht immer laut und ausufernd sein, er muss sich noch nicht mal neu erfinden, denn genau genommen ist dieses Singer/Songwriter-Ding halt auch schon ein paar Tage alt. Doch abgehangen und altbacken klingt dies im DREAMTIGERS'chen Kosmos nicht, und obendrauf wird es noch schmackhaft garniert mit Indie und Folk. Ob das nun schon an den guten alten Emo der Neunziger Jahre erinnert, sei mal dahingestellt. Muss prinzipiell auch jeder und jede für sich entscheiden.

Fakt ist: das Debüt dieser Band macht Lust und Laune auf mehr. Aber zu dieser Erkenntnis wird niemand finden, der das Album nur mal eben so nebenbei hört oder verzweifelt auf der Suche nach unmittelbar erkennbaren Hits ist.

„Wishing Well“ möchte mehrmals gehört werden, will die Chance haben, sich in Ruhe in die Gehörgänge einzunisten. Wer nur besoffen werden will, darf weiter zum 5l-Tetrapack aus dem Nord oder Süddiscounter greifen, möge aber bitte auch die Finger von dieser Perle lassen. Und während die Kunstbanausen am Folgetag über Kopfweh klagen werden, summen wir leise Hits wie „The Escapist“, „So Long“ oder „God Damn My American Heart“. Oder das großartige „Gone Away“.

Aber wir werden genießen und schweigen und Euch nicht verraten, was Balsam für Eure Seele sein könnte.

1.Just A Game
2.Never Know
3.Go Forth Alone
4.Letting Go
5.(Empty Roads Pt.I)
6.The Escapist
7.The Smoke and Low
8.So Long
9.God Damn My American Heart
10.Gone Away
11.(Empty Roads Pt.II)

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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