Plattenkritik

From This Day On - Wounds

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 01.01.2011
Datum Review: 27.03.2011

From This Day On - Wounds

 

Jetzt mal alle Arroganz-Vorwürfe gegen mich auf Seite, ok? Und ehrlich: Wieviele von Euch sagen eigentlich auf die Frage hin, was ihr für Musik hört, noch voller Überzeugung "Hardcore"? Da nuschelt man doch inzwischen lieber was von Folk, Singer/Songwriter und Joy Division, sogar Post-Rock lassen wir doch inzwischen ignorant unter den Tisch fallen. Die Individualität unser aller soll doch gewahrt werden. "Hardcore hör ich eigentlich kaum noch" - klar - deshalb hängen wir auch mindestens 4 Mal im Monat in einem versifften Club und springen auf den Köpfen anderer herum oder spielen vielleicht sogar selbst in Bands, die, klar, Hardcore oder mindestens harten Punk spielen. Also was hält uns in dieser Szene, auch wenn wir sie nur am Rande zelebrieren bzw. wahrnehmen? Nichts. Klar! Und jetzt mal ehrlich? Auch wenn jedes Release irgendwann zu einer vorhersehbaren Platte wird (man nehme die schnell fallen gelassenen letzten Alben von KILLING THE DREAM oder THE CARRIER) oder auch jede Band irgendwann in die Kritik gerät und so fallen gelassen wird (man nehme DEFEATER aktuell), bietet das Monster Hardcore doch für alle noch Überraschungen. Jene findet man inzwischen aber bestimmt nicht mehr bei den Labels, die man seit Jahren auscheckt, sondern vielleicht im örtlichen JuZe und dem Support-Slot. Denn genau jene Bands (natürlich nicht alle - aber eben einige) trauen sich noch (wie gesagt - einige) mal "was anderes" zu machen. Ich rede jetzt nicht von Geigen in Songs, von Synthies oder gar Akustikgitarren - aber zum Beispiel von markanten, fassbaren und gegenwärtigen Stimmen.

FROM THIS DAY ON zum Beispiel wären so eine Band. Gesehen im Vorprogramm von DEFEATER und CARPATHIAN in Berlin überraschten sie ungemein wegen eben der Stimme des Sängers, die Eingägigkeit, Signifikanz und Wiedererkennung innerhalb kurzer Hardcore-Punk Songs wiederspiegelten. Dabei ist das was auf der aktuellen 7" "Wounds" musikalisch abgeliefert wird nicht gerade das, was man als typischen Hardcore bezeichnen würde. Dank der Stimme, die eigentlich alles macht außer wütend herumbrüllen, erhalten auch die Sogs einen speziellen Verve, den die Band vll. gewollt, vll. aber auch ziemlich unbewusst so auf Platte bannen konnte. Man könnte durchaus sagen, dass "Wounds" so klingt, als würden THURSDAY sich selbst auf einer Demo covern, die darauf ausgelegt ist tiefer im Hardcore (wohlgemerkt: OHNE das furchtbare "Post" davor) zu wühlen, während sie persönlich eigentlich nur verzweifelten US-Ami-HC hören. Musikalisch also einfach sehr wertvoll, zuweilen speziall, gerade wenn "S.O.S." sich zu einem kleinen Hit bündelt oder "Farewell" genau das ist, was man insgeheim vielleicht mal als "Übersong" betiteln würde. Natürlich muss man beachten, dass qualitativ einfach vom Recording her hier keine Ami-Produktion gefahren wird sondern man sehr minimalistisch und roh nach Proberaum klingt. Insgesamt aber soweit ganz top.
Wären da nicht die Texte, die stellenweise zu plakativ, zu platt geraten sind. Wenn beispielsweise ein Chor im Hintergrund brüllt "i hate myself", dann kann, muss man das aber so nicht glauben. Aber eigentlich war es das auch schon, was es an "Wounds" zu bemängeln gäbe.

Und warum so ausführlich? Ziemlich einfach: FROM THIS DAY ON sind erneut eine deutsche Band die macht was sie möchte und dafür bestimmt vielerorts mal wieder aneckt. Dass man aber auch ohne Folk, Singer/Songwriter, aller "Post"-Geschichten und Joy Division im Nacken auskommt ist 1. erfreulich, 2. nötig und 3. sehr erfrischend. Fazit: 7" kaufen und begeistert sein - es lohnt sich.

1. Away
2. Farewell
3. S.O.S.
4. I want to forget
5. No Salvation (only download)

Alte Kommentare

von simtz 27.03.2011 12:25

schon richtig beobachtet, dass wir uns irgendwie alle ein bisschen für hardcore schämen, aber dass defeater in kritik oder dass die neuen carrier/ktd alben irgendwie in vergessenheit geraten sind, ist entweder etwas übertrieben oder ich bin einfach uninformiert. lokale bands unterstützen ist immer gut

von Raphael 27.03.2011 12:49

ist nur meine beobachtung. ich persönlich habe die platten zum beispiel auch sehr wenig gehört weil sie mich nicht mehr interessiert haben

von weil ihr selbst 27.03.2011 21:42

so militant seid, alles in Grund und Boden analysiert, weil ihr die Lehrmeister der Subkultur spielt und normales menschliche Verhalten nicht mehr akzeptiert! Ihr macht mit Euer Arroganz und Ignoranz die Szene kaputt! Alles was nicht in Eurer Raster passt, ist schlecht und gehört verband! Ihr seid so intolerant, dass ihr am falschen Ende der Farbpalette wieder rauskommt! Und eines sei Dir mal gesagt Du Schlauberger, Hardcore hört man nicht, man lebt es, aber das lernst Du auch noch!

von simtz 27.03.2011 23:36

hihi. muss zugeben, dass ich mich nich viel mit den benannten alben beschäftigt habe. habe die blöde angewohnheit, wenn ich etwas als perfekt empfunden habe, danach damit aufzuhören. travels war perfekt. no love can safe me war perfekt. fractures war perfekt. von daher gehts mir ähnlich, raphael

von Tobe 28.03.2011 13:28

also ich höre metal, punk, postrock, n bisschen elektro und hip hop wenn ich grad lust und laune habe, und ja, zur zeit wieder ziemlich viel hardcore. und ich schäme mich für gar nix. interessiert zwar keine sau, musste aber mal gesagt werden. grade von defeater, ktd oder the carrier find ich die neuen sachen schon ziemlich gut, wenn auch nicht überragend. und die hier besprochene platte ist myspace nach zu urteilen definitiv wert sich näher damit zu beschäftigen.

von Clement 28.03.2011 15:53

ich "höre" auch hardcore, ich "bin es" aber nicht!

von finn 28.03.2011 20:12

jaja...die die hardcore "sind", sind es meistens auch ganz schnell wieder nicht.

von wei ihr... 28.03.2011 21:12

so "unglaublich schlauen" menschen auch nur darüber schreibt, und hardcore zu leben, bedeutet etwas anderes als es zu sein oder wie der erste von euch schrieb "ich bin es nicht" aber auch das wird euch in euerm armseligen Dasein nie bewusst werden. Lebt Eure Sichtweise aber hört bitte auf zu klugscheissen, ihr werdet es eh nie erfassen!

von Steve 28.03.2011 22:55

Leben und leben lassen, so lang andere dadurch nicht gestört werden...

von Steve 28.03.2011 22:55

P.S. From This Day On sind Live ein bisschen langweilig. Aber die Platte gefällt mir gut...

von Mastei 28.03.2011 23:05

@wei hier... du hast in deinem Namen das "l" vergessen!

von finn 29.03.2011 00:26

vllt. könnte ja mal jemand einen leitfaden zu "hardcore leben" auf facebook hochladen. wäre an so etwas durchaus interessiert. als belohnung winkt auch ein "gefällt mir"!

von find ich nich gut. 29.03.2011 13:21

mal echt nich. weil facebook gar nich mal so diy kommt. stay true, stay you undso. bitte ohne marek z. ach ja, die scheibe find ich dann doch gut.

von erinnert 29.03.2011 13:24

mich an die erste platte von take it back!

von YEAH. 29.03.2011 17:07

soviel zur unity im hochgelobten hardcore: http://www.shortnews.de/id/884981/Hardcore-Saenger-bricht-waehrend-Konzert-Fan-den-Kiefer http://www.zocial.tv/today/Nonprofit/11688385/trapped-under-ice-beating-up-a-fan

von simtz 29.03.2011 18:32

ich hab nicht "ich lebe es nicht" gesagt. ich hab nur gesagt, dass ich mich dafür schäme

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Raphael

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