Plattenkritik

HELLIONS - Opera Oblivia

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Info

Release Date: 29.07.2016
Datum Review: 01.08.2016
Format: CD Digital

Tracklist

 

1. 24
2. Quality Of Life
3. Thresher
4. Lotus Eater
5. He Without Sin i) Halation
6. ii) Heels Of The Hands
7. Bad Way
8. Nightliner Rhapsody
9. Nuestra Culpa
10. 25

Band Mitglieder

 

Dre Faivre - Vocals
Anthony Caruso - Drums
Matthew Gravolin - Guitar / Vocals
Josh Campiao - Guitar
Chris Moretti - Bass

HELLIONS - Opera Oblivia

 

Holla, das dritte Album der Melodic Hardcoreler HELLIONS aus Sydney lässt einen nach dem ersten Hördurchgang erstmal etwas verdutzt zurück. Das liegt nicht daran, dass das Material auf "Opera Oblivia" sonderlich sperrig wäre, sondern viel mehr an der schieren Ideenvielfalt, die man so erstmal nicht erwartet hatte. Gerechnet hatte ich nämlich mit einem relativ konventionellen Melodic Hardcore Album, stattdessen spielen sich die Satansbraten auf "Opera Oblivia" vollkommen unbeschwert und ohne Scheuklappen durch sämtliche Unterarten moderner Rockmusik und pfeifen dabei auf Konventionen.

 

Der Opener "24" zum Beispiel tarnt sich zunächst als Crossover Nummer mit latentem 90er Flair und kommt kurz darauf mit einen hymnischen, leicht theatralischen Chorus um die Ecke, der gegen Ende des Stückes nur von rhytmischem Klatschen begleitet wird und eher an ein Musical als an eine Oper denken lässt. "Quality Of Life" bratzt anfangs ordentlich los, nur um darauf mit einer pop-punkigen Hookline zu überraschen und zum Mittelteil nochmal kurz das Hardcorebrett auszupacken. "Thresher" kommt ebenfalls latent poppig daher und bringt auch wieder jene hymnischen Chöre und den Hang zur Theatralik mit, der sich wie eine roter Faden durch das Album zieht und der Scheibe den eingangs erwähnten Musical-Touch verleihen. Mit Bedacht eingestreute Streicher und Spoken-Word-Passagen, wie sie unter anderem bei der eindringlichen Crossover/Emocore-Hymne "Lotus Eater" verwendet werden, bekräftigen diesen Eindruck. Auch wenn der direkte musikalische Vergleich vielleicht erwas hinkt, vom bloßem Feeling her weckt "Opera Oblivia" durchaus Erinnerungen an "The Black Parade" von MY CHEMICAL ROMANCE. Im weiteren Verlauf des Albums gibt es Anleihen aus New Metal, Post-Hardcore, Punk und sogar Funk ("Bad Way") auf die Ohren, einen Mangel an Experimentierfreude kann man den Jungs definitiv nicht vorwerfen. Dabei treffen die Australier zwar nicht immer voll ins Schwarze, stellenweise tragen sie in Sachen Pathos etwas zu dick auf ("Nuestra Culpa") und die flotte Melodic Hardcore Nummer "Nightliner Rhapsody" wirkt im Gesamtkontext geradezu gewöhnlich, aber von Totalausfällen kann keine Rede sein. Bei dem hier gebotenen Abwechslungsreichtum kann man halt auch mal ein wenig kleckern.

 

Insgesamt muss man den HELLIONS mit "Opera Oblivia" ein mutiges Album attestieren, das sich nicht um irgendwelche Regeln schert und auf dem es für den geneigten Hörer einiges zu entdecken gibt. Zudem empfiehlt sich Down Under mal wieder als fruchtbarer Nährboden für interessante Bands (im Rock- und Metal-Sektor), die auch mal über den eigenen Tellerrand hinausblicken und ihre Grenzen regelmäßig neu abstecken.

 

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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