Plattenkritik

HEY RUIN - Irgendwas Mit Dschungel

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Info

Release Date: 16.01.2016
Datum Review: 17.02.2016
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Schleuse
2. Tut Das Not
3. Appetite For Deconstruction
4. Spaß Als Fetisch
5. Arthur Und Die Diaspora I
6. Hemd Offen (Feat. Jörkk / Love A)
7. Zwerge
8. Basic Schutzinstinkt
9. Arthur Und Die Diaspora Ii

HEY RUIN - Irgendwas Mit Dschungel

 

Wenn die erste, golgende Vinyl-Version eines Debütalbums schon vor dem eigentlichen Release ausverkauft ist, scheint eine Band nicht alles falsch gemacht zu haben. HEY RUIN legen nach der (mittlerweile fast üblichen) ersten 7inch Platte noch mal 5inch nach und beweisen dass sie es auch auf 12inch drauf haben.

Dass HEY RUIN aus Ex-Mitgliedern von MNMNTS besteht dürfte mittlerweile jedem Bekannt sein. Vorband von LOVE A, (bald Vorband von TURBOSTAAT,) Plattenvertrag bei THIS CHARMING MAN RECORDS,... die aus Trier und Köln stammende Combo hat es, auch ohne Album, schon ganzschön weit gebracht. Und das völlig zu recht.

Schlaue, verschachtelte Texte, die einem zwar zum Nachdenken bringen, gleichzeitig jedoch Antworten liefern treffen auf eine Mischung aus Indie, Punk und Hardcore. Für Indie zu hart, für Punk zu anspruchsvoll und verspielt, für Hardcore zu lasch. HEY RUIN spielen eine einzigartige Mischung aus allen Genres, ohne sich dabei auf eines festzulegen. Studentenpunk würde man wahrscheinlich dazu sagen(, aber doch irgendwie auch nicht). Auf aggressive, emotionsgeladene Parts folgen instrumentale, sich über Minuten langsam auf und abbauende Gegenstücke, die sich wie ein Puzzle zusammenfügen. Auch ohne Gesang würde die "Hintergrundmusik" alleine noch immer ein super Instrumental-Album abgeben. Und das hat etwas zu heißen. Sowohl musikalisch, als auch textlich passt (fast) alles.
Denn auch die Texte suchen sich ihren ganz eigenen Weg zwischen geradeaus (,ungeschönt mitten sind Gesicht) und über den Umweg (durch die Blume). Zwar lassen einem die Texte immer noch genug Platz für eigene Interpretationen und keifen einem die Parolen nicht direkt entgegen, schränken den Spielraum jedoch ein und lassen den Hörer somit nicht komplett verwirrt im Dunkeln danach suchen.
Und trotzdem sparen HEY RUIN nicht mit klaren Ansagen gegen Homophobie und Fremdenhass, räumen mir Vorurteilen auf und rechnen mit unserer Überflussgesellschaft ab, um sich am Ende dann doch wieder mit einem "Alles wird gut" zu verabschieden.

"Basic Schutzinstinkt" (von der ersten 7"inch) findet auch seinen Platz auf "Irgendwas mit Dschungel" wieder. Ein anderer alter Bekannter, der es auch aufs Album geschafft hat, ist Jörkk, seinerseits Sänger bei LOVE A und SCHRENG SCHRENG & LALA - jener sorgt, im Zusammenspiel mit HEY RUIN, für mein persönliches Highlight des Albums. "Hemd Offen" hat nicht nur einen super Text, der sich gegen all die homophoben Arschlöcher da draußen richtet, sondern setzt auch musikalisch, vor allem durch das Zusammenspiel der sich gegenseitig hochpeitschenden Stimmen, ein Highlight.

Spätestens "Irgendwas Mit Dschungel" macht die Trauer über die Bandpause von MNTMNTS vergessen. TURBOSTAAT, LOVE A,... habt ihr noch Platz für HEY RUIN in euren Reihen?!

Autor

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Janik

Autoren Bio

Janik E. // 22 // love music. hate fascism.

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