Plattenkritik

GWLT - Stein & Eisen

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Info

Release Date: 29.01.2016
Datum Review: 02.02.2016
Format: CD Digital

Tracklist

 

1. Stein
2. Ruhe & Frieden
3. Seltsame Liebe
4. Die Grundmauern der Furcht
5. Eine Taufe aus dem Staub
6. Bis Dein Lebenslicht Erlischt
7. Von Der Dunkelheit Und Ihrer Anziehungskraft
8. Watts 1965
9. Der Beste Mensch
10. Randale
11. Hannah Arendt
12. Zeichen An Der Wand
13. Eisen

Band Mitglieder

 

David Mayonga - Vocals
Chris Zehetleitner - Guitar
Florian Gudzent - Guitar
Fabian Füss - Drums
Michael Kokus - Bass.

GWLT - Stein & Eisen

 

Jawoll, nach 4 EPs hauen die erst 2013 gegründeten GWLT mit "Stein & Eisen" nun ihr erstes Album raus. Das wurde auch Zeit, denn trotz guter Songs fehlt es einer Ansammlung von EPs im Vergleich zu einer Platte in voller Länge natürlich immer ein wenig an Nachhaltigkeit. Mangelnden Einsatz kann man den Münchnern allerdings definitiv nicht vorwerfen, wurden die bisherigen Veöffentlichungen doch von diversen Videos und einer gut organisierten Social-Media-Kampagne begleitet. Dennoch, die Veröffentlichung von "Stein & Eisen" dürfte GWLT nochmal einen ordentlichen Schub geben, denn das Album hat es wirklich in sich.

Auch auf dem Debüt dominiert weiterhin eine hochexplosive Mischung aus massiv groovendem Hardcore und Rap mit kritischen, gut durchdachten Texten. Wenn Crossover wirklich tot sein soll, dann haben GWLT sich davon nicht sonderlich beeindrucken lassen. Besonders Frontmann David Mayonga muss man hier ein großes Lob aussprechen; ob nun pfeilschnelle Raps, Cleangesang oder wütende Shouts (die mich persönlich immer wieder stark an Lou Koller erinnern), der Mann mit der Reibeisenstimme weiß einfach auf ganzer Linie zu überzeugen.

 

Im Intro "Stein" wird zunächst klargemacht, worum es bei GWLT geht: um den Kampf gegen widrige Umstände, um das Wiederaufstehen nach der Niederlage, um Zusammenhalt und schlicht um das Sammeln von Lebenserfahrung. Die knackige Hardcorenummer "Ruhe & Frieden" kennt man bereits von der letzten EP, ebenso wie das Crossoverbrett "Die Grundmauern der Furcht", bei dem der Fünfer mit dem sich wie ein Gift verbreitenden Alltagsrassismus abrechnet, der auch heute wieder in Deutschland um sich greift. Dazwischen sorgt "Seltsame Liebe" mit prägnanten Gangshouts und einem fetten Breakdown für ordentlich Stimmung im Moshpit; textlich setzt sich die Band mit der Frage nach dem Ursprung der menschlichen Zerstörungswut auseinander, während sie musikalisch selbst alles einreißt.

 

"Eine Taufe aus dem Staub" schlägt in eine ähliche Kerbe, bevor es mit der reinen Hip-Hop-Nummer "Bis das Lebenslicht erlischt" und dem ruhigen "Von der Dunkelheit und ihrer Anziehungskraft" eine kurze Verschnaufpause gibt. Eben diese beiden Nummern sind es dann auch, die mir auf "Stein & Eisen" am wenigsten gefallen; handwerklich sind zwar beide nicht schlecht gemacht, ich bevorzuge jedoch die etwas härtere Gangart der Bayern. Damit geht es in der zweiten Albumhälfte dann auch ungebremst weiter, von ihrem lobenswerten lyrischen Konzept lassen GWLT ebenfalls zu keinem Zeitpunkt ab. Das Ganze ist zudem extrem livetauglich und gehört zweifellos auf die Bühne, man will eigentlich schon beim ersten Hördurchgang den Großteil der Texte mitbrüllen und sich bewegen, sei es zum punkigen "Watts 1965" oder zum Hardcorestampfer "Randale".

 

Abschließend wird man vom wieder etwas ruhigeren "Eisen" geprügelt aber zufrieden aus einem Album entlassen, das zum Nachdenken anregt, während es einen gleichzeitig im Nacken packt und wiederholt gegen eine Steinwand donnert. Gleich nochmal bitte.

 

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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