Plattenkritik

ELWAY - Better Whenever

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Info

Release Date: 24.07.2015
Datum Review: 27.07.2015
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. Our Lady Of The Thompson River
02. Albuquerque Low
03. Better Whenever
04. Lunatic Thirteens
05. Shown To The Moon
06. Ten Letter Word
07. Frequent Wind
08. Third Coast Temple
09. Orphan Histories
10. Delano

Band Mitglieder

 

Tim Browne - Guitar & Vocals
Joe Henderer - Bass
Garrett Carr - Drums
Brian Van Proyen - Guitar

ELWAY - Better Whenever

 

Jede Menge Platz für mulmige Gefühle hält der wohlgeformte Bauch von Tim Browne bereit. Jede Menge - sogar noch mehr als sich zu Zeiten von „Leavetaking“ absehen liess. Wird es manchmal zu eng im Herzen, wenn einem die endlosen Landstrassen vor der Haustür zuviel Zeit zum Nachdenken gewähren? Oder ist die Frage bloss die, wer wie damit umgeht? „Better Whenever“ startet als Erklärungsversuch und endet mit bedrückten Worten.
 
„I’ve been battling my irrelevance for years.“ Kopf hoch, Tim - denn in Wahrheit sitzen wir alle mit im selben Boot. Oder eben Bus. Wer sich die Zunge zu "Dear Colorado" oder „Ariel“ wundgroehlen konnte, erfährt jetzt das nächste Stadium von ELWAY aus Fort Collins, Colorado. Halleluja, es lebe die trockene Midwest-Punk-Klampfe von "Our Lady Of The Thompson River“. Die melodische Hookline ebenso, und die Pappkartonsnare, die nur bei einem Haufen Turbosympathisanten durchgeht, wie es ELWAY welche sind. „When I finally got this right - it’s all yours“. Feiern geht noch immer, aber was war jetzt mit den Gefühlen? Im Titelsong steuert die Band mit müden Beinen und erschöpft in Richtung emotionalem Frontporch-Rock, der sich die letzte Zigarette und alles angestaute Leid teilen will. „Shown To The Moon“ zieht mit und träumt verliebt und zweisam. „Cause I don’t think that I'd survive without you anyway“ stolpert Browne in den Refrain und erinnert an eine Schuhkartonvariante von THE LOVED ONES. Zu dem Zeitpunkt bescherte der Vierer dem Hörer bereits „Albuquerque Low“ und mit ihm die Erkenntnis, dass die Einladung zum Dosenstechen und Bro-Dance mit EL anfängt und mit WAY aufhört.
Clever zwischen Melancholie und Punch eingemummelt wartet auch die THE LAWRENCE ARMS-Verbeugung "Third Coast Temple“ mit untypischem Offbeatansatz und der am knappsten bemessenen Spielzeit unter den zehn Stücken. „Better Whenever“ beansprucht einige Momente zum Warmwerden aber belohnt mit mehr pulsierender Hemdsärmeligkeit, als viele der Kollegen zwischen PBR-Atem und Vollbart zu bieten haben. Wenn "Frequent Wind" schon fast Classicrock-Ansätze verteilt, möchte man das Fenster weit herunterkurbeln und ELWAY ein weiteres Mal für ihren unkomplizierten und freundschaftlichen Sound tätscheln. Der epische C-Teil von "Orphan Histories" im letzten Fünftel schenkt dem Punker Gänsehaut und "Better Whenever" Selbstbewusstsein der hymnischen Art. Wenn im Oktober die fünfte Jahreszeit in Gainesville einzieht, gilt vernachlässigte Textsicherheit mindestens hier als Kapitalverbrechen. Um Weiterentwicklung im Punkrock wird dieser Tage Fass um Fass aufgemacht, von Engstirn bis Mode-Kiddie laufen Meinungen und Toleranzen auseinander. ELWAY bieten mit vierten Album eine friedliche Basis zum Trinken, Schluchzen und Tumult stiften gleichermassen.
 
 

 

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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