Plattenkritik

Gone To Waste - T.O.W.L.T.F.

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Release Date: 13.09.2013
Datum Review: 26.09.2013

Gone To Waste - T.O.W.L.T.F.

 

GONE TO WASTE, wenn auch hier auf Allschools abgesehen von einem positiven Live-Review noch nicht besprochen, sind in Hardcore-Deutschland keine kleine Nummer mehr. Schon längst hat sich die Warburger Band um Frontmann Lukas auf mancher Show den Headliner-Slot er- und in die Herzen mancher Fans gespielt. Grund genug, dem neuen Release "T.O.W.L.T.F." auf den Zahn zu fühlen, denn spätestens jetzt wird es ernst.

Verglichen mit der vorherigen Veröffentlichung, der Another Brick 7", ist vor allem der Sound fetter und das Songwriting kompakter und besser geworden. Das wird gleich nach dem kurzen Intro (Quote aus Gran Torino) bei der ersten Nummer, "Weapons of Mass Consumption" (wurde bereits vorab gepostet), klar. Drums und Bass preschen zu Beginn nach vorn, und dann geht die Vorstellung los: Nicht nur der Moshpit wird hier jederzeit bedient, sondern auch die Lyrics laden zum mitsingen ein. Hart und verständlich zugleich zu klingen, das schaffen in der Hardcore-Szene leider zu wenige Sänger - Lukas schon. Sehr gut gefällt mir bei diesem Song auch, wie die Backing Vocals immer wieder eingebunden werden und die hohe Gitarre in einem verdammt harten Song funktioniert. "Civilized/Traumatized" lässt mich aufgrund der ausgefallenen Idee gleich an den Mittelteil von "Astigmatism (of the Phallic Muscle)" von Twitching Tongues denken, darauf folgt ein feinster NYHC-Riff der Marke Madball (spätere) kombiniert mit einprägsamen Shouts. Nach einem kurzen Side-to-Side-Part inklusive Gitarrensolo folgt dann ein Gesangspart, der sich fast schon nach James Hetfield anhört. Passen tut das aber.
Der Titeltrack „T.O.W.L.T.F“ gibt bis zu seinem Chorus ebenfalls keine Verschnaufpause. Es folgt nach kurzen Gangshouts der vielleicht härteste (Side-to-Side)Part der Platte. „The Mirror“ ist denen, die die Jungs ab und zu mal live sehen, durch das einprägsame Intro sicherlich schon im Gehörgang geblieben. Textlich prangert man hier an, dass es uns in unserer westlichen Gesellschaft eigentlich viel zu gut geht, ohne dass wir dies zu schätzen wissen – und GONE TO WASTE wissen scheinbar, dass sie selbst diesbezüglich auch keine Ausnahme sind (so interpretiere ich zumindest mal den Titel des Liedes). Die Zeilen ab 1:47 sind absolut prädestiniert für einen Guestpart bei Live-Shows – geil!
Noch schneller auf den Punkt als der Rest der Songs kommt dann „And the Wheel Keeps Spinning On“ – nicht mal eine Minute dauert das ganze Stück und den Rest lässt man dann nach ausgiebigem 2-Step-Part die Hip-Hop-Formation Non Phixion erledigen. Mit „No Escape“ folgt zum Ende der EP der klare Stellungsbezug gegenüber Nazis – das mag als ausgelutschtes Thema in der Welt der Hardcore-Texte gelten, wurde aber selten so gut verpackt wie in diesem Song. Mal ganz davon abgesehen wird die Debatte immer wieder aktuell, wenn Leute aus dem rechten Spektrum auf Hardcore-Shows auftauchen oder wieder mal eine offenkundig rechtsmotivierte Hardcore-Seite auf Facebook auftaucht. „Zero tolerance for nazi scum – GTW CREW FUCK YOU!“.

Unter dem Strich: Moshpitgeeignet, groovig, auf den Punkt und vor allem mindestens genau so gut wie so manche US oder UK-Band, die durch die Lande tourt. Mit dieser EP in der Hand dürften es GONE TO WASTE noch einfacher haben, ihren ohnehin gut gefüllten Tourkalender aufzustocken. Bleibt zu hoffen, dass die Warburger damit auch in Europa mehr Aufmerksamkeit bekommen! Für mich unbestritten eines der besten Hardcore-Releases aus Deutschland im Jahre 2013. Wer noch ein paar Referenzen braucht: Fans von GUILTY, BROKEN TEETH, EXPIRE, aber auch NO WARNING oder GUNS UP! kommen hier vollends auf ihre Kosten und dürfen eigentlich keinen Bogen drum herum machen.


Tracklist:
1. Weapons of Mass Consumption
2. Civilized/Traumatized
3. T.O.W.L.T.F.
4. The Mirror
5. And the Wheel Keeps Spinning On
6. No Escape


Die EP kann man anhören auf:
gonetowaste.bandcamp.com

Autor

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Marcel M.

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