Plattenkritik

HEISSKALT - Vom Wissen und Wollen

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Info

Release Date: 10.06.2016
Datum Review: 09.06.2016
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Euphoria
2. Absorber
3. Nacht ein
4. Angst hab
5. Apnoe
6. Trauriger Macht
7. Von allem
8. Doch
9. Nichts weh
10. Lied über Nichts
11. Tanz, Tanz
12. Papierlunge

Band Mitglieder

 

Mathias Bloech
Marius Bornmann
Philipp Koch
Lucas Mayer

HEISSKALT - Vom Wissen und Wollen

 

Ein Debütalbum inklusive Charteinstieg, immer größere Hallen, Festivals und eine stetig wachsende Popularität. Das rasante Wachsen vertragen nicht viele Bands und lässt ihre Nachfolgealben an Popanbiederungen oder Experimentierwahn scheitern. Mit „Vom Wissen und Wollen“ zeigen HEISSKALT wie man dem Druck standhält und sein Gesicht bewahrt.

 

Vorabsingles sind Fluch und Segen zugleich. Stärken sie die Vorfreude auf das große Ganze, können sie aber auch Ängste schüren und der gehegten Hoffnung die Luft rauben. Als HEISSKALT mit „Euphoria“ ihr erstes Video zum kommenden Album auf die gespannte Meute los ließen, konnte diese so gut wie sicher sein, dass der auf „Vom Stehen und Fallen“ eingeschlagene Weg auch auf dem neuen Langspieler weitergegangen wird. „Absorber“ war mit seinen Samples und der etwas „elektroangehauchten“ Atmosphäre auf dem ersten Eindruck eher verstörend als befriedigend, brachte aber dank seines großartigen Finales alle geäußerten Meinungen auf einen Nenner: HEISSKALT lassen sich nicht in die Karten schauen. Wenn sich Bassist Lucas Mayer auf dem bereits genannten „Euphoria“ und Opener des Albums gut 70 Sekunden Zeit nimmt, bis er den Song und das Album mit ausreichend Druck flutet, haben HEISSKALT das Steuer bereits fest in ihrer Hand. Dabei ist es für den Hörer nie wirklich vorhersehbar wo hin die Fahrt führen wird. Auf der anderen Seite zeigt sich jedoch mit jeder fortlaufenden Sekunde immer deutlicher, dass HEISSKALT es umso besser wissen. War „Vom Stehen und Fallen“ in seiner jugendlichen Blüte noch zugänglicher und greifbarer und vielleicht auch etwas naiv, strahlt „Vom Wissen und Wollen“ eine ganz andere Reife aus. Im Zusammenspiel zwischen Bass und Schlagzeug klingen die Songs rhythmusorientierter und die Gitarren noch mehr raumgebend und richtungsführend. Dazu wirken die Texte von Mathias Bloech stellenweise desillusionierter und hinterfragender als noch zuvor. Die zwölf Songs klingen wie eine Mischung aus OK KID ohne Hip Hop Kante aber dafür mit ganz viel DREDG-Harmonien plus einer FJORTartigen Brachialgewalt, die jedoch gänzlich auf den Charme des Hardcore verzichtet. Dabei ist dieser „Postrockwasauchimmermix“ stets tanzbar wie mitreißend. Erhalten geblieben sind auch die nachdenklichen Momente, wie sie in „Trauriger Macht“ oder „Von allem“ zu hören sind. Von seiner Produktion gesehen ist „Vom Wissen Und Wollen“ dank seines organischen Druckes und Klarheit ein wahrer Genuss, welcher in jeder Note glänzt. Auch das reduzierte Artwork ist wieder einmal ein gelungener Blickfang, der den Gesamteindruck dieses außergewöhnlichen Albums abrundet.

Sicherlich ist „Vom Wissen Und Wollen“ kein Album, welches einem sofort euphorisch um den Hals fällt. Es fordert Aufmerksamkeit und nimmt sich Zeit zum Wachsen. Aber das macht es so besonders. Und das macht HEISSKALT so besonders und zu einer der wahrscheinlich interessantesten und aufregendsten Bands der heimischen Musikszene.

 

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Mulder

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