Plattenkritik

Egotronic - Die Natur ist Dein Feind

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Release Date: 14.03.2014
Datum Review: 18.03.2014

Egotronic - Die Natur ist Dein Feind

 

Pop stinkt! Mitunter gewaltig. Es lebe der Electropunk im dezenten Indiegewand. Leicht tanzbare Kost für den offensichtlich rebellisch zu behüpfenten Jakobsweg vom Rande der Gesellschaft ab durch die Mitte des spießigen 08/15 Bürgertums.

Der Stachel im Hintern unserer selbstgefälligen Nation ist anno 2014 mitnichten das lebende Bilderbuch auf einem schweren Feuerstuhl, verwickelt in allerlei halb- und illegale Geschäfte. Und auch nicht der eloquente, mit Krawatten bewaffnete Fitnessstudio- und Sonnenbankabonent, der sich regelmäßig beim Sonntagsbrunch in vielfältigen innen- und außenpolitische Diskussionen vehement einbringt. Der eigentliche Stachel sitzt tiefer, weil er kaum wahr genommen wird, weil er für die Mitte irrelevant ist. Nichts als ein bemitleidenswerter oder zu verachtender Spinner; je nach Betrachtungsweise und politischer Gesinnung der Mitt-Läufer. Sein Name: Torsun Burkhardt. Seine Waffe: EGOTRONIC! Die Mission: vertonter Dilettantismus!

„...dass die Kette spannt, merkst Du wenn Du Dich bewegst...“ (aus „Oh Oh“)

„Die Natur ist Dein Feind“, Album Nummer sechs der Berliner EGOTRONIC lädt ein; zum smarten, pazifistischen Schunkeln gegen Perfektionismus, für Aufbruch durch Ausbruch, für einen Aufprall ohne Helm. Denn es muss weh tun. Sonst ist der Lerneffekt gleich null, der Verfall und die Fäulnis nicht zu stoppen.

Torsun kann nicht singen, aber er kann texten. Und der Rest der Truppe untermalt genau diese Texte mit einem sehr eingängigen Sound, der sich direkt im Ohr einnistet, ob man will oder nicht. Das ist selten aufregend und hin und wieder so schräg und schlecht, dass es halt einfach nur geil ist. Ob es nun das melodiestiftende Tasteninstrument ist, die punkige Gitarre oder das treibende, zum Tanzen anregende Schlagzeug. Alles für sich würde das in etwa soviel Empathie hervorrufen wie ein umfallender Sack Reis im asiatischen Raum. Gekrönt mit Torsun's leicht quäkendem Sprechgesang sind das EGOTRONIC im Jahre 2014 in Bestform. Ohne Wenn und Aber. Denn wer eine Hymne wie „Die Band der Vollidioten“ vertont, dem gehört eigentlich auch so ein dämlicher Echo-Award verliehen, gemäß der Devise: Stumpf ist Trumpf!

Punkte 7/10

Tracklist:
1.Intro
2.Die Natur ist Dein Feind
3.Glücksversprechen
4.Ich will nicht rein
5.Nicht dazu gehör'n
6.Krümel (feat. Kulla)
7.Noch nicht vorbei
8.Oh Oh
9.Neuronen im Garten
10.Pop stinkt!
11.Wie lange?
12.Raubzüge (feat. Christough!)
13.Die Band der Vollidioten (feat. Crackhuren-Chor)
14.Edwin Van der Sar (Dackelblut Coverversion)
15.Outro

Alte Kommentare

von . 19.03.2014 21:09

Nationen und Leute wegen ihrer ethnischen Herkunft hassen ist so 1933. Gibts hier demnächst auch Rezensionen zu Stahlgewitter?

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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